Tech­no­lo­gie­pla­nun­gals strategische Aufgabe

EINE AKTIVE TECHNOLOGIEPOLITIK ERFORDERT DIE VEREINIGUNG VON MACHT UND FACHKOMPETENZ IM ENTSCHEIDUNGSTRÄGER:

HBM 3/1986


PROF. DR. HORST WIL­DE­MANN ist Or­di­na­ri­us für Be­trie­bs­wirt­schafts­leh­re mit Schwer­punkt Fer­ti­gungs­wirt­schaft an der Uni­ver­si­tät Passau.

Un­ter den Be­din­gun­gen sta­gnie­ren­der Märk­te, stei­gen­der Kos­ten und sich rasch än­dern­der Kun­denan­for­de­run­gen sind Pro­dukt- und Fer­ti­gungs­tech­no­lo­gi­en zu ent­schei­den­den Er­folgs­po­ten­tia­len der Un­ter­neh­mung ge­wor­den. Pro­dukt­tech­no­lo­gi­en bie­ten die Mög­lich­keit zur Ver­mei­dung di­rek­ter Kon­fron­ta­tio­nen mit Wett­be­wer­bern. Ge­eig­ne­te Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gi­en er­lau­ben eine kos­ten­güns­ti­ge um/flexible Her­stel­lung von Pro­duk­ten. Ein be­schleu­nigt ab­lau­fen­der tech­ni­scher Fort­schritt schafft zu­sätz­li­che Ge­fah­ren­mo­men­te, aber auch neue Chan­cen. Ein schwie­ri­ges Pro­blem re­sul­tiert aus der man­geln­den Vor­her­seh­bar­keit der auf­tre­ten­den dis­kon­ti­nu­ier­li­chen Ent­wick­lun­gen. Dru­cker spricht so­gar vom ,,age of dis­con­ti­nui­ty". Be­währ­te un­ter­neh­mens­po­li­ti­sche Ver­hal­tens­mus­ter er­wei­sen sich hier­für häu­fig als un­zu­läng­lich. Zur Be­wäl­ti­gung sol­cher Dis­kon­ti­nui­tä­ten wer­den im we­sent­li­chen vier An­sät­ze vor­ge­schla­gen: 1. Er­ken­nen schwa­cher Si­gna­le, 2. Ak­ti­ve Be­ein­flus­sung des Mark­tes und der Mit­wett­be­wer­ber, 3. Ri­si­kost­reu­ung und 4. Er­hö­hung der An­pas­sungs­fä­hig­keit der Un­ter­neh­mun­gen. Trotz­dem man­gelt es an ei­ner um­fas­sen­den Theo­rie von re­la­ti­ven Wett­be­wer­bs­vor­tei­len. Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit ist nicht durch hohe Ab­satz­zah­len, neue Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gi­en, kos­ten­güns­ti­ge Fi­nan­zie­rung oder Null-Feh­ler-Pro­duk­ti­on ge­kenn­zeich­net, son­dern durch alle Din­ge gleich­zei­tig. Ein die Wett­be­wer­bs­ak­tio­nen stüt­zen­des Per­so­nal­ma­na­ge­ment und Rech­nungs­we­sen ge­hö­ren eben­falls dazu. Vie­le Un­ter­neh­men se­hen die Fer­ti­gung le­dig­lich als einen Ort von ho­her Ka­pi­tal­bin­dung im Um­lauf­ver­mö­gen an, der für Ter­min­über­schrei­tun­gen und schlech­te Pro­dukt­qua­li­tät ver­ant­wort­lich ist. Die­se ne­ga­ti­ven Ef­fek­te gilt es zu mi­ni­mie­ren. Wei­ter fort­ge­schrit­te­ne Un­ter­neh­men ver­su­chen, in ih­rer Pro­duk­ti­on den glei­chen Stand wie die Mit­wett­be­wer­ber zu er­rei­chen. Sie kau­fen die glei­chen Ma­schi­nen, las­sen sich von den glei­chen Be­ra­tern die Kon­zep­te ent­wi­ckeln und be­nut­zen die glei­chen Com­pu­ter­sys­te­me. Nur ein ge­rin­ger Pro­zent­satz von Un­ter­neh­men er­kennt, daß die Fer­ti­gung einen wich­ti­gen Wett­be­wer­bs­fak­tor dar­stellt. Sie kon­zen­trie­ren sich dar­auf, alle Funk­tio­nen der Pro­duk­ti­on gleich gut aus­zu­ge­stal­ten so­wie Fle­xi­bi­li­tät ein­zu­bau­en und nicht ad hoc zu er­zeu­gen. Sie füh­ren in Form ei­ner lang­fris­ti­gen Pla­nung neue Tech­no­lo­gi­en ein, die si­gni­fi­kan­te Pro­duk­ti­ons­kos­ten­re­du­zie­run­gen er­mög­li­chen. Die­se Fir­men le­gen großen Wert auf De­tails in den Ma­schi­nen, Werk­zeu­gen und