Stetige Pro­dukt­ent­wick­lung -gesteuert von einer Hand

IM MODERNEN UNTERNEHMEN STEUERT DAS INTEGRATIONSTEAM DIE ENTWICKLUNG NEUER PRODUKTE - VON DER GRUNDLAGENFORSCHUNG BIS ZUR FERTIGUNG:

HBM 4/1993


MAR­CO IAN­SI­TI ist Do­zent an der Har­vard Busi­ness School. Wie die welt­wei­te tech­ni­sche Ent­wick­lung vor­an­schrei­tet, un­ter­sucht er der­zeit in ei­ner Rei­he ver­glei­chen­der Stu­di­en bei ja­pa­ni­schen, ame­ri­ka­ni­schen und eu­ro­päi­schen Un­ter­neh­men.

In den meis­ten Un­ter­neh­men nimmt die F + E den aus­ge­tre­te­nen, alt­ver­trau­ten Weg: erst Grund­la­gen­for­schung, bei der die be­auf­trag­ten Wis­sen­schaft­ler ein neu­es Pro­dukt­kon­zept er­kun­den - sa­gen wir, ein neu­es Po­ly­me­ri­sat. In der nächs­ten Run­de ver­bes­sern Wis­sen­schaft­ler mit Spe­zi­al­kennt­nis­sen auf die­sem For­schungs­ge­biet dann das Kon­zept, bis sie auf eine An­wen­dung für das Po­ly­me­ri­sat sto­ßen, zum Bei­spiel als ein neu­es Iso­lier­ma­te­ri­al. Und zum Schluß rei­chen sie ihre Er­geb­nis­se an die In­ge­nieu­re wei­ter mit dem Auf­trag, ein kon­kret zu ver­mark­ten­des Pro­dukt ne­bst dem dazu er­for­der­li­chen Her­stel­lungs­ver­fah­ren zu ent­wi­ckeln. Ich ver­ste­he die­se her­kömm­li­che F + E-Vor­ge­hens­wei­se als eine Ab­fol­ge von Ver­fei­ne­run­gen, die an­ein­an­der an­schlie­ßen und bei der eine Ex­per­ten­grup­pe nach der an­de­ren dem in Ent­wick­lung be­find­li­chen Pro­dukt ih­ren Bei­trag hin­zu­fügt. Solch ein li­nea­rer An­satz ten­diert da­hin, daß Spe­zi­al­wis­sen auf ein­zel­ne Ab­tei­lun­gen ver­teilt wird; es kann so­gar vor­kom­men, daß ir­gend­ein Ab­schnitt des F + E-Pro­zes­ses nur ei­nem ein­zi­gen For­scher über­las­sen bleibt. Liegt nun die größ­te Her­aus­for­de­rung bei der Ent­wick­lung neu­er Pro­duk­te dar­in, daß eine wis­sen­schaft­lich be­deut­sa­me Ent­de­ckung ge­lingt? Wenn es al­lein dar­auf an­käme, dann brauch­te sich auch eine her­kömm­lich be­trie­be­ne F + E nicht zu ver­ste­cken im­mer­hin hat sie zu so be­deu­ten­den In­no­va­tio­nen wie etwa dem Tran­sis­tor oder dem Farb­fern­se­her ge­führt. Doch in­zwi­schen wis­sen zu­mal die füh­ren­den High- Tech-Un­ter­neh­men: Es kommt auf mehr als nur eine ge­nia­le Er­fin­dung an, also be­schrei­ten sie in ih­rer F + E we­sent­lich dif­fe­ren­zier­te­re Wege. Die­ser neue An­satz, ich nen­ne ihn „sys­te­misch-kon­zen­trier­tes Vor­ge­hen“ (Sys­tem Fo­cus), be­zieht sich auf den ge­sam­ten F + E-Pro­zeß, nicht nur auf ein­zel­ne Pro­jek­te auf eng ver­leg­ten Glei­sen. Bei ei­ner Un­ter­su­chung der F + E-Or­ga­ni­sa­tio­nen der zwölf Groß­com­pu­ter- Her­stel­ler - AT&T, Bull, DEC, Fu­jit­su, Hi­ta­chi, IBM, ICL, Mit­sub­is­hi Elec­tric, NEC, Sie­mens, To­s­hi­ba und Uni­sys - konn­ten mei­ne For­schungs­kol­le­gen und ich fest­stel­len, daß sys­te­misch-kon­zen­triert vor­ge­hen­de Un­ter­neh­men die zweck­dien­lichs­ten Pro­dukt­ver­bes­se­run­gen in kür­zes­ter Zeit zu den ge­rings­ten Kos­ten er­rei­chen. Das be­deu­tet nicht eben we­nig in ei­nem High-Tech-Sek­tor, in dem das recht­zei­ti­ge Her­vor­brin­gen neu­er, tech­nisch an­spruchs­vol­ler Pro­duk­te seit über zehn Jah­ren der Schlüs­sel zum Er­folg ist. Wir ver­g­li­chen, wie die­se F + E-Or­ga­ni­sa­tio­nen bei der Ent­wick­lung neu­er Tech­no­lo­gi­en für ein be­stimm­tes Pro­dukt, das Mul­ti­chip-Mo­dul, wäh­rend der 80er Jah­re vor­gin­gen. Die­se Mul­ti­chip-Mo­du­le für Groß­rech­ner ent­hal­ten und ver­bin­den mit­ein­an­der die wich­tigs­ten in­te­grier­ten Schalt­krei­se ei­nes sol­chen Com­pu­ters; sie be­ein­flus­sen so die Ge­schwin­dig­keit und Zu­ver­läs­sig­keit des ge­sam­ten Sys­tems. Da­her stell­ten sie eine au­ßer­or­dent­lich kom­pli­zier­te und tech­nisch an­spruchs­vol­le Ent­wick­lungs­auf­ga­be dar, ge­nau die Art von F + E-Hür­de, der sich in­zwi­schen die meis­ten Un­ter­neh­men ge­gen­über­se­hen, egal ob sie nun Com­pu­ter, Au­tos oder Me­di­ka­men­te her­stel­len. Die un­ter­schied­li­chen Vor­ge­hens­wei­sen der von uns un­ter­such­ten Com­puter­fir­men beim Mul­ti­chip- Mo­dul zei­gen, wie ein Pro­dukt, sein Her­stel­lungs­ver­fah­ren und die Er­for­der­nis­se der Pro­dukt­nut­zer ein Sys­tem kon­sti­tu­ie­ren, das als sol­ches selbst ent­wi­ckelt wer­den muß. Jede Ver­än­de­rung in­ner­halb die­ses Pro­dukt­sys­tems - zum Bei­spiel die Ver­wen­dung ei­nes zu­ver­läs­si­ge­ren Ma­te­ri­als bei der Fer­ti­gung des Mo­dul­trä­gers - ver­än­dert auch den ge­sam­ten Konstruktions¬ und Her­stel­lungs­ab­lauf. Und die­se Ver­än­de­run­gen kön­nen wie­der­um die Ent­wick­lung in Sack­gas­sen füh­ren, län­ge­re Pro­dukt­vor­lauf­zei­ten und vie­le ver­geu­de­te Ar­beits­stun­den ver­ur­sa­chen, es sei denn, ih­nen wird von An­fang an Rech­nung ge­tra­gen. Des­halb darf es bei der Ent­wick­lung neu­er Pro­duk­te nicht län­ger bloß um den Ein­schluß ei­nes neu­en wich­ti­gen Leis­tungs­ele­ments ge­hen, son­dern um die Op­ti­mie­rung des ge­sam­ten Sys­tems. High-Tech-Fir­men sind von un­be­stän­di­gen Märk­ten und ra­schem Tech­no­lo­gie­wan­del am meis­ten be­trof­fen. Zwar mö­gen die seit je­her auf wis­sen­schaft­li­chem Fort­schritt fu­ßen­den Bran­chen - etwa die Raum­fahrt- und Halb­lei­ter­in­dus­trie - wahr­schein­lich den größ­ten Druck ver­spü­ren, ihre F + E-Vor­ge­hens­wei­se an­zu­pas­sen. Aber die Her­aus­for­de­rung, neue tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen in kom­mer­zi­el­le Pro­duk­te auf­zu­neh­men, ge­hört auch in zahl­rei­chen an­de­ren Bran­chen zur Rea­li­tät des Wett­be­wer­bs. Vom Ein­satz des La­ser­schwei­ßens beim Mo­dell Le­xus LS 400 bis zur Ver­wen­dung von Ver­bund­werk­stof­fen in der Bau­in­dus­trie ha­ben neue tech­ni­sche Kon­zep­te zu In­no­va­tio­nen mit ei­nem brei­ten Spek­trum von Pro­duk­ten ge­führt. Ohne Zwei­fel ist schnel­le­re und ef­fi­zi­en­te­re Pro­dukt­ent­wick­lung zu ei­ner be­deu­ten­den Waf­fe im Wett­be­werb ge­wor­den.
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