Nationale Wett­be­wer­bs­kraft woherkommt die?

DIE ERGEBNISSE EINER ZEHN-LÄNDER-STUDIE ÜBER DIE QUELLEN NATIONALER ERFOLGE IM GLOBALEN WETTBEWERB:

HBM 4/1990


PROF. MI­CHA­EL E. POR­TER lehrt Be­trie­bs­wirt­schafts­leh­re an der Har­vard Busi­ness School. Sei­ne Bü­cher „Com­pe­ti­ti­ve Stra­t­egy“ (1980) und „Com­pe­ti­ti­ve Ad­van­ta­ge“ (1985) er­schie­nen 1983 und 1986 auch auf Deutsch, Cam­pus-Ver­lag, Frankfurt/Main. Sein neues­tes Buch, „The Com­pe­ti­ti­ve Ad­van­ta­ge of Nations“(1990), er­scheint bei Free Press.

Wohl­stand kann ein Volk nicht er­er­ben, es muß ihn sich er­schaf­fen. Zu­dem geht er nicht ein­fach aus den na­tür­li­chen Reich­tü­mern des Lan­des her­vor, sei­nen Ar­beits­kräf­ten etwa, dem Zins­ni­veau oder dem Au­ßen­wert sei­ner Wäh­rung, wie das die klas­si­sche Wirt­schafts­leh­re einst be­haup­te­te. Die Wett­be­wer­bs­kraft ei­ner Na­ti­on hängt ab von der In­no­va­ti­ons- und Ent­wick­lungs­fä­hig­keit sei­ner In­dus­tri­en und Un­ter­neh­men, die Wett­be­wer­bs­vor­tei­le ge­gen­über ih­ren aus­län­di­schen Her­aus­for­de­rern er­lan­gen, in­dem sie auf den Druck star­ker Mit­be­wer­ber, drauf­gän­ge­ri­scher Zu­lie­fe­rer und an­spruchs­vol­ler Kun­den im ei­ge­nen Land rea­gie­ren. Der Wett­be­werb heu­te wird zu­neh­mend glo­ba­ler, was den na­tio­na­len Hin­ter­grund je­weils nicht un­wich­ti­ger, son­dern im Ge­gen­teil be­deut­sa­mer macht. Denn die Ba­sis des Wett­be­wer­bs ver­la­gert sich im­mer mehr hin zum Wis­sen, das kre­i­ert und an­ge­wen­det wer­den muß. Da­mit aber ist die Rol­le der Na­ti­on ge­wach­sen. Wett­be­wer­bs­vor­tei­le ge­hen über­wie­gend aus ei­nem im höchs­ten Maß durch hei­mi­sche Ein­flüs­se be­stimm­ten Pro­zeß her­vor und wer­den durch ihn auf­recht er­hal­ten. Na­tio­na­le Un­ter­schie­de nach Wer­t­ord­nung, Kul­tur, Wirt­schaftss­truk­tur, In­sti­tu­tio­nen und Ge­schich­te tra­gen ge­mein­sam zum Er­folg bei, so daß die Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit ein­zel­ner Län­der recht aus­ge­präg­te Un­ter­schie­de aus­weist. Kein Land kann je auf al­len oder auch nur den meis­ten Sek­to­ren kon­kur­renz­fä­hig sein. Letzt­lich sind Na­tio­nen nur mit ganz be­stimm­ten In­dus­tri­en er­folg­reich, weil de­ren hei­mi­sches Um­feld Fort­schrit­te be­son­ders sti­mu­liert, weil die­ses Um­feld be­son­ders dy­na­misch und her­aus­for­dernd ist. Die­se Schluß­fol­ge­run­gen ei­ner vier­jäh­ri­gen Stu­die über die Merk­ma­le des Wett­be­w­er­b­ser­folgs von zehn füh­ren­den Han­dels­na­tio­nen wi­der­spre­chen der gän­gi­gen Lehr­mei­nung, wie sie Den­ken und Han­deln vie­ler Un­ter­neh­men und Re­gie­run­gen be­stimmt, zu­mal in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten (sie­he Kas­ten über die „Mus­ter na­tio­na­len Wett­be­w­er­b­ser­folgs“). Ge­mäß die­ser Über­zeu­gung stel­len vor al­lem Ar­beits­kos­ten, Zins­sät­ze, Wech­sel­kur­se und öko­no­mi­sche Ska­len­ef­fek­te die macht­volls­ten Trieb­fe­dern na­tio­na­ler Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit dar. Und so lau­ten die Ta­ges­pa­ro­len m den Un­ter­neh­men denn: Fu­si­on, Al­li­anz, stra­te­gi­sche Part­ner­schaft, Ko­ope­ra­ti­on oder Glo­ba­li­sie­rung. Für be­stimm­te Wirt­schafts­zwei­ge ru­fen die Ma­na­ger nach mehr staat­li­cher Un­ter­stüt­zung. Und die Re­gie­run­gen of­fen­ba­ren eine wach­sen­de Nei­gung, mit ver­schie­de­nen, der na­tio­na­len Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit ver­meint­lich för­der­li­chen Maß­nah­men zu ex­pe­ri­men­tie­ren - das geht von Ma­ni­pu­la­tio­nen der Wech­sel­kur­se und des Au­ßen­han­dels bis zur Auf­wei­chung stren­ger Kar­tell­ge­set­ze. Aber am Ende scha­det das meis­te mehr als das es nützt (sie­he Kas­ten „Was ei­gent­lich heißt na­tio­na­le Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit?“, Sei­te 110 und 111). Die­se von Un­ter­neh­men wie Re­gie­run­gen heu­te gern ge­üb­ten Prak­ti­ken tau­gen we­nig, weil sie von ei­ner grund­sätz­lich falschen Ein­schät­zung der wah­ren Ur­sa­chen von Wett­be­wer­bs­vor­tei­len aus­ge­hen. Die­sen Kurs wei­ter bei­zu­be­hal­ten läuft - bei al­lem kurz­fris­ti­gen Reiz - nur dar­auf hin­aus, daß kei­ne der hoch­ent­wi­ckel­ten Wirt­schafts­na­tio­nen den er­hoff­ten, wah­ren und dau­er­haf­ten Wett­be­wer­bs­vor­teil wirk­lich er­reicht. Was wir brau­chen, ist eine neue Per­spek­ti­ve und sind neue In­stru­men­te - ein Her­an­ge­hen an das Pro­blem der Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit, wie es sich di­rekt und ohne Rück­sicht auf her­kömm­li­che oder mo­di­sche Denk­wei­sen aus ei­ner Ana­ly­se in­ter­na­tio­nal er­folg­rei­cher In­dus­tri­en er­gibt. Wir müs­sen ganz ein­fach be­grei­fen, was wirk­lich pas­siert und wes­halb, um die ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se dann an­zu­wen­den.
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