Die Produktklinik -eine Keimzelle für Lernprozesse

WER RASCHER LERNT, HEBT SICH FÜR DIE KUNDEN SICHTBARER VOM WETTBEWERB AB:

HBM 1/1996


PROF. HORST WIL­DE MANN hat den Lehr­stuhl für Be­trie­bs­wirt­schafts­leh­re mit Schwer­punkt Lo­gis­tik an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen inne.

An der Ge­schwin­dig­keit, in der eine Or­ga­ni­sa­ti­on lernt, zeigt sich ihr Dif­fe­ren­zie­rungs­po­ten­ti­al im Wett­be­werb. In der Re­gel fin­den es In­dus­trie­un­ter­neh­men in­zwi­schen recht schwie­rig, sich al­lein über tech­ni­sche Pro­dukt­merk­ma­le vom Wett­be­werb zu un­ter­schei­den, zu­mal die üb­li­chen Wege, In­no­va­ti­ons­zei­ten zu ver­kür­zen, auch zum be­schleu­nig­ten Ko­pie­ren von tech­ni­schen Lö­sun­gen füh­ren. Das Er­folgs­mot­to lau­tet da­her: Ler­nen, so schnell wie nur mög­lich ler­nen. Um den not­wen­di­gen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Lern­pro­zeß im Un­ter­neh­men in Gang zu set­zen, be­darf es ei­ner Keim­zel­le, in der die ein­zel­nen Funk­ti­ons­be­rei­che des Un­ter­neh­mens zu­sam­men­ge­bracht und die Vor­aus­set­zun­gen da­für ge­schaf­fen wer­den, daß ein or­ga­ni­sa­to­ri­scher Lern­pro­zeß in Gang kommt und ge­hal­ten wird. Zu die­sem Zweck wird vor­ge­schla­gen, eine Pro­dukt­kli­nik ein­zu­rich­ten; ex­em­pla­ri­sche Fäl­le aus der Pra­xis sol­len im wei­te­ren dann der Dar­stel­lung der me­tho­di­schen Kon­zep­te die­nen. Der Grund­ge­dan­ke der Pro­dukt­kli­nik be­steht dar­in, daß ei­ge­ne ak­tu­el­le Pro­duk­te und Pro­zes­se auf­bau­end auf Markt-, Wett­be­wer­bs- und Kun­den­da­ten di­rekt auf phy­si­scher Ebe­ne mit den Mit­be­wer­bern ver­g­li­chen wer­den (sie­he Ab­bil­dung 1). Da­bei las­sen sich mit ei­ner sys­te­ma­ti­schen Ana­ly­se von Funk­tio­nen und Leis­tungs­grö­ßen die Lücken des ei­ge­nen Pro­dukts auf Teil­funk­ti­ons­ebe­ne ana­ly­sie­ren und auf die zu­ge­hö­ri­gen Funk­ti­ons­trä­ger zu­rück­füh­ren. Die ei­ge­nen Lö­sungs­an­sät­ze wer­den mit den Best­lö­sun­gen des je­wei­li­gen Wett­be­wer­bers ver­g­li­chen, zu­sam­men mit dem Ver­such, die Ein­zel­kon­zep­te über kurz oder lang mit dem ei­ge­nen Pro­dukt­kon­zept ab­zu­glei­chen. Da­mit er­gibt sich ein Weg, ge­stützt auf un­ter­neh­mensin­tern ver­füg­ba­res Ex­per­ten­wis­sen, neue Pro­duk­te, Ab­läu­fe und Struk­tu­ren zu schaf­fen und neue Zu­lie­fe­rer für Ein­kaufs­tei­le zu fin­den. Al­len ein­zel­nen Be­tei­lig­ten bie­tet die Pro­dukt­kli­nik Mög­lich­kei­ten, Lern­pro­zes­se zu durch­lau­fen, die durch me­tho­di­sche Auf­be­rei­tung in einen das gan­ze Un­ter­neh­men über­grei­fen­den Lern­pro­zeß mün­den.
Die Pro­dukt­kli­nik als Lern­in­stanz
Die Ana­ly­se von Pro­duk­ten und Pro­zes­sen der Wett­be­wer­ber wird in vie­len Un­ter­neh­men durch­ge­führt, doch meist nur ver­streut in den ver­schie­de­nen Funk­ti­ons­be­rei­chen. So wird etwa der Ver­trieb täg­lich dem kon­fron­tiert, was die Kon­kur­renz leis­tet, be­kommt der Ein­kauf in­di­rek­te In­for­ma­tio­nen durch Lie­fe­ran­ten, die auch mit Mit­be­wer­bern im Ge­schäft sind, über­wie­gend ge­fil­tert und auf das be­zo­gen, was im Ein­zel­fall spe­zi­ell in­ter­es­siert. Da­bei han­delt es sich um sub­jek­tiv ge­färb­te, oft nicht quan­ti­fi­zier­te Be­ob­ach­tun­gen, die un­ter­neh­mensin­tern sel­ten wei­ter­ge­ge­ben oder ziel­ge­rich­tet ge­nutzt, ja manch­mal so­gar für Schuld­zu­wei­sung miß­braucht wer­den. Sol­che ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen gilt es nicht nur zu ver­mei­den, son­dern Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen, da­mit auch der ex­ter­ne Zu­fluß an Wis­sen zum in­ter­nen Ler­ner­folg bei­trägt. Und dazu ge­hört ei­ni­ges: die De­fi­ni­ti­on des Un­ter­su­chungs­ge­gen­stands und -um­fangs so­wie eine von al­len Be­tei­lig­ten ak­zep­tier­te Vor­ge­hens­wei­se zur Aus­wer­tung der Er­geb­nis­se. Der in­sti­tu­tio­nei­len Ver­an­ke­rung die­ses Lern­kon­zepts dient die Pro­dukt­kli­nik.
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