Anatomieder Un­ter­neh­mer­men­ta­li­tät

ECHTE ENTREPRENEURS SIND INNOVATIV, DYNAMISCH, FLEXIBEL UND WAGEMUTIG - DOCH WAS HEISST DAS IN DER PRAXIS?:

HBM 3/1985


HO­WARD H. STE­VEN­SON ist Pro­fes­sor für Busi­ness Ad­mi­nis­tra­ti­on an der Har­vard Busi­ness School, wo er Vor­le­sun­gen über un­ter­neh­me­ri­sches Ma­na­ge­ment hält. Zu­sam­men mit Mi­cha­el Ro­berts und Ir­ving Grous­beck ver­faß­te er das kürz­lich er­schie­ne­ne Buch „New Busi­ness Ven­tu­res and the Ent­re­pre­neur“ (Ver­lag Ri­chard D. Ir­win, Homewood/Illinois). DA­VID E. GUM­PERT ist lei­ten­der Re­dak­teur der „Har­vard Busi­ness Re­view“ und für das Res­sort „Mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men“ ver­ant­wort­lich.

Un­ter­neh­mer­tum ist wie­der en vogue. Wenn un­se­re Fir­men - große wie klei­ne - nur un­ter­neh­me­ri­scher han­deln wür­den, so wird ge­sagt, dann könn­ten wir un­se­re Pro­duk­ti­vi­tät stei­gern und un­se­re Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit auf dem Welt­markt stär­ken. Doch was be­deu­tet „un­ter­neh­me­risch“? Ma­na­ger be­schrei­ben den Ent­re­pre­neur mit Be­grif­fen wie in­no­va­tiv, fle­xi­bel, dy­na­misch, wa­ge­mu­tig, krea­tiv und wachs­tum­s­ori­en­tiert. Die Pres­se setzt Un­ter­neh­mens­geist häu­fig mit der Grün­dung und Lei­tung neu­er Fir­men gleich; die­se Sicht wird be­stärkt durch den ver­lo­cken­den Er­folg von jun­gen Un­ter­neh­men wie Ap­p­le Com­pu­ter, Domino's Piz­za und Lo­tus De­ve­lop­ment. Kei­ne die­ser De­fi­ni­tio­nen gibt frei­lich ei­nem Ma­na­ger prä­zi­se und hin­rei­chen­de An­wei­sun­gen für ech­tes un­ter­neh­me­ri­sches Han­deln. Wer möch­te nicht in­no­va­tiv, fle­xi­bel und krea­tiv sein ? Aber für je­den Ap­p­le, Do­mi­no oder Lo­tus gibt es Tau­sen­de von neu­en Re­stau­rants, Bou­tiquen und Con­sul­ting­fir­men, die ver­sucht ha­ben, Dy­na­mik, In­no­va­ti­ons­freu­de und Wa­ge­mut zu zei­gen - und schei­ter­ten. Zu Skep­sis ge­gen­über der Gleich­set­zung von Un­ter­neh­mer­tum und Exis­tenz­grün­dung be­rech­tigt auch eine neue­re Stu­die der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung McKin­sey. Sie schil­dert zahl­lo­se Bei­spie­le von rei­fen, mit­tel­großen Fir­men mit Jah­res­um­sät­zen zwi­schen 25 Mil­lio­nen und ei­ner Mil­li­ar­de Dol­lar, die be­stän­dig kon­kur­renz­fä­hi­ge In­no­va­tio­nen ent­wi­ckeln, neue Märk­te er­schlie­ßen und eine weit über­durch­schnitt­li­che Wachs­tums­ra­te auf­wei­sen. Über­dies ge­hö­ren auch bei vie­len ex­pan­die­ren­den Großun­ter­neh­men - IBM, 3M, Hew­lett-Packard etwa - In­no­va­ti­ons­freu­de, Ri­si­ko­be­reit­schaft und Krea­ti­vi­tät zur täg­li­chen Pra­xis. Für den an­ge­hen­den Un­ter­neh­mer stellt sich also die Fra­ge: Wie kann ich In­no­va­ti­on, Fle­xi­bi­li­tät und Krea­ti­vi­tät in die Tat um­set­zen ? Um dar­auf eine Ant­wort zu fin­den, müs­sen wir uns nä­her mit dem We­sen von un­ter­neh­me­ri­schem Ver­hal­ten be­schäf­ti­gen. Es ist ein Irr­tum zu glau­ben, daß Un­ter­neh­mer­tum eine ex­klu­si­ve Ei­gen­schaft ist, die ei­ni­ge Per­so­nen oder Or­ga­ni­sa­tio­nen be­sit­zen und an­de­re nicht. Un­ter­neh­me­ri­sches Ver­hal­ten ist viel­mehr in höchst un­ter­schied­li­chen Gra­den aus­ge­prägt. Zur Ver­ein­fa­chung be­schrän­ken wir uns im fol­gen­den aber nur auf die bei­den Ex­tre­me die­ses brei­ten Spek­trums. Am einen Ende be­fin­det sich der Grün­der-Ty­pus, der Ma­na­ger, der vol­ler Selbst­ver­trau­en sei­ne Chan­cen wahr­nimmt. Er ist nicht nur auf Über­ra­schun­gen ge­faßt, son­dern er­war­tet ge­ra­de­zu, aus dem Wan­del Ka­pi­tal zu schla­gen, an­statt sich ihm bloß an­zu­pas­sen. Das an­de­re Ex­trem ist der Ver­wal­ter, der sich von al­lem Neu­en und Un­be­kann­ten be­droht fühlt und dazu neigt, den Sta­tus quo zu er­hal­ten. Für den Ver­wal­ter för­dert Vor­her­seh­bar­keit das ef­fek­ti­ve Ma­na­ge­ment der vor­han­de­nen Res­sour­cen, wäh­rend Un­vor­her­seh­bar­keit dies ge­fähr­det. Die meis­ten Men­schen fal­len na­tür­lich ir­gend­wo zwi­schen die­se Ex­tre­me. Wenn es um ihre ei­ge­nen In­ter­es­sen geht, nei­gen aber fast alle Leu­te von Na­tur aus mehr zu ei­nem Grün­der-Ver­hal­ten; sie wis­sen, was sie wol­len und han­deln de­ment­spre­chend ent­schlos­sen. Das wert­volls­te Ka­pi­tal ei­nes Men­schen sind nicht Geld oder an­de­re ma­te­ri­el­le Din­ge, son­dern In­tel­li­genz, Ener­gie und Er­fah­rung - also Ei­gen­schaf­ten, die auch ei­nem Un­ter­neh­mer gut an­ste­hen. Ech­tes un­ter­neh­me­ri­sches Ver­hal­ten fußt auf zwei Vor­aus­set­zun­gen: Eine ver­hei­ßungs­vol­le Chan­ce wird als er­wünsch­ter zu­künf­ti­ger Zu­stand er­kannt, wo­bei Wachs­tum oder zu­min­dest Wan­del eine be­deu­ten­de Rol­le spie­len, und das be­tref­fen­de In­di­vi­du­um ist der Über­zeu­gung, daß die­ser Zu­stand tat­säch­lich er­reicht wer­den kann. Hieraus las­sen sich, wie die Ab­bil­dung l zeigt, vier un­ter­schied­li­che Ver­hal­tens­ty­pen be­stim­men.
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