Fer­ti­gungs­struk­tu­ren, die nur schwer vom Mit­wett­be­wer­ber zu ko­pie­ren sind. Die­se Fer­ti­gungs­stra­te­gie ist auch spür­bar bei den Ab­neh­mern, da sich die Fir­men auf das kon­zen­trie­ren, was sie bes­ser als ihre Mit­wett­be­wer­ber ma­chen kön­nen, und nicht dar­auf, was sie bes­ser zu­kau­fen könn­ten. Der Er­folg der Tech­no­lo­gie­ein­füh­rung hängt da­bei ent­schei­dend von der Ak­zep­tanz und Aus­bil­dung der da­von be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter in der Pro­duk­ti­on so­wie von der Qua­li­fi­ka­ti­on der Pla­ner der neu­en Tech­no­lo­gie ab. Auch der Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gi­en und der Si­tua­ti­on am Ar­beits­markt so­wie eine all­ge­mei­ne Tech­niks­kep­sis sind zu be­rück­sich­ti­gen, die ein­mal auf Zwei­fel an den Wert­vor­stel­lun­gen der mo­der­nen In­dus­trie­ge­sell­schaft und zum an­de­ren auf die Er­kennt­nis der tech­no­lo­gisch be­ding­ten Ar­beits­lo­sig­keit so­wie eine zu­neh­men­de Res­sour­ce­n­er­schöp­fung und Um­welt­be­las­tung zu­rück­ge­führt wer­den kann. Das BMFT för­dert be­stimm­te Tech­no­lo­gi­en und setzt da­mit im Zu­sam­men­hang mit der Ener­gie­wirt­schaft und Um­welt­po­li­tik in be­stimm­ten Sek­to­ren Ak­zen­te. Die För­de­rung etwa von Win­d­ener­gie, elek­tro­ge­trie­be­nen Pkw oder Ro­bo­ter­tech­no­lo­gie kön­nen zu Dis­kon­ti­nui­tä­ten füh­ren. Durch die Um­welt­po­li­tik wer­den bei­spiels­wei­se auf dem Ge­biet der Ab­gas­rei­ni­gung und des Ge­wäs­ser­schut­zes ge­än­der­te un­ter­neh­me­ri­sche Ver­hal­tens­wei­sen er­for­der­lich, die auch bei Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen Dis­kon­ti­nui­tä­ten aus­lö­sen kön­nen (wie etwa die Ein­füh­rung neu­er Pro­duk­ti­ons­tech­ni­ken für die Er­stel­lung von Ab­gas­ka­ta­ly­sa­to­ren). Der Wech­sel ei­nes vor­herr­schen­den tech­ni­sch­öko­no­mi­schen Zu­stan­des kann struk­tu­rel­len Wan­del er­for­dern. So ver­än­dert zum Bei­spiel die "In­for­ma­ti­ons­re­vo­lu­ti­on", die auf den ex­po­nen­ti­ell sin­ken­den Kos­ten für die Spei­che­rung, Ver­ar­bei­tung und Über­tra­gung von Da­ten be­ruht, durch die Ver­bin­dung von Mi­kro­elek­tro­nik, Com­pu­ter­tech­nik und Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on den Pro­duk­ti­ons- und Ver­wal­tungs­be­reich der Un­ter­neh­mun­gen grund­le­gend, in­dem sie eine im­mer hö­he­re In­te­gra­ti­on, Au­to­ma­ti­on und Fle­xi­bi­li­tät al­ler be­trieb­li­chen Pro­zes­se er­mög­licht. Die In­for­ma­ti­ons­re­vo­lu­ti­on er­öff­net aber auch ein bis­lang nur we­nig aus­ge­schöpf­tes Po­ten­ti­al zum qua­li­ta­ti­ven Wachs­tum durch in­tel­li­gen­te Pro­duk­te. Mit Hil­fe der Tech­no­lo­gie­pla­nung muß die Un­ter­neh­mung in die Lage ver­setzt wer­den, recht­zei­tig eine tech­no­lo­gi­sche Füh­rungs­po­si­ti­on ein­neh­men zu kön­nen, um durch Aus­nut­zen die­ser Po­ten­tia­le lang­fris­tig die Ar­beitsplät­ze si­chern zu hel­fen. Die stra­te­gi­sche Tech­no­lo­gie­pla­nung ist so­mit nicht die al­lei­ni­ge Auf­ga­be von Spe­zia­lis­ten, son­dern auch des dy­na­mi­schen Un­ter­neh­mers, der Fach­kom­pe­tenz, Füh­rungs­qua­li­tä­ten und ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung in sich ver­eint.
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