Wie die Stadt­ker­ne­wie­der attraktiv werden

PROGRAMME ZUR WIRTSCHAFTLICHEN WIEDERBELEBUNG MARODER INNENSTÄDTE KÖNNEN AUF VIER WICHTIGEN STANDORTVORTEILEN AUFBAUEN:

HBM 1/1996


PROF. MI­CHA­EL E. POR­TER lehrt Un­ter­neh­mens­füh­rung an der Har­vard Busi­ness School in Bo­ston.

Die wirt­schaft­li­che Not­la­ge der In­nen­städ­te Ame­ri­kas ist ei­nes der vor­dring­lichs­ten Pro­ble­me, vor de­nen die Na­ti­on steht. Der Man­gel an Er­wer­bs­un­ter­neh­men und Ar­beitsplät­zen in den be­nach­tei­lig­ten Stadt­ge­bie­ten sorgt nicht nur für eine be­drücken­de Ar­mut, son­dern schafft auch läh­men­de ge­sell­schaft­li­che Miß­stän­de wie Dro­gen­miß­brauch und Kri­mi­na­li­tät. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen dar­über, wie Ab­hil­fe zu schaf­fen ist, wer­den mit fort­schrei­ten­der Ver­schlech­te­rung der Zu­stän­de im­mer po­le­mi­scher. Trau­rig, aber wahr: Die Be­stre­bun­gen der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te zur Wie­der­be­le­bung der In­nen­stadt­be­zir­ke sind fehl­ge­schla­gen. Der Auf­bau ei­ner dau­er­haf­ten wirt­schaft­li­chen Grund­la­ge - und da­mit von Be­schäf­ti­gungs­chan­cen, Wohl­stand, Rol­len­vor­bil­dern und ei­ner bes­se­ren ört­li­chen In­fra­struk­tur - ist trotz Ein­satz er­heb­li­cher Res­sour­cen miß­glückt. Die bis­he­ri­gen Be­mü­hun­gen er­folg­ten nach ei­nem so­zia­len, vor al­lem an der Be­frie­di­gung mensch­li­cher Grund­be­dürf­nis­se ori­en­tier­ten Mo­dell. Dem­ge­mäß hat­te die Hil­fe für die In­nen­städ­te großen­teils die Form von Not­stand­s­pro­gram­men wie Ein­kom­mens­bei­hil­fen, Wohn­geld­zah­lun­gen und Le­bens­mit­tel­gut­schei­nen, die alle so­zia­len Not­wen­dig­kei­ten gal­ten, sie wa­ren sehr kon­kret und sehr au­gen­schein­lich. Die Pro­gram­me, die di­rek­ter auf wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung ab­ziel­ten, blie­ben Stück­werk und da­her wir­kungs­los. Sol­che ver­ein­zel­ten Ver­su­che be­stan­den ge­wöhn­lich in Sub­ven­tio­nen und an­de­ren Ver­güns­ti­gun­gen oder wa­ren kost­spie­li­ge Be­mü­hun­gen, wirt­schaft­li­che Ak­ti­vi­tä­ten auf so na­he­lie­gen­den Ge­bie­ten wie Woh­nungs­bau, Bau­land- und Stadt­teil­ent­wick­lung. Da es an ei­ner über­grei­fen­den Stra­te­gie fehl­te, wur­de die In­nen­stadt be­han­delt wie eine In­sel, die - von der sie um­ge­ben­den Wirt­schaft iso­liert - ihre ei­ge­nen Wett­be­wer­bs­ge­set­ze be­sitzt. Sie för­der­te dar­um klei­ne­re Fir­men, die die ört­li­che Kund­schaft be­lie­fern, aber schlecht da­für ge­rüs­tet sind, Kauf­kraft aus der gan­zen Stadt an­zu­zie­hen, ge­schwei­ge denn, über die Stadt­gren­zen hin­aus zu „ex­por­tie­ren“. Letzt­lich wur­de mit die­sem För­der­mo­dell das Ent­ste­hen wirt­schaft­lich le­bens­fä­hi­ger Un­ter­neh­men und ren­ta­bler Ar­beitsplät­ze un­ge­wollt un­ter­gra­ben und die so­zia­len Pro­ble­me ver­schlim­mert. Jetzt ist die Zeit reif für die Er­kennt­nis, daß es zur Re­vi­ta­li­sie­rung der in­nen­städ­ti­schen Ge­bie­te ei­nes ra­di­kal an­de­ren Vor­ge­hens be­darf. So­zia­le Pro­gram­me wer­den zwar wei­ter­hin eine wich­ti­ge Rol­le spie­len (Exis­tenz­si­che­rung, Aus­bil­dungs­för­de­rung), aber sie müs­sen eine lo­gisch kon­sis­ten­te wirt­schaft­li­che Stra­te­gie un­ter­stüt­zen statt sie aus­zu­höh­len. Die Fra­ge muß lau­ten: Wie las­sen sich Aus­brei­tung und Wachs­tum der in den In­nen­stadt­be­rei­chen an­säs­si­gen Fir­men stei­gern und da­mit die Be­schäf­ti­gungs­chan­cen der na­he­bei woh­nen­den Men­schen er­hö­hen? Eine dau­er­haf­te wirt­schaft­li­che Ba­sis kann in die­sen Stadt­ge­bie­ten ge­schaf­fen wer­den, doch nur auf die Wei­se, die auch sonst schon er­folg­reich war: durch pri­va­te, ge­winn­brin­gen­de In­itia­ti­ven und In­ves­ti­tio­nen, die auf wirt­schaft­li­chem Ei­gen­in­ter­es­se und ech­ten Wett­be­wer­bs­vor­tei­len ba­sie­ren - und nicht durch künst­li­che An­rei­ze, Wohl­fahrts­maß­nah­men oder be­hörd­li­che Ver­fü­gun­gen. Wir müs­sen auf ein wirt­schaft­li­ches Mo­dell mit dem Leit­ge­dan­ken set­zen, in­nen­städ­ti­sche Un­ter­neh­men pro­fi­ta­bel zu ma­chen, in­dem wir sie auch auf den Wett­be­werb auf re­gio­na­ler, lan­des­wei­ter und so­gar in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne hin­füh­ren. Die­se Fir­men dür­fen nicht nur ih­ren Stadt­teil be­lie­fern, son­dern auch Gü­ter und Dienst­leis­tun­gen zur Wirt­schaft der Um­ge­bung „ex­por­tie­ren“ kön­nen. Bei die­sem Mo­dell kommt es ganz dar­auf an, die ge­nu­i­nen Wett­be­wer­bs­vor­tei­le der In­nen­städ­te zu er­ken­nen und aus­zu­nut­zen, da­mit sie sich in wirk­lich er­trags­star­ke Un­ter­neh­men um­mün­zen. Die bis­he­ri­gen Denk­wei­sen und Maß­nah­men ha­ben uns in die Fal­le der Wohl­stand­sum­ver­tei­lung ge­führt. Doch die wirk­li­che Not­wen­dig­keit - und die ech­te Chan­ce - be­steht in der Schaf­fung von Wohl­stand.

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