Ein einziges Kos­ten­sys­te­mist zuwenig

MANAGER MÜSSEN ÜBER LAGERBESTÄNDE, BETRIEBSABLÄUFE UND PRODUKTKOSTEN GENAU INFORMIERT SEIN:

HBM 3/1988


RO­BERT S. KAPLAN ist Pro­fes­sor für Rech­nungs­we­sen an der Har­vard Busi­ness School und lehrt In­dus­trie­be­trie­bs­leh­re an der Car­ne­gie-Mel­lon Uni­ver­si­ty. Sein jüngs­tes Buch er­schi­en 1987, Ko-Au­tor ist H. Tho­mas John­son: ,,Re­le­van­ce Lost: The Rise and Fall of Ma­na­ge­ment Ac­coun­ting" (Har­vard Busi­ness School Press).

Vie­le Un­ter­neh­men er­ken­nen in­zwi­schen, daß ihre Kos­ten­sys­te­me we­nig dazu bei­tra­gen, da­mit sie im har­ten Wett­be­werb heu­te be­ste­hen kön­nen. Zu­meist nach han­dels- und steu­er­bi­lan­zi­el­len Kri­te­ri­en für die Be­wer­tung der Be­stän­de ent­wi­ckelt, lie­fern sie den Ma­na­gern we­der recht­zei­tig noch hin­rei­chend ge­nau Da­ten, um die Pro­duk­ti­ons­kos­ten zu­tref­fend er­fas­sen zu kön­nen. Vie­le Un­ter­neh­men ha­ben da­her ver­sucht - al­ler­dings mit ent­täu­schen­den Re­sul­ta­ten -, ihre ge­gen­wär­ti­gen Kos­ten­rech­nungs­sys­te­me um­zu­bau­en. Zwei Bei­spie­le: Ein Che­mie­un­ter­neh­men konn­te mit sei­nem Kos­ten­sys­tem die vol­len Her­stell­kos­ten sei­ner Pro­duk­te recht gut kal­ku­lie­ren, aber zur Kos­ten­über­wa­chung taug­te es nicht. Das Sys­tem er­faß­te die Her­stell­kos­ten auf je­der Pro­duk­ti­ons­stu­fe und fing zu­dem die Kos­ten­schwan­kun­gen ent­lang des Pro­duk­ti­ons­wegs auf. Aber wäh­rend es für sämt­li­che Pro­duk­te die tat­säch­li­chen Kos­ten aus­wies, lie­fer­te es den Fer­ti­gungs­ma­na­gern kei­ne In­for­ma­tio­nen, die sie zu Kos­ten­sen­kun­gen mo­ti­viert be­zie­hungs­wei­se eine Aus­wer­tung er­folg­ter Kos­ten­maß­nah­men er­laubt hät­te. Mit der Ver­la­ge­rung des Wett­be­wer­bs auf die bil­li­ge­re Pro­duk­ti­on von Mas­sen­gü­tern muß­te das Un­ter­neh­men ein neu­es Kos­ten­sys­tem ent­wi­ckeln, um den Ma­na­gern ver­läß­li­che­re Pro­duk­ti­vi­täts­zif­fern zu ver­schaf­fen. Die Un­ter­neh­mens­füh­rung schaff­te das alte Sys­tem ab und in­stal­lier­te ein an­de­res, das alle Ab­wei­chun­gen nach den Kos­ten­stel­len trenn­te, wo sie auf­tra­ten. Die Ma­na­ger vor Ort konn­ten nun­mehr die Aus­wir­kun­gen ih­rer ef­fi­zi­enz­stei­gern­den Maß­nah­men ver­fol­gen. Den Mar­ke­ting- und Be­reichs­lei­tern je­doch ge­fiel das neue Sys­tem we­ni­ger, denn für sie wa­ren nun le­dig­lich die Pro­dukt-Stan­dard­kos­ten er­kenn­bar. Sie ver­miß­ten In­for­ma­tio­nen über die lau­fen­den Kos­ten, die ih­nen von dem al­ten Sys­tem mit­ge­lie­fert wor­den wa­ren. Nach jah­re­lan­gem Ge­ran­gel über­ar­bei­te­te das Un­ter­neh­men das neue Sys­tem, um der Aus­sa­ge­fä­hig­keit des al­ten wie­der nahe zu kom­men. Die Bau­tei­le­di­vi­si­on ei­nes Schwer­ma­schi­nen­her­stel­lers ver­füg­te über ein aus­ge­zeich­ne­tes Kos­ten­sys­tem, von dem Kos­ten­über­wa­chung und Pro­duk­ti­vi­tät ge­för­dert wur­den. Es er­mög­lich­te häu­fi­ge Be­rich­te über Ar­beitseinsatz und Pro­duk­ti­vi­tät, Aus­schuß­quo­ten und die Aus­ga­ben der Ab­tei­lung ins­ge­samt. Die ein­zi­gen An­ga­ben über die Pro­dukt­kos­ten ent­stamm­ten frei­lich dem Stan­dard­kos­ten­sys­tem, das be­nö­tigt wur­de, um zu Fi­nanz­be­richts­zwe­cken die Ge­mein­kos­ten um­zu­le­gen. Kürz­lich war die­ses Sys­tem m der Wei­se um­ge­stal­tet wor­den, daß die Ge­mein­kos­ten den bei der Pro­duk­ti­on an­fal­len­den Ma­schi­nen­kos­ten, den Ma­te­ri­al­kos­ten so­wie der her­kömm­li­chen Fer­ti­gungs­lohn­ba­sis zu­ge­schla­gen wur­den. Doch selbst die­ses um­ge­stal­te­te Sys­tem un­ter­grub wei­ter­hin die Be­stre­bun­gen der Di­vi­si­on, drau­ßen Kun­den zu ge­win­nen, in­dem es die Kos­ten­kal­ku­la­tio­nen sehr stark ver­zerr­te. Wes­halb ste­hen so vie­le Un­ter­neh­men vor der­ar­ti­gen Schwie­rig­kei­ten? Weil die Ge­stal­ter von Kos­ten­sys­te­men nicht er­kannt ha­ben, daß ihre Sys­te­me drei un­ter­schied­li­che Auf­ga­ben er­fül­len müs­sen: - Be­stands­be­wer­tung aus be­trie­bs­wirt­schaft­li­chen und steu­er­recht­li­chen Be­richts­grün­den, wo­bei die Pro­duk­ti­ons­kos­ten der Pe­ri­ode den ver­kauf­ten und den auf La­ger ge­nom­me­nen Pro­duk­ten zu­ge­ord­net wer­den. - Kon­trol­le des Be­trie­b­sab­laufs, die einen In­for­ma­ti­ons­rück­fluß an die Pro­duk­ti­ons- und Ab­tei­lungs­ma­na­ger er­mög­licht und zwar be­züg­lich der in der Be­trie­b­spe­ri­ode ver­brauch­ten Res­sour­cen (Ar­beit, Ma­te­ri­al, Ener­gie, Over­head). - Pro­dukt­kos­ten­er­fas­sung im ein­zel­nen.
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