Die Luft wird rauher -wie Zulieferer überleben können

EXPERTEN ÜBER DIE ZUKUNFT DER ZULIEFERINDUSTRIE - ERGEBNISSE EINER DELPHI-STUDIE:

HBM 3/1993


PROF. DR. HORST WIL­DE­MANN hat den Lehr­stuhl für Be­trie­bs­wirt­schafts­leh­re mit Schwer­punkt Lo­gis­tik an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen.

Stellt die Schnitt­stel­le zu den Lie­fe­ran­ten ein Ra­tio­na­li­sie­rungs­po­ten­ti­al dar? Die­se Fra­ge wäre frü­her kaum je­mand in den Sinn ge­kom­men. Doch heu­te se­hen wir al­ler­or­ten die Ver­su­che, mit in­no­va­ti­ven Her­stel­ler-Zu­lie­fe­rer-Be­zie­hun­gen po­si­ti­ve Ant­wor­ten zu fin­den. Ja, da ist ein Po­ten­ti­al, und die­ses kann aus­ge­schöpft wer­den, wenn man die Auf­ga­ben von Ab­neh­mern und Lie­fe­ran­ten neu de­fi­niert und neue For­men der Ar­beits­tei­lung zwi­schen ih­nen fin­det, die zu ei­nem Un­ter­neh­mens- und be­reichs­über­grei­fen­den, ganz­heit­li­chen und letzt­lich die Ge­samt­kos­ten mi­ni­mie­ren­den Op­ti­mum füh­ren. In­zwi­schen sind ei­ni­ge Her­stel­ler auch be­strebt, einen Zu­lie­fer­sek­tor auf­zu­bau­en, der in ver­ti­ka­ler und ho­ri­zon­ta­ler Ko­ope­ra­ti­on - Leit­bild Mo­du­lar Sour­cing - kom­plet­te Kom­po­nen­ten ent­wi­ckelt, pro­du­ziert und be­reit­stellt (sie­he von Eicke/Femerling 1990). Dem­ge­gen­über schei­nen die Kämp­fe um Kos­ten­füh­rer­schaft im­mer we­ni­ger er­folg­ver­spre­chend zu sein. Denn der in­ter­na­tio­na­le Wett­be­werb wird nicht mehr auf der Kos­ten­sei­te al­lein aus­ge­tra­gen - jetzt müs­sen auch das In­no­va­ti­ons-, Qua­li­täts- und Zeit­ma­na­ge­ment be­herrscht wer­den. Und so, wie die Ver­bin­dun­gen zu den Her­stel­lern en­ger wer­den, se­hen sich die Lie­fe­ran­ten ver­än­der­ten Er­folgs- und Wett­be­wer­bs­fak­to­ren kon­fron­tiert. Über hohe Qua­li­tät, großes Know-how, güns­ti­gen Preis, gu­ten Ser­vice und Ter­min­treue hin­aus wird es da­her in den nächs­ten Jah­ren, bis 1995, auch dar­auf an­kom­men, das An­ge­bot an Kom­plett­lö­sun­gen und die lo­gis­ti­sche Kom­pe­tenz zu ent­schei­den­den Stär­ken aus­zu­bau­en. Auch Re­cy­cling­kon­zep­te und Um­welt­tech­nik wer­den künf­tig zum Über­le­ben im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb er­heb­lich bei­tra­gen. Glei­ches gilt für sol­che Zu­satz­leis­tun­gen wie hohe Lo­gis­tik- und Qua­li­täts­stan­dards (sie­he Burt 1990). Ent­spre­chend müs­sen die Lie­fe­ran­ten dar­auf se­hen, daß sie Ef­fi­zi­enz und Ef­fek­ti­vi­tät bei sich dras­tisch ver­bes­sern. Dazu müs­sen sie ge­mein­sam mit Her­stel­lern die Er­folgs­po­ten­tia­le ge­nau ins Vi­sier neh­men, die in ei­ner in­ten­si­ver­en Ko­ope­ra­ti­on ste­cken. Da der Kos­ten- und Kon­kur­renz­druck wei­ter zu­neh­men wird, kön­nen be­son­ders leis­tungs­fä­hi­ge Zu­lie­fe­rer mit ih­rem un­schätz­ba­ren Know-how für be­stimm­te Her­stel­ler so­gar über­le­bens­wich­tig wer­den. Die hier vor­ge­stell­ten Ein­sich­ten ba­sie­ren auf den Er­geb­nis­sen ei­ner Del­phi-Stu­die zu den „Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten von Zu­lie­fer­un­ter­neh­men im eu­ro­päi­schen Markt“. Die Da­ten wur­den aus Fall­stu­di­en ge­won­nen so­wie aus ei­ner Be­fra­gung von Vor­stän­den, Ge­schäfts­füh­rern und Füh­rungs­kräf­ten von 112 Zu­lie­fer­un­ter­neh­men im deutsch­spra­chi­gen Raum (neue Bun­des­län­der wa­ren da­bei ein­ge­schlos­sen). An­onym und ver­trau­lich wur­den die Ex­per­ten zwi­schen De­zem­ber 1991 bis Fe­bru­ar 1992 schrift­lich um ihre per­sön­li­chen Mei­nun­gen und nicht die ih­rer Fir­men ge­be­ten. Die Mehr­heit der aus­ge­wähl­ten Lie­fe­ran­ten ist in der ei­sen-, blech- oder me­tall­ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie tä­tig (68,5 Pro­zent); es fol­gen - nach Pro­zen­tan­tei­len - Elek­tro­nik­bran­che (11,1), che­mi­sche In­dus­trie (7,4), kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­de In­dus­trie (4,6), Feinmechanik/Optik und Glas/Keramik (je 2,8) und holz­ver­ar­bei­ten­de In­dus­trie (0,9); sons­ti­ge 1,9 Pro­zent. Ge­lie­fert wird in die Bran­chen Au­to­mo­bil­bau (62,5 Pro­zent), Me­tall­ver­ar­bei­tung (27,7), Che­mie (17,9), Elek­tro­nik (16,1), Ma­schi­nen­bau (11,6), Feinmechanik/ Op­tik (5,4) so­wie Glas/Keramik (2,7).
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
6

Textumfang

Seiten:
12
Zeichen:
37.621
Nachdrucknummer:
199303034
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben