Produktivität -was ist das eigentlich?

PRODUKTIVITÄT IST SEH WIERIG ZU MESSEN:

HBM 3/1988


PROF. W.BRUCE CHEW Iehrt an der Har­vard Busi­ness School Be­trie­bs­füh­rung und Stra­te­gie. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren un­ter­such­te er in Nord­ame­ri­ka, Eu­ro­pa und Ja­pan Pro­duk­ti­vi­täts­pro­ble­me in der Fer­ti­gung.

Vor ei­ni­gen Jah­ren hol­te sich ein im Pro­duk­ti­ons­sek­tor ba­sier­ter Misch­kon­zern einen be­gab­ten Ma­the­ma­ti­ker in den Stab sei­ner Haupt­ver­wal­tung. Eine sei­ner ers­ten Auf­ga­ben be­stand in der Ent­wick­lung ei­nes Sys­tems, mit des­sen Hil­fe die Zen­tra­le die Pro­duk­ti­vi­tät der ver­schie­de­nen Kon­zern­be­rei­che zu mes­sen ge­dach­te. Meh­re­re Mo­na­te wid­me­te sich der Neue die­ser Auf­ga­be und zog dazu auch eine Rei­he von aka­de­mi­schen Ex­per­ten zu Rate. Das Er­geb­nis war ein wahr­haft aus­ge­klü­gel­tes Mo­dell. Es kom­bi­nier­te die Leis­tungs­er­geb­nis­se aus der Ver­gan­gen­heit mit wirt­schaft­li­chen Pro­gno­se­da­ten, um so­dann je­dem Be­reich die künf­ti­gen Pro­duk­ti­vi­täts­zie­le vor­zu­ge­ben. Zur großen Ent­täu­schung der Kon­zern­füh­rung leg­ten die mit dem Mo­dell ge­won­ne­nen Ein­sich­ten den Schluß nahe, daß nicht eine der Un­ter­neh­mens­ein­hei­ten auf Draht war. So blieb of­fen­sicht­lich nur die Fra­ge: Wa­rum ist das so? Wa­rum be­saß ein Un­ter­neh­men, das an­sehn­li­che Ge­win­ne und Er­lö­se er­wirt­schaf­te­te, eine der­art ent­täu­schen­de Pro­duk­ti­vi­tät? Der Ma­the­ma­ti­ker konn­te die Fra­ge nicht be­ant­wor­ten und sein ei­gent­lich da­für ent­wi­ckel­tes Mo­dell auch nicht. Es war also kei­ne Über­ra­schung, daß die Ma­na­ger in dem neu­en Sys­tem we­nig Nut­zen sa­hen und es wie­der ab­schaff­ten. Es kommt vor al­lem dar­auf an, Pro­duk­ti­vi­tät sach­ge­mäß (be­zie­hungs­wei­se an­ge­mes­sen) zu er­mit­teln. Vie­le Fir­men in­ves­tie­ren zwecks Stei­ge­rung ih­rer Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit eine Men­ge Geld und Vertrauen7 in Me­tho­den, von de­nen sie hof­fen, da­mit die Ef­fi­zi­enz ih­rer Fa­bri­ken und Bü­ros ex­akt mes­sen zu kön­nen. Ge­wöhn­lich spie­len Spe­zia­lis­ten aus den Stä­ben oder ex­ter­ne Be­ra­ter - Ex­per­ten für Kos­ten­rech­nung, Sta­tis­tik und Be­trie­bs­füh­rung - eine wich­ti­ge Rol­le bei der Ent­wick­lung die­ser Sys­te­me. Aber die Spe­zia­lis­ten sind meist dar­auf ein­ge­schwo­ren, bei den Pro­duk­ti­vi­täts­kenn­zif­fern be­son­ders auf tech­ni­sche Ele­ganz und sta­tis­ti­sche Ge­nau­ig­keit zu ach­ten. So schla­gen sie dann all­zu oft au­ßer­or­dent­lich prä­zi­se Me­tho­den vor, die an den wirk­li­chen Pro­ble­men, mit de­nen sich das Ma­na­ge­ment her­um­schlägt, vor­bei­zie­len. Bei mei­nen Un­ter­su­chun­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zur Pra­xis be­ste­hen­der Pro­duk­ti­vi­täts­be­wer­tungs­sys­te­me stieß ich auf wi­der­sprüch­li­che Er­fah­run­gen. So konn­te ich in Ge­sprä­chen mit Be­trie­bs­lei­tern quer durch die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zahl­rei­che Bei­spie­le ei­ner ef­fek­ti­ven Pro­duk­ti­vi­täts­mes­sung be­ob­ach­ten, das heißt Sys­te­me ken­nen­ler­nen, die zu er­heb­li­chen Wirt­schaft­lich­keits­fort­schrit­ten führ­ten. Noch häu­fi­ger be­geg­ne­te ich aber Frus­tra­ti­on und Kon­fu­si­on. Ein Ma­na­ger mein­te, nach­dem er sich den von ei­nem Ex­per­ten ent­wi­ckel­ten Pro­duk­ti­vi­täts­maß­stab an­ge­se­hen hat­te: „Wem auch im­mer das ein­ge­fal­len ist, von ei­nem Un­ter­neh­men wie dem mei­nen hat er kei­ne Ah­nung.“ Die Pro­duk­ti­vi­täts­mes­sung ist ein­fach wich­tig und soll­te da­her nicht den Spe­zia­lis­ten für Pro­duk­ti­vi­täts­fra­gen über­las­sen blei­ben. Um je­doch si­cher­zu­stel­len, daß vor­han­de­ne Sys­te­me ihre Zwe­cke er­fül­len - oder daß ein neu­es Sys­tem auch re­le­vant ist -, müs­sen Ma­na­ger nicht zu Ex­per­ten wer­den. Ei­ni­ge prak­ti­sche Richt­li­ni­en kön­nen ih­nen hel­fen, die Me­tho­den der Pro­duk­ti­vi­täts­mes­sung zu ver­ste­hen, ein­zu­schät­zen und an­zu­wen­den.
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