Der Chef arbeitet on-line

NEUE TECHNOLOGIEN SIND DIE VORBOTEN BESSERER INFORMATIONSSYSTEME FÜR DAS TOPMANAGEMENT:

HBM 2/1983


JOHN F. ROCKART ist Di­rek­tor des Cen­ter for In­for­ma­ti­on Sys­tems Re­se­arch und Do­zent der Ma­na­ge­ment­wis­sen­schaf­ten an der Slo­an School of Ma­na­ge­ment, die zum Massa­chu­setts In­sti­tu­te of Tech­no­lo­gy ge­hört. Ein grund­le­gen­der Bei­trag von ihm zum The­ma er­schi­en be­reits in HAR­VARD­ma­na­ger 1980/II: „Top­ma­na­ger soll­ten ih­ren Da­ten­be­darf selbst de­fi­nie­ren“. MI­CHA­EL TRE­A­CY ist Dok­to­rand an der Slo­an School of Ma­na­ge­ment. Nach Ab­schluß sei­ner Pro­mo­ti­on über Ma­na­ge­ment-In­for­ma­ti­ons­sys­te­me wird er an der Slo­an School als As­sis­tenz­pro­fes­sor Ma­na­ge­ment­wis­sen­schaf­ten leh­ren.

Com­pu­ter­ter­mi­nals sind in den Bü­ros nichts Neu­es. Sach­be­ar­bei­ter be­nut­zen sie seit Jah­ren. Ma­na­ger mitt­ler­er Ebe­nen be­die­nen sich ih­rer zu­neh­mend, eben­so Ab­tei­lungs­lei­ter oder Stä­be. Aber der Ge­dan­ke, daß der Chef und die an­de­ren Top­ma­na­ger ei­nes Mil­li­ar­den-Kon­zerns re­gel­mä­ßig am ei­ge­nen Bild­schirm­ge­rät sit­zen, be­wirkt meist nur ein amü­sier­tes Lä­cheln oder Kopf­schüt­teln. Ir­gend­wie stößt die Vor­stel­lung, daß der Chef eif­rig die Ter­mi­nal­ta­sta­tur be­dient, noch auf Un­ver­ständ­nis. Denn der Ar­beits­tag ei­nes Chefs, so die gän­gi­ge Mei­nung, ist aus­ge­füllt durch Tref­fen mit wich­ti­gen Di­vi­sion­ma­na­gern, Ar­beits­be­spre­chun­gen, Te­le­phon­ge­sprä­chen, Kon­fe­ren­zen, Re­den und Ver­hand­lun­gen. Zu­dem be­le­gen Un­ter­su­chun­gen des All­tags der Top­ma­na­ger, daß sie stark ver­bal ori­en­tiert sind und kaum Ge­brauch von „har­ten“ In­for­ma­tio­nen ma­chen. „Ein großer Teil der In­for­ma­tio­nen von Ma­na­gern ist 'weich' und spe­ku­la­tiv - Ein­drücke und Ge­füh­le, Ge­rüch­te, Klatsch und ähn­li­ches“, fand Hen­ry Mintz­berg her­aus, „wirk­lich ana­ly­ti­sche In­puts wie Be­rich­te, Pa­pie­re und 'har­te' Da­ten über­haupt schei­nen von re­la­tiv ge­rin­ger Be­deu­tung zu sein.“ Die­se Ar­beits­wei­se aber scheint all­mäh­lich, aber si­cher sich zu än­dern: * Ben W. Hei­ne­man, Pre­si­dent und CEO (Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer) von Nor­thwest In­dus­tries, ver­bringt fast täg­lich meh­re­re Stun­den am Com­pu­ter­ter­mi­nal. Dort fragt er die Zah­len aus je­der sei­ner neun Ge­schäfts­ein­hei­ten ab und ana­ly­siert sie mit Hil­fe des ein­ge­spei­cher­ten Da­ten­ma­te­ri­als und ei­ner leicht an­zu­wen­den­den Com­pu­ter­spra­che. Das Ter­mi­nal ist zu sei­nem wich­tigs­ten Hilfs­mit­tel für die Über­wa­chung und Pla­nung der Ge­schäfts­ak­ti­vi­tä­ten ge­wor­den. * Ro­ger E. Birk, Pre­si­dent von Mer­rill Lynch, und Gre­go­ry Fitz­ge­rald, sein Fi­nanz­ma­na­ger, ha­ben über Com­pu­ter­ter­mi­nals im ei­ge­nen Büro Zu­gang zu ei­ner großen Zahl stän­dig ak­tua­li­sier­ter Be­rich­te über die welt­wei­te Tä­tig­keit des Un­ter­neh­mens. Das Sys­tem, das kürz­lich um die Mög­lich­keit gra­phi­scher Dar­stel­lun­gen er­wei­tert wur­de, war vom frü­he­ren Mer­rill-Lynch-Chef und jet­zi­gen US-Fi­nanz­mi­nis­ter Do­nald T. Re­gan als Hilfs­mit­tel zur schnel­len In­for­ma­ti­on über neues­te Fi­nan­z­ent­wick­lun­gen in­iti­iert wor­den. * John A. Scho­ne­man, Chair­man of the Board der Waus­au Ins­uran­ce Com­pa­nies, und Ge­rald D. Vis­te, der Pre­si­dent, be­nut­zen on-line eine Da­ten­bank, die In­for­ma­tio­nen über ihre ei­ge­ne Fir­ma und über die Wett­be­wer­ber ent­hält. Am Ter­mi­nal kön­nen sie nu­me­ri­sche und gra­phi­sche Ana­ly­sen durch­füh­ren, die ih­nen hel­fen, die Stra­te­gie des Un­ter­neh­mens fest­zu­le­gen. * Ge­or­ge N. Hat­so­pou­los, Pre­si­dent von Ther­mo Elec­tron, schreibt sei­ne Pro­gram­me in der APL- Spra­che selbst, um In­for­ma­tio­nen aus ver­schie­de­nen Da­ten­ban­ken sei­ner Fir­ma zu ver­knüp­fen. Da­durch kann er schnell In­for­ma­tio­nen über das Un­ter­neh­men, den Markt und die Wirt­schaft­s­ent­wick­lung ab­ru­fen, wann im­mer er sie be­nö­tigt. Ob­wohl die­se Bei­spie­le noch nicht das all­ge­mei­ne Ver­hal­ten von Top­ma­na­gern wi­der­spie­geln, be­le­gen sie einen sich ver­stär­ken­den Trend zu mehr Com­pu­ter­tech­nik in der Chef eta­ge. In den letz­ten bei­den Jah­ren ha­ben wir 16 Un­ter­neh­men un­ter­sucht, in de­nen min­des­tens ei­ner von drei Top­ma­na­gern, meis­tens der Chef selbst, re­gel­mä­ßig Com­pute­r­in­for­ma­tio­nen ab­ruft und aus­wer­tet. Auf den fol­gen­den Sei­ten ge­ben wir einen La­ge­be­richt über die­ses sich schnell aus­brei­ten­de Phä­no­men.
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