Ursachen statt Signale

HARVARDMANAGER-SERIE: MANAGEMENTFORSCHUNG IN DEUTSCHLAND (1) THEMA „KAUSALPROGNOSEN“AN DER UNIVERSITÄT HEIDELBERG:

HBM 2/1979


KURT BRUCH ist Ge­schäfts­füh­ren­der Ge­sell­schaf­ter des In­sti­tuts „Neue Be­trie­bs­wirt­schaft“ in Hei­del­berg. Von 1962 bis 1972 war er Her­aus­ge­ber der gleich­na­mi­gen Fach­zeit­schrift.

Hö­he­punkt der Haupt­ver­samm­lung fort­schritts­be­wuß­ter Un­ter­neh­men in den ers­ten 70er Jah­ren war die Be­kannt­ga­be der Er­war­tun­gen, „die Pro­gno­se“. Un­ter­neh­me­ri­schen Weit­blick ließ er­ken­nen, wer Vor­her­sa­gen lang­fris­tig, mög­lichst weit in die Zu­kunft rei­chend, nicht sel­ten aber über einen Zeit­raum von 10 Jah­ren und dar­über, ab­gab. Sind im Be­richts­jahr und viel­leicht noch im Vor­jahr 10, 15 oder gar 20 Pro­zent Um­satz­zu­wachs er­reicht wor­den, so war das die Grund­la­ge da­für, die­se Zah­len in die nahe und fer­ne Zu­kunft zu „pro­ji­zie­ren“. Heu­te, da die Ent­wick­lung Pro­gno­sen die­ser Art weit­ge­hend wi­der­legt hat, ist die Er­klä­rung da­für so schnell ge­fun­den wie da­mals die Pro­gno­se. Ne­ben dem stets wir­kungs­vol­len Satz „Nie­mand konn­te zu die­ser Zeit wis­sen, wie sich die Din­ge tat­säch­lich ent­wi­ckeln“ ge­nü­gen Hin­wei­se auf Dol­lar­ver­fall, po­li­ti­sche Än­de­run­gen und auf die Pro­ble­me der Ener­gie- und Atom­wirt­schaft, um das Nicht­ein­tref­fen der Er­war­tun­gen zu be­grün­den. Sind ex­tra­po­la­ti­ve Pro­gno­sen über die Zu­kunft, meist müh­sam und auf­wen­dig in Stä­ben er­ar­bei­tet, hin­rei­chend Grund­la­ge da­für, um lang­fris­ti­ge Pla­nun­gen und Ent­schei­dun­gen dar­auf auf­zu­bau­en? Ei­ni­ge Ent­wick­lun­gen und ihre Sta­tis­ti­ken zei­gen be­ein­dru­cken­de Kon­stanz, die wie alle auf Er­fah­run­gen be­ru­hen­den Ur­tei­le zu dem Schluß ver­lei­ten, die Zu­kunft glei­che der Ver­gan­gen­heit, oder, wie es ein Sta­tis­ti­ker sagt: „Al­len ex­tra­po­la­ti­ven Pro­gno­se­ver­fah­ren liegt die An­nah­me zu­grun­de, es geht so wei­ter wie bis­her ... viel­leicht bloß nicht ganz so toll.“ Re­la­ti­ve Sta­bi­li­tät kenn­zeich­ne­te die bis­he­ri­ge Ent­wick­lung nach dem Zwei­ten Welt­krieg bis in die 70er Jah­re. Ex­tra­po­la­ti­ve Ver­fah­ren führ­ten des­halb in man­chen Fäl­len zu brauch­ba­ren Er­geb­nis­sen. Die Kon­ti­nui­tät ist in­zwi­schen zer­bro­chen. Da­mit sind der An­wen­dungs­mög­lich­keit ex­tra­po­la­ti­ver Ver­fah­ren enge Gren­zen ge­setzt, sie sind un­si­cher, ge­fähr­lich ge­wor­den. Prak­ti­ker mit me­tho­disch-wis­sen­schaft­lich re­flek­tier­tem Be­wußt­sein, mit Kennt­nis der An­wen­dungs­gren­zen sta­tis­ti­scher Ver­fah­ren, ha­ben stets die Ge­fah­ren ex­tra­po­lie­ren­der Ver­fah­ren be­tont. Mi­cha­el J. Kami, ein her­vor­ra­gen­der Ken­ner die­ser Pro­ble­me, hat es über­spitzt, da­für sehr ein­präg­sam aus­ge­drückt: „Es gibt (in der Un­ter­neh­mens­pla­nung) nichts Schlim­me­res als Er­fah­rung.“ An an­de­rer Stel­le: „Ex­tra­po­la­tio­nen der Ver­gan­gen­heit füh­ren nicht in die Zu­kunft, son­dern in die Ka­ta­stro­phe.“ Hier den Schluß zu zie­hen, die neu­en Pro­gno­se­tech­ni­ken wür­den den Wert von Er­fah­rung ge­ne­rell in Ab­re­de stel­len, wäre vor­ei­lig. Schwer­punkt­ver­la­ge­run­gen in der Pro­gno­s­tik zu ra­tio­na­lis­ti­schen An­sät­zen sind al­ler­dings - aus den Ent­täu­schun­gen mit naiv-em­pi­ri­schen Ver­fah­ren - spür­bar. Das Zero-Base-Bud­ge­ting, be­kannt aus der al­ten Plan­kos­ten­rech­nung, for­dert (wie­der ein­mal) vor­aus­set­zungs­lo­ses, er­fah­rungs­un­be­ein­fluß­tes Nach­den­ken zur Be­stim­mung künf­ti­ger Zie­le. Eine Über­re­ak­ti­on? Was bie­ten die neu­en Pro­gno­se­tech­ni­ken ge­gen­über die­sen un­kri­ti­schen, wis­sen­schaft­lich un­halt­ba­ren, in der prak­ti­schen An­wen­dung zu ge­fähr­li­chen Pla­nungs- und Ent­schei­dungs­feh­lern füh­ren­den Ver­fah­ren, de­ren Nai­vi­tät meist nur durch einen über­zo­ge­nen Ver­fah­rens­for­ma­lis­mus ver­schlei­ert wer­den kann? Pro­fes­sor Gün­ter Men­ges von der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg hat durch Ent­wick­lung der LPI- Me­tho­de (li­nea­re par­ti­el­le In­for­ma­ti­on) und ihre Ver­bin­dung mit kau­sa­len Pro­gno­se­ver­fah­ren einen wich­ti­gen Bei­trag zur Ver­bes­se­rung der Pro­gno­s­tik ge­leis­tet.

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