Eine Investitionspolitik,die sich auszahlt

WACHSTUMSINDUZIERENDE INVESTITIONEN VERLANGEN DETAILLIERTE RISIKOANALYSEN:

HBM 2/1981


DA­VID B. HERTZ ist Di­rek­tor der Ma­na­ge­ment­be­ra­tungs­fir­ma McKin­sey & Com­pa­ny. Zu­vor hat­te er füh­ren­de Po­si­tio­nen bei Ar­thur An­der­sen & Co., Ra­dio Cor­po­ra­ti­on of Ame­ri­ca und Ce­la­ne­se Cor­po­ra­ti­on of Ame­ri­ca inne. Au­ßer­dem ist er als Au­tor zahl­rei­cher Ver­öf­fent­li­chun­gen, ins­be­son­de­re zu den The­men Tech­no­lo­gie und Ope­ra­ti­ons Re­se­arch, her­vor­ge­tre­ten.

In die­sem Jahr (i. e. 1968) wer­den ame­ri­ka­ni­sche Ma­na­ger auf­grund sorg­fäl­tig er­ar­bei­te­ter Ana­ly­sen schät­zungs­wei­se 65 Mil­li­ar­den Dol­lar in ge­winn­ver­spre­chen­den In­ves­ti­ti­ons­pro­jek­ten an­le­gen. In zwei oder drei Jah­ren, wenn sich die lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen die­ser In­ves­ti­tio­nen ab­zu­zeich­nen be­gin­nen, emp­fin­den vie­le die­ser Ma­na­ger ähn­li­che See­len­qua­len wie ein Spie­ler, der in Las Ve­gas falsch ge­setzt hat. Denn trotz der teu­ren Ana­ly­sen und der Ge­wis­sens­er­for­schung in den Chef­e­ta­gen blei­ben die meis­ten In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen eine Mi­schung aus Re­chen­kunst und Rou­let­te. Daß die­se Be­haup­tung nicht aus der Luft ge­grif­fen ist, be­le­gen fol­gen­de Bei­spie­le: * Im Ge­spräch er­klär­te mir der Pre­si­dent ei­nes großen in­ter­na­tio­na­len Kon­zerns, daß er ein­fach nicht be­grei­fen kön­ne, wes­halb die In­ves­ti­ti­ons­po­li­tik sei­nes Un­ter­neh­mens nicht die er­war­te­ten Re­sul­ta­te ge­bracht habe. Vor ei­ni­gen Jah­ren, so er­läu­ter­te er, habe der Vor­stand fest­ge­legt, daß jede In­ves­ti­ti­on eine ge­schätz­te Ka­pi­tal­ren­di­te von jähr­lich 20 Pro­zent vor Steu­ern brin­gen müs­se. An die­se Richt­li­nie habe man sich auch ge­wis­sen­haft ge­hal­ten. Den­noch be­tra­ge die tat­säch­li­che Ren­di­te durch­schnitt­lich nur 14 Pro­zent pro Jahr. „Und da­bei ha­ben wir ei­ni­ge der bes­ten Ana­ly­ti­ker der ge­sam­ten Bran­che“, füg­te der frus­trier­te Kon­zern­chef hin­zu. * In ei­nem an­de­ren großen, stark tech­no­lo­gisch aus­ge­rich­te­ten Un­ter­neh­men mit di­ver­si­fi­zier­ter Pro­duk­ti­on muß­ten die an In­ves­ti­tio­nen ge­knüpf­ten Er­folgs­er­war­tun­gen dras­tisch zu­rück­ge­schraubt wer­den: Nur die Hälf­te al­ler in den letz­ten Jah­ren ge­tä­tig­ten In­ves­ti­tio­nen wer­den nach der­zei­ti­gen Er­war­tun­gen die Ge­winn­schwel­le über­schrei­ten, und we­ni­ger als die Hälf­te von die­sen wird den einst vor­her­ge­sag­ten In­ves­ti­ti­ons­er­trag (ROI - Re­turn on In­vest­ment) ab­wer­fen. Al­ler­dings wer­den ei­ni­ge In­ves­ti­tio­nen aber auch weit über den Er­war­tun­gen lie­gen­de Er­trä­ge brin­gen. * Der Vor­stand ei­nes großen Un­ter­neh­mens der che­mi­schen In­dus­trie steht vor ei­nem re­gel­rech­ten Di­lem­ma: Nach den der­zei­ti­gen Richt­li­ni­en muß je­des vor­ge­schla­ge­ne Pro­jekt, das Ka­pi­tal bin­det, eine Er­trags­ra­te von min­des­tens zwölf Pro­zent nach Steu­ern er­war­ten las­sen (16 Pro­zent bei be­son­ders ri­si­ko­rei­chen Vor­ha­ben). Trotz strik­ter An­wen­dung die­ser Po­li­tik konn­te der Vor­stand in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren kei­nen ein­zi­gen In­ves­ti­ti­ons­vor­schlag zu­rück­wei­sen. Den­noch zei­gen die Re­sul­ta­te neue­rer In­ves­ti­tio­nen ein alar­mie­rend un­gleich­mä­ßi­ges Bild. Um für künf­ti­ge Vor­schlä­ge eine bes­se­re Ent­schei­dungs­grund­la­ge zu ha­ben und, wie man hofft, die In­ves­ti­ti­ons­re­sul­ta­te ver­bes­sern zu kön­nen, berät der Vor­stand jetzt über eine neue in­ves­ti­ti­ons­po­li­ti­sche Richt­li­nie, die den Ka­pi­tal­rück­fluß in­ner­halb von drei Jah­ren und zu­sätz­lich eine ab­ge­zins­te Cash-flow-Ren­di­te von acht Pro­zent ver­langt. Der Vor­stand ist sich noch un­schlüs­sig, ob er sei­ne Ein­wil­li­gung ge­ben soll. In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen schei­nen also im­mer noch mehr Kunst als Wis­sen­schaft zu sein - viel­fach so­gar ein Glückss­piel. Die Grün­de hier­für sind of­fen­kun­dig. Je­der In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung geht eine Aus­wahl aus vor­han­de­nen Op­tio­nen vor­aus - je­den­falls soll­te es so sein. In je­dem Fall muß eine zum Ent­schei­dungs­punkt noch Un­ge­wis­se Zu­kunft be­rück­sich­tigt wer­den. Die Kos­ten, Markt­ge­ge­ben­hei­ten und Prei­se, die in der Zu­kunft tat­säch­lich Rea­li­tät wer­den, un­ter­schei­den sich aber un­aus­weich­lich von den je­wei­li­gen An­nah­men ei­nes Ori­en­tie­rungs­mo­dells, mit des­sen Hil­fe die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten be­wer­tet wer­den. Hin­zu kommt noch die Viel­falt der Kri­te­ri­en, die als Be­ur­tei­lungs­maß­stab für In­ves­ti­ti­ons­vor­ha­ben her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen: Ka­pi­tal­rück­fluß-Pe­ri­ode, durch­schnitt­li­che Jah­res­ren­di­te, Ka­pi­tal­wert, ab­ge­zins­ter ROI. Trotz der in­ten­si­ven Dis­kus­si­on al­ler Theo­ri­en ist es für das Ma­na­ge­ment höchst schwie­rig zu schät­zen, wel­che Aus­wir­kun­gen die Wahl ei­nes be­stimm­ten Ent­schei­dungs­kri­te­ri­ums auf die tat­säch­li­chen lang­fris­ti­gen Er­trä­ge ha­ben wird. Kurz­um: Weil das Ma­na­ge­ment kei­ne Mög­lich­keit hat, die Aus­wir­kun­gen ei­ner In­ves­ti­ti­ons­po­li­tik zu tes­ten, kann es nicht wis­sen, ob es viel­leicht eine bes­se­re Ent­schei­dung ge­ge­ben hät­te. Eine Lö­sung die­ses Di­lem­mas bie­tet sich al­ler­dings an: Wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se, die McKin­sey & Com­pa­ny durch Ana­ly­se und com­pu­ter­ge­stütz­te Si­mu­la­ti­on des In­ves­ti­ti­ons­pro­zes­ses ge­won­nen hat, wei­sen einen für die meis­ten Un­ter­neh­men gang­ba­ren Weg. Die­se Me­tho­de stellt si­cher, daß die in­ves­ti­ti­ons­po­li­ti­schen Richt­li­ni­en, auf die sich ein Un­ter­neh­men fest­legt, die größt­mög­li­chen Chan­cen für eine Er­fül­lung der lang­fris­ti­gen Ziel­set­zun­gen bie­ten. Im ein­zel­nen kann ein Ma­na­ge­ment mit Hil­fe die­ser Me­tho­de fol­gen­de Fra­gen mit ei­ni­ger Si­cher­heit be­ant­wor­ten: * Hat un­se­re bis­he­ri­ge In­ves­ti­ti­ons­po­li­tik ent­spre­chend den von uns ak­zep­tier­ten Ri­si­ken die höchst­mög­li­chen Er­trags­ra­ten ge­bracht? * Wel­che Ri­si­ken ha­ben wir bei un­se­ren In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen in Kauf ge­nom­men? Ent­spricht dies tat­säch­lich dem Ri­si­k­o­um­fang, den das Top­ma­na­ge­ment ak­zep­tie­ren will? * Ha­ben wir un­ter Be­rück­sich­ti­gung un­se­rer lang­fris­ti­gen Un­ter­neh­mens­zie­le für un­se­re In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen die bes­ten Kri­te­ri­en be­nutzt? Ha­ben wir dem Un­si­cher­heits­fak­tor da­bei ge­büh­rend Rech­nung ge­tra­gen? * Mit wel­cher In­ves­ti­ti­ons­po­li­tik könn­ten wir bei ge­ge­be­nen Al­ter­na­ti­ven und ak­zep­ta­blem Ri­si­ko den lang­fris­ti­gen Er­trag un­se­rer In­ves­ti­tio­nen, ge­mes­sen am Ge­winn pro Ak­tie, ma­xi­mie­ren? Um ein Ver­ständ­nis da­für zu ent­wi­ckeln, wie die­se Fra­gen zu be­ant­wor­ten sind, und um Me­tho­den und Re­sul­ta­te un­se­rer For­schun­gen ver­ständ­lich zu ma­chen, ist es zweck­mä­ßig, zu­nächst ei­ni­ge der­zeit üb­li­che Me­tho­den der Ri­si­ko­be­wer­tung zu ver­glei­chen, um dar­an an­knüp­fend das Kon­zept ei­ner ef­fek­ti­ven In­ves­ti­ti­ons­po­li­tik zu un­ter­su­chen.
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