Wieviel Geld ist in der Firmenkasse?

VOM GROSSEN UNTERSCHIED ZWISCHEN GEWINNEN UND LIQUIDEN MITTELN:

HBM 4/1987


JA­MES Mc­NEILL STAN­CILL ist Pro­fes­sor für Fi­nanz­wirt­schaft an der Gra­dua­te School of Busi­ness der Uni­ver­si­ty of Southern Ca­li­for­nia in Los An­ge­les.

Man kann Rech­nun­gen nicht mit Buch­ge­win­nen be­zah­len, son­dern nur mit Geld. Auch die Mit­ar­bei­ter er­war­ten Ba­res auf dem Kon­to, kei­ne Ge­halts­an­sprü­che, die bloß auf dem Pa­pier ste­hen. Wenn ein Un­ter­neh­mer ge­fragt wird, ob er Ge­win­ne macht, dann will sein Ge­gen­über ver­mut­lich wis­sen, ob er flüs­sig ist. Die­se Be­haup­tun­gen mö­gen viel­leicht über­zo­gen klin­gen, aber im­mer wie­der habe ich Ma­na­ger kla­gen ge­hört: „Wenn ich sol­che Rie­sen­ge­win­ne ma­che, wie­so habe ich dann kein Geld?“ Es kommt nicht dar­auf an, ob ein Un­ter­neh­men aus ei­ner High-Tech- oder ei­ner Low-Tech-Bran­che kommt, aus der In­dus­trie oder den Dienst­leis­tun­gen - letz­ten En­des braucht es ge­nü­gend li­qui­de Mit­tel, um sei­ne Ver­pflich­tun­gen er­fül­len zu kön­nen - oder es ver­schwin­det vom Markt. Dar­auf hin­zu­wei­sen, ist ge­wiß nicht neu; der Cas­h­flow wird heu­te ja ge­ra­de­zu wie das Gol­de­ne Kalb an­ge­be­tet. Den­noch schei­nen vie­le Un­ter­neh­men ent­we­der zu­we­nig oder zu­viel an Bar­mit­teln zu ha­ben. Der Grund dürf­te un­ter an­de­rem dar­in zu su­chen sein, daß die üb­li­chen Maß­stä­be für den Cash-flow - Rein­ge­winn plus Ab­schrei­bun­gen (RG + A) oder Ge­winn vor Zin­sen und Steu­ern (GvZS) - nur in Zei­ten mä­ßig, aber re­gel­mä­ßig wach­sen­der Um­sät­ze rea­lis­ti­sche In­di­ka­to­ren der Sol­venz ei­nes Un­ter­neh­mens sind. Das liegt dar­an, daß bei­de Grö­ßen al­lein auf der Er­geb­nis­rech­nung ei­nes Un­ter­neh­mens be­ru­hen und For­de­run­gen, Be­stän­de und Ver­bind­lich­kei­ten nicht ein­be­zie­hen. Des­halb ge­ben die­se Va­ria­blen bei stür­mi­schem Wachs­tum oder ei­nem Um­sat­zein­bruch die wirk­li­che Li­qui­di­tät ei­nes Un­ter­neh­mens zu hoch be­zie­hungs­wei­se zu nied­rig an. Das kann ka­ta­stro­pha­le Kon­se­quen­zen ha­ben, wenn ein Un­ter­neh­men neue Kre­di­te auf­nimmt oder ver­sucht, Alt­schul­den ab­zu­tra­gen. Aus die­sem Grund er­scheint es mir not­wen­dig, ein neu­es Kri­te­ri­um zu fin­den, daß Ma­na­gern sagt, wie­viel Geld sie un­ter dem Strich tat­säch­lich zur Ver­fü­gung ha­ben, um Kre­di­te zu­rück­zu­zah­len, be­vor sie in For­schung und Ent­wick­lung (F + E) oder neue Ma­schi­nen und An­la­gen in­ves­tie­ren. Die­se Grö­ße, die ich als „ope­ra­ti­ven Net­to-Cash-flow zwei­ter Ord­nung“ (ONCF2) be­zeich­ne, gibt das ab­so­lu­te Ma­xi­mum an li­qui­den Mit­teln für den Schul­den­dienst an. In die­sem Bei­trag wer­de ich zu­nächst zei­gen, wie der ONCF2 aus ei­ner Ka­pi­tal­fluß­rech­nung ab­ge­lei­tet wird; dann wer­de ich dar­le­gen, wie die­se Grö­ße zur Pro­gno­se der tat­säch­li­chen Zah­lungs­fä­hig­keit ei­nes Un­ter­neh­mens in den Sze­na­ri­en „mo­de­ra­tes Wachs­tum“, „stür­mi­sches Wachs­tum“ und „Um­sat­zein­bruch“ her­an­ge­zo­gen wer­den kann. Der künf­ti­ge Fi­nan­zie­rungs­be­darf ei­nes Un­ter­neh­mens läßt sich mit ei­ner Ka­pi­tal­fluß­rech­nung nach dem Mus­ter in Ab­bil­dung 1 pro­gno­s­ti­zie­ren. Die ers­ten drei Zwi­schen­sum­men der Cash-flow-Bi­lanz be­tref­fen das ope­ra­ti­ve Grund­ge­schäft ei­nes Un­ter­neh­mens. Sub­tra­hiert man vom ope­ra­ti­ven Bar­zu­fluß den ope­ra­ti­ven Ba­r­ab­fluß, dann er­hält man den ope­ra­ti­ven Net­to- Cash-f!ow (ONCF). Zu­sam­men mit drei wei­te­ren Zwi­schen­sum­men - vor­ran­gi­ger Ba­r­ab­fluß (Zins und Til­gung auf auf­ge­nom­me­ne Kre­di­te), dis­kre­tio­närer Ba­r­ab­fluß (In­ves­ti­ti­ons­aus­ga­ben, F + E-Auf­wen­dun­gen und Ge­win­naus­schüt­tun­gen) und Fi­nan­zie­rungs­strö­me (Be­ge­bung von schuld­recht­li­chen Wert­pa­pie­ren, Emis­si­on oder Rüc­ckauf von Ak­ti­en und Auf­nah­me mit­tel­fris­ti­ger Kre­di­te) - er­rech­net sich aus dem ONCF der Bar­sal­do zum Pe­ri­oden­en­de, die Net­to­ver­än­de­rung der Kas­sen­be­stän­de und Be­stän­de an markt­gän­gi­gen Wert­pa­pie­ren. Aus die­ser Ka­pi­tal­fluß­rech­nung kön­nen zwei Grö­ßen ab­ge­lei­tet wer­den, mit de­nen sich die für ein Un­ter­neh­men le­bens­wich­ti­gen Fra­gen be­ant­wor­ten las­sen: Wie­viel Geld ist für dis­kre­tio­näre Aus­ga­ben (In­ves­ti­tio­nen und Di­vi­den­den) vor­han­den? Wel­che Mit­tel ste­hen für den Schul­den­dienst be­reit? Um die­se Va­ria­blen be­stim­men zu kön­nen, müs­sen wir zum ope­ra­ti­ven Net­to-Cash-flow zu­rück­keh­ren. Wenn wir vom ONCF den vor­ran­gi­gen Ba­r­ab­fluß ab­zie­hen, er­hal­ten wir die ers­te Grö­ße - den ope­ra­ti­ven Net­to-Cash-flow ers­ter Ord­nung (ONCF1); er­gibt die für dis­kre­tio­näre Aus­ga­ben ver­füg­ba­ren Mit­tel an. Die zwei­te Va­ria­ble, die in die­sem Bei­trag im Mit­tel­punkt ste­hen wird, be­ruht eben­falls auf dem ONCF; ich be­zeich­ne sie als „ope­ra­ti­ven Net­to-Cash-flow zwei­ter Ord­nung“ (ONCF2). Wenn der ge­sam­te ONCF für den Schul­den­dienst ver­wen­det wird, dann kön­nen nicht ein­mal ein mi­ni­ma­les In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm oder Min­destaus­schüt­tun­gen fi­nan­ziert wer­den. Ich nen­ne die­se Min­dest­be­trä­ge „not­wen­di­gen dis­kre­tio­nären Ba­r­ab­fluß“ (NDB). Der ONCF2 läßt sich nun mit der Glei­chung ONCF2 = ONCF - NDB
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