Flexible Fertigungin Japan und den USA

WAS DIE JAPANER DEN AMERIKANERN IN DER PRODUKTIONSTECHNOLOGIE VORAUSHABEN:

HBM 2/1987


RAM­CHANDRAN JAI­KU­MAR, Pro­fes­sor an der Har­vard Busi­ness School, be­schäf­tigt sich vor al­lem mit dem Ma­na­ge­ment fort­ge­schrit­te­ner Fer­ti­gungs­tech­no­lo­gi­en. Vor sei­ner Lehr­tä­tig­keit hat er zehn Jah­re in der In­dus­trie Er­fah­run­gen mit der Kon­zep­tio­nie­rung und Ein­füh­rung von CIM- und Lo­gis­tik­sys­te­men ge­sam­melt.

Fle­xi­bi­li­tät" ist das neue Schlag­wort, das sich ame­ri­ka­ni­sche Ma­na­ger aufs Pa­nier ge­schrie­ben ha­ben. Doch blickt man hin­ter die Ku­lis­sen, zeigt sich ein de­pri­mie­ren­des Bild: Die US-Be­trie­be kau­fen zwar die Hard­wa­re für fle­xi­ble Au­to­ma­ti­on - aber sie nut­zen sie sehr schlecht. Statt die Wett­be­wer­bs­lücke ge­gen­über Ja­pan zu schlie­ßen, wird sie durch die Au­to­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie noch ver­grö­ßert. Mit we­ni­gen Aus­nah­men wei­sen die in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten in­stal­lier­ten Fle­xiblen Fer­ti­gungs­sys­te­me (FFS) einen er­staun­li­chen Man­gel an Fle­xi­bi­li­tät auf. In vie­len Fäl­len ist ihre Leis­tung schlech­ter als die der kon­ven­tio­nel­len Ma­schi­nen, die sie er­set­zen. Die Tech­no­lo­gie selbst trifft frei­lich kei­ne Schuld; es ist das Ma­na­ge­ment, wel­ches den Un­ter­schied aus­macht. In ja­pa­ni­schen FFS ist die ge­fer­tig­te Tei­le­viel­falt er­heb­lich grö­ßer als in den USA. Dar­über hin­aus kön­nen die ame­ri­ka­ni­schen Sys­te­me nicht wäh­rend ei­ner gan­zen Schicht un­be­mannt be­trie­ben wer­den, sind nicht mit den üb­ri­gen Fer­ti­gungs­an­la­gen in­te­griert und zu­dem noch we­ni­ger zu­ver­läs­sig. Das zei­gen je­den­falls die in Ab­bil­dung l zu­sam­men­ge­faß­ten Da­ten. 1984 habe ich eine Un­ter­su­chung von 35 ame­ri­ka­ni­schen und von 60 ja­pa­ni­schen FFS durch­ge­führt; die­se Aus­wahl um­faß­te mehr als die Hälf­te der in den bei­den Län­dern in­stal­lier­ten Sys­te­me. Die dort pro­du­zier­ten Tei­le wa­ren in Grö­ße und Kom­ple­xi­tät ver­gleich­bar und er­for­der­ten ähn­li­che Werk­zeu­ge und Be­ar­bei­tungs­zei­ten. Die US-Sys­te­me hat­ten im Mit­tel sie­ben Ma­schi­nen und die ja­pa­ni­schen sechs. Wei­te­re Ähn­lich­kei­ten gab es nicht. Die durch­schnitt­li­che An­zahl der in ei­nem FFS ge­fer­tig­ten Tei­le be­lief sich in den USA auf zehn und in Ja­pan auf 93 - fast zehn­mal mehr. Sie­ben der ame­ri­ka­ni­schen Sys­te­me pro­du­zier­ten ge­ra­de drei Tei­le. Die US-Un­ter­neh­men be­nutz­ten die FFS auf die falsche Art, näm­lich für die Fer­ti­gung ei­nes ho­hen Stück­zahl­vo­lu­mens we­ni­ger Be­ar­bei­tungs­tei­le statt für eine hohe Va­ri­an­ten­viel­falt zahl­rei­cher Tei­le bei nied­ri­gen Stück­kos­ten. So be­trug das Jah­res­vo­lu­men pro Teil in den USA 1727, m Ja­pan 258 Stück. Auch wur­den mit den ame­ri­ka­ni­schen Sys­te­men die Mög­lich­kei­ten, neue Pro­duk­te ein­zu­füh­ren, nicht ge­nutzt. Für je­des in ei­nem US-Sys­tem neu ein­ge­brach­te Teil wur­den in Ja­pan 22 Kom­po­nen­ten ein­ge­führt. Ich habe meh­re­re Jah­re lang Un­ter­neh­men un­ter­sucht, die ein FFS in­stal­liert ha­ben (sie­he Kas­ten). Mein Ziel be­stand dar­in, die am wei­tes­ten ent­wi­ckel­ten For­men von in­for­ma­ti­ons­in­ten­si­ver Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gie zu ana­ly­sie­ren. Im lau­fen­den Be­trieb äh­neln Fle­xi­ble Fer­ti­gungs­sys­te­me Mi­nia­tur­fa­bri­ken. Sie sind na­tür­li­che La­bo­ra­to­ri­en für das Stu­di­um von com­puter­in­te­grier­ter Fer­ti­gung (CIM), wohl die welt­weit wich­tigs­te Neue­rung in der Fer­ti­gung.
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