Die Schat­ten­sei­ten­des Entrepreneurs

DIE KREATIVE ENERGIE EINES UNTERNEHMERS WURZELT MANCHMAL IN ZERSTÖRERISCHEN KRÄFTEN, DIE EINE FIRMA RUINIEREN KÖNNEN:

HBM 2/1986


MAN­FRED F. R. KETS DE VRIES ist Psy­cho­ana­ly­ti­ker und Pro­fes­sor für Ma­na­ge­ment am IN­SEAD in Fon­tai­nebleau bei Pa­ris.

John Whi­te, Chef ei­nes be­kann­ten Bü­ro­ge­räte­her­stel­lers, plan­te die Ak­qui­si­ti­on ei­nes klei­nen Zu­lie­fe­rers von elek­tro­ni­schen Kom­po­nen­ten. Die Er­zeug­nis­se die­ser Fir­ma bil­de­ten eine wert­vol­le Er­gän­zung zur ei­ge­nen Pro­dukt­pa­let­te. Of­fen war frei­lich noch, wel­che Rol­le der Grün­der und In­ha­ber des Elek­tro­nik­un­ter­neh­mens, Lee Thomp­son, künf­tig spie­len wür­de. Wäh­rend der Über­nah­me­ver­hand­lun­gen hat­te Thomp­son zu er­ken­nen ge­ge­ben, daß er wei­ter­hin als Ge­schäfts­füh­rer tä­tig sein wol­le. Wür­de er sich aber, so frag­te sich Whi­te, un­ge­ach­tet sei­ner Ver­diens­te um den Er­folg der Elek­tro­nik­fir­ma in die Mut­ter­ge­sell­schaft ein­fü­gen? Wie wür­de er da­mit fer­tig wer­den, nun­mehr Un­ter­ge­be­ner zu sein? Whi­tes Be­den­ken wa­ren nicht aus der Luft ge­grif­fen. Man­chen Ent­re­pre­neu­ren fällt es schwer, die Füh­rungs­me­tho­den ei­nes an­de­ren Un­ter­neh­mens zu ak­zep­tie­ren. Das ist frei­lich nicht die Norm. Vie­le Grün­der-Un­ter­neh­mer kön­nen sich durch­aus auf eine neue Um­ge­bung ein­stel­len. Was un­ter­schei­det Ent­re­pre­neu­re von an­de­ren Ge­schäfts­leu­ten? Ob­schon sie kei­ne ho­mo­ge­ne Grup­pe bil­den, las­sen sich ge­wis­se ge­mein­sa­me Merk­ma­le fest­hal­ten: Ent­re­pre­neu­re sind au­gen­schein­lich leis­tungs­ori­en­tiert, ver­ant­wor­tungs­be­wußt und ent­schei­dungs­freu­dig. Re­pe­ti­ti­ve Rou­ti­ne­tä­tig­kei­ten lie­gen ih­nen nicht. Krea­ti­ve Un­ter­neh­mer be­sit­zen ein ho­hes Ni­veau an Tat­kraft, Be­harr­lich­keit und Phan­ta­sie, die es ih­nen zu­sam­men mit der Be­reit­schaft, mä­ßi­ge, kal­ku­lier­te Ri­si­ken ein­zu­ge­hen, ge­stat­ten, eine ein­fa­che, vage Idee in et­was Kon­kre­tes zu ver­wan­deln. Ent­re­pre­neu­re kön­nen das gan­ze Un­ter­neh­men mit ih­rer Be­geis­te­rung an­ste­cken. Sie ver­mit­teln das Ge­fühl ei­nes kla­ren Ziels und über­zeu­gen da­mit ihre Um­ge­bung, daß sie im­mer am Schau­platz des Ge­sche­hens sind. Ob es nun Füh­rungs­ta­lent ist, Wa­ge­mut oder Cha­ris­ma, Ent­re­pre­neu­re wis­sen in­tui­tiv, wie man ein Un­ter­neh­men führt und wie man ihm Schlag­kraft ver­leiht. Sie ha­ben al­ler­dings nicht sel­ten per­sön­li­che Ei­gen­ar­ten, die es ih­nen schwer ma­chen, mit an­de­ren Men­schen zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Dazu zählt etwa ihr Ak­tio­nis­mus, der dazu ver­lei­ten kann, zu han­deln, ohne nach­zu­den­ken. De­rek du Toit, selbst ein Ent­re­pre­neur, meint dazu: „Der Un­ter­neh­mer, der sei­ne ei­ge­ne Fir­ma grün­det, tut dies ge­wöhn­lich, weil er ein schwie­ri­ger Mit­ar­bei­ter ist. Vor­schlä­ge oder An­ord­nun­gen von an­de­ren kann er nur schwer ak­zep­tie­ren. Sein größ­ter Wunsch ist, ein­mal sein ei­ge­ner Herr zu sein. Sei­ne Idio­syn­kra­si­en scha­den nie­man­dem, so­lan­ge das Un­ter­neh­men klein ist; hat es aber eine be­stimm­te Grö­ße über­schrit­ten, wo die ak­ti­ve Zu­sam­men­ar­beit mit im­mer mehr Men­schen er­for­der­lich ist, dann muß er sei­ne Ein­stel­lung än­dern, will er sein Le­bens­werk nicht ge­fähr­den. Es ist zu Recht ge­sagt wor­den, daß die größ­te Last, die ein wach­sen­des Un­ter­neh­men zu tra­gen hat, dar­in be­steht, daß der Ei­gen­tü­mer ein voll­blü­ti­ger Ent­re­pre­neur ist.“ (du Troit 1980, S. 44.)
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
4
Zeichen:
20.485
Nachdrucknummer:
198602007
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben