So funk­tio­niert­die Fabrik von morgen

VIER PRODUKTIONSTHEORETISCHE KONZEPTE BEREITEN DER FERTIGUNG IM JAHR 1999 DEN BODEN:

HBM 1/1991


PE­TER F. DRU­CKER ist Pro­fes­sor für So­zi­al­wis­sen­schaft und Ma­na­ge­ment­leh­re an der Cla­re­mont Gra­dua­te School in Ka­li­for­ni­en. Sein bis­lang jüngs­tes Buch, „Neue Rea­li­tä­ten. Wer­te­wan­del in Po­li­tik, Wirt­schaft und Ge­sell­schaft“, er­schi­en 1989 im Düs­sel­dor­fer Econ-Ver­lag.

Vie­les von dem, was die „post­mo­der­ne“ Fa­brik 1999 aus­ma­chen wird, kön­nen wir heu­te be­reits be­schrei­ben. Das wich­tigs­te an ihr wird nicht die Tech­nik sein, trotz der im­mer noch zahl­rei­chen Ma­schi­nen. Die we­sent­li­che Ver­än­de­rung aber be­steht in ei­nem neu­en Ver­ständ­nis der Vor­gän­ge in der Fa­brik. Die­se mo­der­ne Auf­fas­sung grün­det vor al­lem auf vier Prin­zi­pi­en oder Prak­ti­ken - ge­mein­sam an­ge­wandt, lau­fen sie auf eine neue Art hin­aus, Gü­ter zu pro­du­zie­ren. Der­zeit wird je­des die­ser Kon­zep­te ge­trennt ver­folgt, von ver­schie­de­nen Leu­ten, von ge­trenn­ten Aus­gangs­punk­ten her, zu je­weils ei­ge­nen, ab­wei­chen­den Zwe­cken und mit je­weils spe­zi­fi­schen Ef­fek­ten. Die­se Kon­zep­te sind: sta­tis­ti­sche Qua­li­täts­kon­trol­le, die das so­zia­le Ord­nungs­ge­fü­ge in der Fa­brik ver­än­dert; die neue Fer­ti­gungs­kos­ten­rech­nung, die Pro­duk­ti­ons­ent­schei­dun­gen wie ge­schäft­li­che Ent­schei­dun­gen zu hand­ha­ben er­laubt; die „Flot­til­len-“ oder mo­du­la­re Or­ga­ni­sa­ti­on, durch die die Vor­tei­le von Stan­dar­di­sie­rung und Fle­xi­bi­li­sie­rung mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den kön­nen; schließ­lich der Sys­teman­satz, der den phy­si­schen Pro­zeß des Her­stel­lern von Gü­tern ein­bet­tet in den Ge­samta­blauf der Ge­schäftstä­tig­keit, die Wert­schöp­fung also. Mit dem im­mer stär­ke­ren Aus­bau die­ser Kon­zep­te wan­deln sich un­se­re Vor­stel­lun­gen von der Pro­duk­ti­on und von der Art, wie sie am bes­ten durch­ge­führt wer­den soll­te. In den Be­trie­ben wis­sen die meis­ten Men­schen längst, daß sie die Fer­ti­gungs­pro­zes­se an­ders als ge­wohnt be­trach­ten müs­sen. Und sie wis­sen, daß ein Her­um­bas­teln an al­ten Theo­ri­en nicht wei­ter­hilft und sie eher noch zu­rück­wer­fen wür­de. Zu­sam­men lie­fern die vier Kon­zep­te uns in­des die Grund­la­ge für die drin­gend er­for­der­li­che, neue Pro­duk­ti­ons­theo­rie.
Sta­tis­ti­sche Qua­li­täts­kon­trol­le
Sta­ti­sti­cal Qua­li­ty Con­trol (SQC), wahr­lich nichts Neu­es, geht auf eine vor 70 Jah­ren von Sir Ro­nald Fis­her for­mu­lier­te sta­tis­ti­sche Theo­rie zu­rück, die Wal­ter She­whart, ein Phy­si­ker der Bell La­bo­ra­to­ries, in den 30er Jah­ren für die feh­ler­freie Mas­sen­pro­duk­ti­on kom­ple­xer Te­le­pho­n­an­la­gen und -ap­pa­ra­te wei­ter­ent­wi­ckel­te. Spä­ter ta­ten W. Ed­wards De­ming und Jo­seph Ju­ran, un­ab­hän­gig von­ein­an­der, das ihre. Und als die Ja­pa­ner in den 50er und 60er Jah­ren zu­mal De­mings Leit­sät­ze auf­grif­fen, über­nah­men sie da­mit die Füh­rung bei der Fer­ti­gungs­qua­li­tät. Die US-In­dus­trie ver­schlief die­se Ent­wick­lung und rich­tet sich erst heu­te auf SQC ein - Ford, Ge­ne­ral Mo­tors und Xe­r­ox etwa. Auch West­eu­ro­pa be­ach­te­te SQC lan­ge zu we­nig. Wich­ti­ger aber: Selbst die er­folg­reichs­ten An­wen­der ver­ste­hen nicht ganz, was SQC wirk­lich heißt. Denn SQC ist kei­nes­wegs nur ein In­stru­ment zur Pro­duk­ti­ons­steue­rung, son­dern be­ein­flußt auch nach­hal­tig das so­zia­le Ge­fü­ge der Fa­brik. Je­der, der sich mit der Fer­ti­gung be­schäf­tigt, weiß in­zwi­schen na­tür­lich, daß SQC eine ri­go­ro­se wis­sen­schaft­li­che Me­tho­de dar­stellt, um her­aus­zu­be­kom­men, mit wel­cher Qua­li­tät und Pro­duk­ti­vi­tät bei ei­nem ge­ge­be­nen Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren zu rech­nen ist, so daß im Hin­blick auf bei­de Kri­te­ri­en ge­zielt Kon­trol­len ein­ge­baut wer­den kön­nen. Über­dies zeigt SQC Fehl­funk­tio­nen und ihre Ur­sa­chen so­fort an - ein ab­ge­nutz­tes Werk­zeug, eine ver­schmutz­te Spritz­pis­to­le oder ein über­hitz­ter Ofen. Und weil das schon klei­ne Stich­pro­ben er­mög­li­chen, wer­den bei SQC Feh­ler fast un­ver­züg­lich ent­deckt und vom Ma­schi­nen­füh­rer so­gleich kor­ri­giert. Nicht we­ni­ger schnell mar­kiert SQC im lau­fen­den Pro­duk­ti­ons­pro­zeß den Ef­fekt je­der Ab­wei­chung von der Norm. Und letzt­lich lie­fert SQC Fin­ger­zei­ge, wo - und häu­fig auch wie - sich Qua­li­tät und Pro­duk­ti­vi­tät des ge­sam­ten Ver­fah­rens wei­ter ver­bes­sern las­sen. Was man einst den „She­whart Cy­cle“ und spä­ter den „De­ming Cy­cle“ nann­te, heißt heu­te kai­zen, ste­ti­ges Ver­bes­sern auf ja­pa­nisch.
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