Fallstricke bei der Be­wer­tun­gris­kan­ter Projekte

EINE GUTE ANALYSE BERUHT NICHT NUR AUF AUSGEFEILTEN TECHNIKEN, SONDERN AUCH AUF SCHLÜSSIGEN ANNAHMEN:

HBM 3/1985


JA­MES E. HOD­DER ist As­sis­tenz­pro­fes­sor für In­dus­tri­al En­gi­nee­ring und En­gi­nee­ring Ma­na­ge­ment an der St­an­ford Uni­ver­si­ty. In Leh­re und For­schung hat er sich auf In­ves­ti­ti­ons­pla­nung und Kurs­si­che­rungs­me­tho­den spe­zia­li­siert. HEN­RY E. RIGGS ist an der glei­chen Hoch­schu­le Pro­fes­sor für In­dus­tri­al En­gi­nee­ring und En­gi­nee­ring Ma­na­ge­ment und Vice-Pre­si­dent für Ent­wick­lung. Be­vor er 1974 dem Ruf an die St­an­ford Uni­ver­si­ty folg­te, war er 15 Jah­re lang als Fi­nanz­fach­mann in der In­dus­trie tä­tig.

In den letz­ten Jah­ren sind die Lei­ter ame­ri­ka­ni­scher Un­ter­neh­men we­gen ih­rer In­ves­ti­ti­ons­po­li­tik mit ei­nem Ha­gel von An­grif­fen über­schüt­tet wor­den. Die Kri­ti­ker kla­gen die ame­ri­ka­ni­schen Ma­na­ger der Kurz­sich­tig­keit an und wei­sen dar­auf hin, daß die Un­ter­neh­mens­lei­tun­gen m Ja­pan und Eu­ro­pa ihre Pla­nun­gen an ei­nem brei­te­ren Zei­t­ho­ri­zont aus­rich­ten. In den USA, so wird be­haup­tet, schen­ken die Ma­na­ger der vier­tel­jähr­li­chen Ge­winn- und Ver­lust­rech­nung eine zu große Auf­merk­sam­keit und ver­nach­läs­si­gen dar­über die Grun­d­ele­men­te in­dus­tri­el­ler Stär­ke wie For­schung und Ent­wick­lung. Ei­ni­ge Ana­lys­ten se­hen die Wur­zel die­ses Pro­blems dar­in, daß ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men bei der Be­wer­tung von lang­fris­ti­gen In­ves­ti­tio­nen ein zu großes Ge­wicht auf den dis­kon­tier­ten Cas­h­flow (DCF) le­gen. Die­se Kri­ti­ker be­haup­ten, daß DCF- Tech­ni­ken in­ne­re Schwä­chen auf­wei­sen, die sie un­ge­eig­net ma­chen für die Be­wer­tung von Pro­jek­ten mit ei­ner lan­gen Amor­ti­sa­ti­ons­zeit. Wir kön­nen die­sen Be­haup­tun­gen nicht beipflich­ten. Nach un­se­rer An­sicht wen­den Un­ter­neh­men al­ler­dings DCF-Tech­ni­ken bei der Be­wer­tung von lang­fris­ti­gen oder stra­te­gi­schen In­ves­ti­ti­ons­vor­ha­ben häu­fig falsch an oder ver­ste­hen ihre Be­deu­tung nicht. Miß­brauch tritt vor al­lem bei der Be­wer­tung von lang­fris­ti­gen F + E-Pro­jek­ten auf, die an­schei­nend hohe Ri­si­ken bein­hal­ten. Falsche An­wen­dung von DFC-Tech­ni­ken kann si­cher­lich zu ei­ner un­er­wünsch­ten Aver­si­on ge­gen lang­fris­ti­ge In­ves­ti­tio­nen bei­tra­gen. Je­doch liegt die Ur­sa­che des Pro­blems nicht in der Me­tho­de, son­dern in ih­rem Miß­brauch. Geld hat in je­der Wirt­schaft einen Zeit­wert, und li­qui­de Mit­tel sind der Le­bens­saft ei­nes je­den Un­ter­neh­mens. Die Be­wer­tung des in ver­schie­de­nen Pe­ri­oden er­zeug­ten Cash-flows (Kos­ten