So sind Sie schnellerals die Konkurrenz

ZEITMANAGEMENT - EIN DRAHTSEILAKT, DER SICH LOHNT:

HBM 3/1989


JO­SEPH L. BOWER lehrt als Pro­fes­sor für Be­trie­bs­wirt­schafts­leh­re an der Har­vard Busi­ness School. THO­MAS M. HOUT ist Vice Pre­si­dent der Bo­ston Con­sul­ting Group. Bei­de Au­to­ren be­schäf­ti­gen sich seit Jah­ren mit den Pro­ble­men der Un­ter­neh­men im glo­ba­len Wett­be­werb. Sein letz­tes Buch ver­öf­fent­lich­te J. L. Bower 1986 un­ter dem Ti­tel: „When Mar­kets Qua­ke: The Ma­na­ge­ment and Chal­len­ge of Re­struc­tu­ring In­dus­try“ (Har­vard Busi­ness School Press).

Zu­min­dest in­tui­tiv wis­sen es alle Ma­na­ger: Zeit ist Geld. Also set­zen die meis­ten von ih­nen, so­bald nur eine Ge­le­gen­heit dazu auf­taucht, Geld ein, um Zeit und da­mit wie­der Geld zu spa­ren. Der Lei­ter ei­nes Rei­se­bü­ros schafft Com­pu­ter an, um Bu­chun­gen un­ver­züg­lich be­stä­ti­gen zu kön­nen. Der Tex­til­fa­bri­kant stellt auf Just-in-Time-Pro­duk­ti­on um, um die Nach­fra­ge rasch be­frie­di­gen zu kön­nen und Ver­lus­te durch Über­pro­duk­ti­on zu ver­mei­den. Solch punk­tu­el­le Maß­nah­men sor­gen frei­lich noch nicht für be­son­ders auf­fäl­li­ge Wett­be­wer­bs­vor­tei­le, denn über kurz oder lang er­kennt und nutzt die Kon­kur­renz die­se Mög­lich­kei­ten auch. Zei­tein­spa­run­gen wer­den erst dann zum durch­schla­gen­den Fak­tor, wenn ein Un­ter­neh­men da­mit sei­nen ge­sam­ten Ar­beitspro­zeß und sei­ne Fä­hig­keit, auf Kun­den­wün­sche ein­zu­ge­hen, grund­le­gend ver­än­dert. Dann kön­nen nach­hal­tig wirk­sa­me Wett­be­wer­bs­vor­tei­le ent­ste­hen. Kur­ze Durch­lauf­zei­ten sind oh­ne­hin kein neu­es ge­schäftss­tra­te­gi­sches Kon­zept; sie ver­hal­fen Hong­kongs Maß­schnei­dern nicht we­ni­ger zum Er­folg als MacDonald's. Aber heu­te ver­ste­hen sich auch die Ma­na­ger großer, kom­ple­xer Un­ter­neh­men mehr und mehr dar­auf, Wett­be­wer­bs­vor­tei­le zu er­rei­chen, in­dem sie in ih­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen bes­ser mit dem Zeit­fak­tor um­ge­hen. Sie tref­fen Ent­schei­dun­gen schnel­ler, ent­wi­ckeln neue Pro­duk­te frü­her und füh­ren Kun­den­be­stel­lun­gen ra­scher aus als die Kon­kur­renz. Un­term Strich be­lie­fern sie ihre Märk­te mit re­el­len Qua­li­tä­ten, Leis­tun­gen, die sich in ra­sche­rem Wachs­tum und hö­he­ren Er­trä­gen aus­zah­len kön­nen. Für die­se Spit­zen­un­ter­neh­men sind kur­ze Durch­lauf­zei­ten in dop­pel­ter Hin­sicht wich­tig. Zum einen be­le­gen sie un­ter­neh­me­ri­sches Kön­nen, ein Leis­tungs­for­mat, das vom Ma­na­ge­ment aus­ge­hend in den ge­sam­ten Be­trieb und auf die Ein­stel­lun­gen der Be­schäf­tig­ten aus­strahlt und eine neue Art von Or­ga­ni­sa­ti­on her­vor­bringt, ohne jene Eng­päs­se, Ver­spä­tun­gen, Pat­zer und über­flüs­si­gen La­ger­be­stän­de, un­ter de­nen die meis­ten Un­ter­neh­men lei­den. Je schnel­ler In­for­ma­tio­nen, Ent­schei­dun­gen und Ma­te­ria­li­en durch eine große Or­ga­ni­sa­ti­on ge­schleust wer­den, de­sto schnel­ler kann sie Auf­trä­ge ab­wi­ckeln, sich in­tern ab­stim­men, an ver­än­der­te Markt­be­dürf­nis­se und Wett­be­wer­bs­be­din­gun­gen an­pas­sen, Feh­ler be­sei­ti­gen. Zum an­de­ren be­deu­ten kur­ze Takt­zei­ten ein Füh­rungs-Pa­ra­dig­ma, eine Art zu über­le­gen, wie eine Un­ter­neh­men ein­zu­rich­ten und zu füh­ren ist und wie im Wett­be­werb mit an­de­ren Vor­tei­le er­run­gen wer­den kön­nen. Sie stel­len einen mäch­ti­gen Im­puls dar, denn die zu­grun­de­lie­gen­de Prä­mis­se ist sim­pel und zu­gleich wir­kungs­voll: Zei­tein­spa­run­gen ver­stär­ken und un­ter­stüt­zen nur das, was fä­hi­ge Ma­na­ger schon im­mer er­rei­chen woll­ten. Die Ent­wick­lung zum „schnel­len“ Un­ter­neh­men ist nicht leicht zu be­werk­stel­li­gen und pas­siert nicht über Nacht. Sie er­for­dert gründ­li­ches Nach­den­ken dar­über, wie ei­gent­lich die Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen des Un­ter­neh­mens zu den Kun­den ge­lan­gen. Zu­dem müs­sen ver­schie­de­ne Tei­le der Or­ga­ni­sa­ti­on ler­nen, auf eine neue und an­de­re Wei­se zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Heu­te fällt die Stra­fe für Still­stand weit hö­her aus als der Auf­wand für einen Wan­del.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
3

Textumfang

Seiten:
10
Zeichen:
34.647
Nachdrucknummer:
198903068
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben