Die Organisation,die alle anderen übertrifft

NUR DEMOKRATISCHE HERRSCHAFTSFORMEN SIND EFFIZIENT GENUG, UM MIT DEN TECHNISCHEN UND ÖKONOMISCHEN UMBRÜCHEN DER GEGENWART FERTIG ZU WERDEN:

HBM 2/1991


PHI­LIP SLA­TER ist künst­le­ri­scher Lei­ter des San­ta Cruz Coun­ty Ac­tors' Thea­tre; sein jüngs­tes Buch kommt un­ter dem Ti­tel „Crea­ti­ve Cha­os: Stum­b­ling To­ward De­mo­cra­cy“ dem­nächst im Ver­lag Be­a­con Press her­aus. PROF. WAR­REN G. BEN­NIS lehrt Busi­ness Ad­mi­nis­tra­ti­on an der Uni­ver­si­ty of Southern Ca­li­for­nia; er ver­öf­fent­lich­te zu­letzt „ On Be­co­ming a Lea­der“ im Ver­lag Ad­di­son-Wes­ley, 1989.

Seit je­her be­rei­te­te Spöt­tern der bis­si­ge Hin­weis Ver­gnü­gen, daß ge­ra­de jene Wirt­schafts­füh­rer, die bei fei­er­li­chen An­läs­sen die Vor­zü­ge der De­mo­kra­tie lob­prei­sen, am al­ler­we­nigs­ten dar­an däch­ten, die­se Vor­zü­ge in ih­ren Un­ter­neh­men zu nut­zen. Wie sehr sol­cher Spott auch be­rech­tigt sein mag - er weist auf eine Geis­tes­hal­tung hin, die nicht nur für Ge­schäfts­leu­te ty­pisch ist, son­dern für Ame­ri­ka­ner schlecht­hin, wenn nicht viel­leicht so­gar für alle Bür­ger de­mo­kra­tisch ver­faß­ter Län­der. Die­se Hal­tung be­steht dar­in, in De­mo­kra­tie trotz ih­rer man­nig­fa­chen Un­be­quem­lich­kei­ten - die In­sti­tu­tio­na­li­sie­rung ei­ner kom­for­ta­blen Le­bens­wei­se für net­te Men­schen zu se­hen, eine Art von kost­spie­li­gem und un­ra­tio­nel­lem Lu­xus wie der Be­sitz ei­nes großen mit­tel­al­ter­li­chen Schlos­ses. Die der De­mo­kra­tie ent­ge­gen­ge­brach­ten Ge­füh­le sind meist herz­lich, so­gar re­spekt­voll, wenn auch ein we­nig wi­der­wil­lig. Es gibt wahr­schein­lich nur we­ni­ge Leu­te in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, die nicht zu­wei­len den blas­phe­mi­schen Ge­dan­ken heg­ten, daß das Le­ben wei­taus rei­bungs­lo­ser ver­lau­fen könn­te, wenn man De­mo­kra­tie nur durch ir­gend­ei­ne Art von Sonn­tags­got­tes­dienst er­set­zen wür­de. Hin­ter die­sem prak­ti­schen Kli­schee von der „fei­nen, aber un­ra­tio­nel­len“ De­mo­kra­tie steckt eine ge­hö­ri­ge Por­ti­on Idea­lis­mus. Denn im Grun­de glaubt man, daß In­sti­tu­tio­nen in die­ser Welt des Wett­be­wer­bs al­lein be­ste­hen kön­nen durch den gu­ten Wil­len de­rer, die sie in Schwung hal­ten. Wir möch­ten die­ser An­sicht nicht beipflich­ten. Selbst wenn es all die­se ed­len Ge­füh­le ab heu­te nicht mehr gäbe, wür­den wir mor­gen auf­wa­chen und eine in ih­ren Grund­fes­ten nicht er­schüt­ter­te De­mo­kra­tie vor­fin­den, ge­stützt auf ein Zu­sam­men­spiel öko­no­mi­scher, so­zia­ler und po­li­ti­scher Kräf­te, eben­so prak­tisch wie un­bän­dig. In­ner­lich wur­de De­mo­kra­tie nicht we­gen ir­gend­ei­ner va­gen Sehn­sucht nach Men­schen­rech­ten der­art an­ge­nom­men, son­dern weil sie un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen die „ra­tio­nells­te“ (oder ef­fi­zi­en­tes­te) Form ge­sell­schaft­li­cher Or­ga­ni­sa­ti­on ist. (Un­se­re Vor­stel­lung von Ef­fi­zi­enz schließt Le­bens- und Er­folgs­fä­hig­keit ein.) Denn es ist kein Zu­fall, daß jene Völ­ker, die schon des län­ge­ren einen re­la­ti­ven Wohl­stand und weit­ge­hen­de Sta­bi­li­tät ge­nie­ßen, de­mo­kra­ti­sche Struk­tu­ren be­sit­zen, wäh­rend au­to­ri­täre Re­gi­mes - mit we­ni­gen Aus­nah­men - ent­we­der zer­fal­len oder eine un­ge­wis­se und rück­stän­di­ge Exis­tenz fris­ten. Trotz die­ser of­fen­sicht­li­chen Tat­sa­chen mein­te selbst ein so klu­ger Staats­mann wie Ad­lai Ste­ven­son in der New York Ti­mes vom 4. No­vem­ber 1962, daß sich die Zie­le der Kom­mu­nis­ten von den uns­ri­gen grund­sätz­lich un­ter­schei­den. „Ih­nen geht es um Macht“, schrieb er, „uns um Wohl­fahrt. Wie kann man bei so fun­da­men­tal ge­gen­sätz­li­chen Ab­sich­ten Kom­mu­nis­mus und De­mo­kra­tie ver­glei­chen nach Maß­stä­ben der Ef­fi­zi­enz?“ De­mo­kra­tie - ob ka­pi­ta­lis­tisch oder so­zia­lis­tisch steht hier nicht zur De­bat­te - ist das ein­zi­ge Sys­tem, das den wech­seln­den An­for­de­run­gen der mo­der­nen Zi­vi­li­sa­ti­on ge­wach­sen ist. Wir möch­ten hier kei­ne Lan­ze für die De­mo­kra­tie an sich bre­chen, denn man könn­te mit Ver­nunft­grün­den durch­aus dar­le­gen, die In­dus­trie­ge­sell­schaft habe ver­derb­li­che Fol­gen und sei da­her bes­ser ab­zu­schaf­fen. Wir sa­gen nur, wenn der Wunsch be­steht, un­se­re Form der Zi­vi­li­sa­ti­on zu er­hal­ten, dann ist De­mo­kra­tie das ef­fek­tivs­te Mit­tel, um ihn zu er­fül­len.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
10
Zeichen:
50.054
Nachdrucknummer:
199102091
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben