Zum Standder Kos­ten­rech­nungs­for­schun­gin Deutschland

HARVARDMANAGER-SERIE: MANAGEMENTFORSCHUNG IN DEUTSCHLAND (2) THEMA „KOSTENRECHNUNG“ AN DER UNIVERSITÄT FRANKFURT:

HBM 3/1979


KURT BRUCH ist Ge­schäfts­füh­ren­der Ge­sell­schaf­ter des In­sti­tuts „Neue Be­trie­bs­wirt­schaft“ in Hei­del­berg. Von 1962 bis 1972 war er Her­aus­ge­ber der gleich­na­mi­gen Fach­zeit­schrift.

Pra­xis­be­zo­ge­ne Kos­ten­rech­nungs­for­schung in Deutsch­land be­ginnt um die Jahr­hun­dert­wen­de mit Schma­len­bach. Nicht theo­re­tisch-ana­ly­tisch wie bei Cour­not 1848, son­dern von der für die Pra­xis wich­ti­gen Fra­ge­stel­lung aus­ge­hend, „wes­halb bei schlech­ter Be­schäf­ti­gung die Stück­kos­ten hoch und bei gu­ter nied­rig sind“. Schma­len­bach be­zeich­net das als „pa­ra­dox“, da der Un­ter­neh­mer bei schlech­ter Be­schäf­ti­gung sich mit ho­hen Prei­sen den Markt­zu­gang er­schwert, bei gu­ter Be­schäf­ti­gung aber im all­ge­mei­nen einen hö­he­ren Preis durch­set­zen kann. In den zwan­zi­ger Jah­ren wird Al­fred P. Slo­an (Ge­ne­ral Mo­tors) mit dem glei­chen Pro­blem in der Pra­xis kon­fron­tiert. Im Win­ter, bei schlech­ter Nach­fra­ge und ge­rin­ger Ka­pa­zi­täts­aus­las­tung, sind die Her­stel­lungs­kos­ten hoch, im Som­mer aber, bei auf­nah­me­fä­hi­gem Markt und gu­ter Be­schäf­ti­gung nied­rig. Zur Klä­rung die­ses für die Kos­ten­rech­nungs­theo­rie un­halt­ba­ren, weil wi­der­sprüch­li­chen Pro­blems ist in un­ter­schied­li­cher Wei­se von Theo­rie und Pra­xis bei­ge­tra­gen wor­den. Den Prak­ti­ker­lö­sun­gen, teils pa­ra­do­xer als das Pa­ra­do­xon selbst, lie­gen im we­sent­li­chen drei ge­dank­li­che An­sät­ze oder Kom­bi­na­tio­nen der­sel­ben zu­grun­de: 1. Die Stan­dar­di­sie­rung von Ab­satz und Be­schäf­ti­gung (von Slo­an prak­ti­ziert) ist ganz of­fen­sicht­lich eine Schein­lö­sung, da sie eine Ver­än­de­rung der Be­din­gun­gen un­ter to­ta­ler Ver­zer­rung der öko­no­mi­schen Wirk­lich­keit be­deu­tet (Nach­fra­ge und Be­schäf­ti­gung wer­den als gleich­blei­bend un­ter­stellt). 2. Die Fix­kos­ten wer­den le­dig­lich nach dem Grad der Ka­pa­zi­täts­aus­las­tung der Er­zeug­nis­ein­heit zu­ge­rech­net. Eine rech­ne­ri­sche Ma­ni­pu­la­ti­on, die zu kei­nem öko­no­misch sinn­vol­len Er­geb­nis füh­ren kann. 3. Kor­ri­gie­ren­de An­pas­sung der Her­stel­lungs­kos­ten durch Ver­zicht auf die Zu­rech­nung be­stimm­ter Kos­ten­ar­ten auf die Er­zeug­nis­ein­heit. Ver­zicht ins­be­son­de­re auf nicht aus­ga­be­wirk­sa­me fixe Kos­ten. Die­ses Ver­fah­ren, auch als Kri­sen­rech­nung be­zeich­net, re­du­ziert le­dig­lich die Her­stel­lungs­kos­ten. Als aus­sichts­rei­cher er­wie­sen sich die An­sät­ze der pra­xis­be­zo­ge­nen Theo­rie, die Tren­nung in fixe und pro­por­tio­na­le Kos­ten, in Kos­ten­ka­te­go­ri­en, die sich ein­mal mit der Beschäftigung/Ausbringungsmenge än­dern und in an­de­re, die von der Be­schäf­ti­gungs­än­de­rung un­be­ein­flußt blei­ben. Schma­len­bach teilt in sei­nen ers­ten Ar­bei­ten in un­mit­tel­ba­re und mit­tel­ba­re Un­kos­ten, spä­ter in Kon­stan­te und Pro­por­tio­na­lia, schließ­lich auch in fixe und pro­por­tio­na­le Kos­ten. Ein hal­b­es Jahr­hun­dert zu­vor hat­te Cour­not das Be­griffs­paar „mar­gi­nal“ und „kon­stant“ ge­braucht, von Waf­fen­schmidt, der die Ar­bei­ten von Cour­not über­setzt hat, als Grenz­kos­ten und Fix­kos­ten über­nom­men. Die be­trieb­li­che Pra­xis ge­braucht heu­te die Be­grif­fe va­ria­ble Kos­ten, pro­por­tio­na­le Kos­ten und Grenz­kos­ten syn­onym; eben­so Block­kos­ten, Fix­kos­ten, Be­reit­schafts­kos­ten. Ver­brei­tet ist auch das Be­griffs­paar Ein­zel­kos­ten und Ge­mein­kos­ten. Bei die­sen Be­griffs­paa­run­gen, bei de­nen auch un­ter­schied­li­che Be­trach­tungs­wei­sen wie die der Zu­re­chen­bar­keit, Art der Er­fas­sung oder zeit­raum­be­zo­ge­ne Ge­sichts­punk­te eine Rol­le spie­len, ist der An­satz stets zwei­di­men­sio­nal. Die Kos­ten­tren­nung in zwei Ka­te­go­ri­en wird zum Kri­te­ri­um von Kos­ten­rech­nungs­sys­te­men, die ihre be­griff­li­che und sach­li­che Aus­prä­gung in der Grenz­kos­ten­rech­nung, der Grenz­plan­kos­ten­rech­nung, der Mar­gi­nal­kos­ten­rech­nung, der Pro­por­tio­nal­kos­ten­rech­nung und der­glei­chen fin­den. Das Di­rect Costing hält Rie­bel hier­bei für be­son­ders ge­fähr­lich, weil der di­rek­te Be­zug der Kos­ten zum Out­put, zur Aus­brin­gungs­men­ge, zum Aus­druck kommt und da­mit zur ir­re­lei­ten­den Gleich­set­zung von pro­por­tio­na­len, di­rekt er­faß­ten und di­rekt zu­re­chen­ba­ren Kos­ten führt. Rie­bel be­zeich­net das Di­rect Costing und alle auf ei­ner zwei­di­men­sio­na­len Kos­ten­tren­nung be­ru­hen­den Ver­fah­ren als leich­tes und ein­fa­ches Kon­zept ? zu ein­fach, um die kom­pli­zier­te Wirk­lich­keit rech­ne­risch ab­bil­den zu kön­nen.
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