oder Er­lö­se) er­for­dert ein Ver­fah­ren, das sinn­vol­le Ver­glei­che zu­läßt. Für die Be­wer­tung und Ein­stu­fung von In­ves­ti­ti­ons­vor­ha­ben, ob sie nun kurz- oder lang­fris­tig sind, und ob sie Sach­ka­pi­tal-, F + E- oder Mar­ke­tin­g­aus­ga­ben zur Fol­ge ha­ben, be­nö­ti­gen wir for­ma­le Tech­ni­ken, die den un­ter­schied­li­chen Cash-flow zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten er­mit­teln. Die Ab­zin­sung bie­tet ein ver­nünf­ti­ges, kon­zep­tio­nell stim­mi­ges Ver­fah­ren zur Durch­füh­rung sol­cher Be­wer­tun­gen. Un­glück­li­cher­wei­se kön­nen DCF-Tech­ni­ken ge­nau­so wie Com­pu­ter be­ein­dru­cken­de, aber ir­re­füh­ren­de Out­puts lie­fern, wenn die In­puts nicht stim­men. Vor­ein­ge­nom­me­ne Ma­na­ger wer­den stets zu vor­ein­ge­nom­me­nen Er­geb­nis­sen kom­men. Der Feh­ler liegt je­doch nicht bei der Me­tho­de, son­dern bei dem Ana­lys­ten. Was not tut für eine Ver­bes­se­rung der In­ves­ti­ti­ons­pla­nung, ist die Schu­lung im ver­nünf­ti­gen Ein­satz von for­ma­len Tech­ni­ken, nicht ihre pau­scha­le Ab­leh­nung. Nach un­se­rer An­sicht lie­fern DCF-Me­tho­den wert­vol­le In­for­ma­tio­nen zur Un­ter­stüt­zung der Ent­schei­dungs­fin­dung im Ma­na­ge­ment. Wir be­to­nen das Wort „Un­ter­stüt­zung“, weil es Men­schen sind, nicht ana­ly­ti­sche Hilfs­mit­tel, die die Ent­schei­dun­gen tref­fen. Ma­na­ger mö­gen bei ih­ren Ent­schei­dun­gen vie­le Zie­le ver­fol­gen und sich vie­len Zwän­gen aus­ge­setzt se­hen. Nichts­de­sto­we­ni­ger be­nö­ti­gen sie In­for­ma­tio­nen über den re­la­ti­ven fi­nan­zi­el­len Wert von un­ter­schied­li­chen Op­tio­nen. Ver­nünf­tig an­ge­wen­det, lie­fern DCF- Tech­ni­ken sol­che In­for­ma­tio­nen. Die Al­ter­na­ti­ve be­stün­de dar­in, den Zeit­wert des Gel­des völ­lig zu igno­rie­ren und an­zu­neh­men, ein Dol­lar, der in zehn Jah­ren ver­dient wird, be­sä­ße den glei­chen Wert wie ein Dol­lar von heu­te. Bei der An­wen­dung von DCF-Tech­ni­ken wer­den frei­lich häu­fig drei ernst­haf­te Feh­ler be­gan­gen: * Un­ge­eig­ne­te Er­fas­sung von In­fla­ti­ons­ef­fek­ten, ins­be­son­de­re bei lang­fris­ti­gen Pro­jek­ten. * Über­mä­ßi­ge Be­rück­sich­ti­gung von Ri­si­ken, vor al­lem, wenn die Ri­si­ken in spä­te­ren Pro­jekt­pha­sen ab­neh­men. * Man­geln­de Klar­heit über die Mög­lich­kei­ten des Ma­na­ge­ments, Pro­jek­tri­si­ken durch Di­ver­si­fi­ka­ti­on und an­de­re Re­ak­tio­nen auf künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen zu ver­min­dern. Sol­che Fall­stri­cke zu er­ken­nen, dürf­te dem Ma­na­ge­ment hel­fen, den un­kri­ti­schen Ge­brauch von DCF- Tech­ni­ken zu ver­mei­den, der in der Tat zu Fehl­ent­schei­dun­gen füh­ren kann.
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