Un­ter­neh­men­wer­den „grün“

SCHADSTOFFEMISSIONEN SIND DIE FOLGE FEHLERHAFT KONZIPIERTER PRODUKTIONSABLÄUFE:

HBM 2/1992


ART KLEI­NER be­treut beim Gar­ba­ge Ma­ga­zi­ne das Res­sort Um­welt­schutz und Un­ter­neh­men. Sein Buch „The Age of Her­e­tics“ - eine Ge­schich­te der Re­form­be­mü­hun­gen in nor­ma­len Un­ter­neh­men - er­scheint die­ses Jahr bei Doub­le­day.

Trotz zu­neh­men­den Drucks auf die Un­ter­neh­men, sich dem Pla­ne­ten Erde ge­gen­über ver­ant­wort­li­cher zu ver­hal­ten, fehlt Füh­rungs­kräf­ten ein ein­heit­li­ches Ver­ständ­nis des­sen, was dar­aus ei­gent­lich für ihre Fir­men fol­gen soll­te. Vie­le se­hen in Um­welt­schutz wei­ter­hin ein Kampf­feld, auf dem ih­nen eine feind­lich ge­son­ne­ne Öf­fent­lich­keit das Le­ben sau­er macht. Sie sträu­ben sich ge­gen im­mer schär­fe­re Emis­si­ons­ver­ord­nun­gen und ge­gen die viel­fäl­ti­gen Stra­fen bei Um­welt­ver­stö­ßen. Wer kann ih­nen das übel­neh­men? Den­ken wir nur an die ge­ra­de ver­gan­ge­nen Jah­re: Da trieb eine über­stei­ger­te Furcht vor Pes­ti­zi­den die Ap­fel­züch­ter im Wes­ten der USA fast sämt­lich in den Ruin, wäh­rend Ex­xon im Kiel­was­ser der Val­dez-Öl­ka­ta­stro­phe vor Alas­ka zu­gleich einen Re­kord­ge­winn aus­wies. Eine öko­lo­gi­sche Pan­ne kann Zeit­ver­lus­te brin­gen, Kun­den­ab­wan­de­run­gen, Rie­sen­kos­ten für die Be­sei­ti­gung der Um­welt­schä­den, Boy­kot­te, Geld­stra­fen - oder auch nichts von al­le­dem. Im­mer­hin, Ma­na­ger ha­ben zu­neh­mend eine bes­se­re An­ten­ne für das ent­wi­ckelt, was die Öf­fent­lich­keit von ih­nen er­war­tet. Als die Na­tio­nal Wild­li­fe Fe­de­ra­ti­on 1985 erst­mals ih­ren Um­welt­preis für die Wirt­schaft aus­schrieb, brach­ten sich et­li­che Un­ter­neh­men selbst als Kan­di­da­ten ins Ge­spräch mit Hin­weis auf et­was, was sie of­fen­kun­dig für be­mer­kens­wert hiel­ten - Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten. Heu­te er­war­tet kei­ne Fir­ma, als „um­welt­be­wußt“ zu gel­ten, bloß weil sie die ge­setz­li­chen Auf­la­gen er­füllt. Ganz an­ders sieht es aus, wenn sie mehr als das tut, auch mehr als die Bran­che und vie­le ih­rer Kun­den. Pa­ci­fic Gas and Elec­tric ent­schied zum Bei­spiel vor kur­z­em, Ener­gie­spa­ren sei eine wei­taus ein­träg­li­che­re In­ves­ti­ti­on als Atom­kraft. Du Pont ent­wi­ckel­te aus sei­nem in­ter­nen Um­welt­schutz­pro­gramm ein Be­ra­tungs­ge­schäft. Und McDonald's mach­te sei­ne viel pu­bli­zier­te Um­stel­lung von Plas­tik auf Pa­pier zum Eck­stein ei­ner noch um­fas­sen­de­ren, aber we­ni­ger auf­fäl­li­gen Müll­re­du­zie­rungs­stra­te­gie. Ei­nes wird deut­lich: Die Ma­na­ger die­ser Fir­men sind zu der Über­zeu­gung ge­kom­men, Um­welt­schutz brin­ge dem Un­ter­neh­men wirk­lich et­was. Al­ler­dings hät­ten die­se Ma­na­ger auf den Um­welta­spekt wohl kaum so viel Auf­merk­sam­keit ver­wen­det, wä­ren sie mit Um­welt­schüt­zern nicht in den Clinch ge­ra­ten. Aber nach ei­ni­gem Nach­den­ken blie­ben sie auch nicht bei der ge­wohn­ten Fi­xie­rung auf das Mus­ter: ge­setz­li­che Auf­la­ge hier, Straf­an­dro­hung da. Viel­mehr be­gan­nen sie den da­hin­ter­ste­hen­den Ge­dan­ken an ein trag­fä­hi­ges Wachs­tum zu ver­ste­hen. In der Tat, we­der In­dus­tri­en noch Na­tio­nen kön­nen ge­dei­hen, wenn sie künf­ti­ge Le­bens­qua­li­tät heu­ti­gen öko­no­mi­schen Vor­tei­len op­fern. Auf lan­ge Sicht wer­den sich die Prin­zi­pi­en des Wirt­schafts­wachs­tums und der Um­welt­qua­li­tät da­her wech­sel­sei­tig be­stär­ken. Ge­wiß, die­se Prin­zi­pi­en kön­nen im Wi­der­spruch zu­ein­an­der ste­hen und füh­ren uns zum Kern jeg­li­cher un­ter­neh­me­ri­scher Her­aus­for­de­rung. Zu­wei­len glau­ben Ma­na­ger, daß sie in ers­ter Li­nie ihre Fir­men schüt­zen müß­ten - die Um­welt sol­le eben für sich sel­ber sor­gen. So ver­dop­pel­te die Pa­ci­fic Lum­ber Com­pa­ny, als sie nach der mit Junk Bonds fi­nan­zier­ten Über­nah­me durch Ma­xxam un­ter der Schul­den­last ächz­te, den Hol­zein­schlag in ei­nem ur­al­ten Red­wood- Forst - was nicht nur den sel­te­nen Fle­cken­kauz ge­fähr­de­te, son­dern auch die künf­ti­ge Nut­zung die­ses Wal­des. Viel­leicht hät­te das Ma­na­ge­ment ver­nünf­ti­ger ent­schie­den, wenn die Ka­pi­tal­ge­ber ge­dul­di­ger ge­we­sen wä­ren.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
0
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
11
Zeichen:
46.246
Nachdrucknummer:
199202024
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
Nach oben