Wer­te­ba­lan­cier­te Un­ter­neh­mens­füh­rung

HBM 5/2002

Was hat Be­stand nach all dem Auf und Ab der Ma­na­ge- ment-Mo­den im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt, wenn die Er­fah­run­gen der Bes­ten ge­sich­tet wer­den? Was muss in ei­ner wis­sens­ba­sier­ten Öko­no­mie stra­te­gisch neu ge­dacht, ope­ra­tiv an­ders an­ge­packt und nicht zu­letzt auch an den Ka­pi­tal­märk­ten neu be­wer­tet wer­den? Wie könn­te es ge­lin­gen, Un­ter­neh­mens­wert und un­ter­neh­me­ri­sche Leit­wer­te, die Quan­ti­tät der Be­zü­ge und die Qua­li­tät der Be­zie­hun­gen, öko­no­mi­sche Ef­fi­zi­enz und Nach­hal­tig­keit bes­ser aus­zu­ba­lan­cie­ren und wirk­lich in­te­griert zu ge­stal­ten? Der Au­tor plä­diert für ein er­wei­ter­tes Stra­te­gie- und Füh­rungs­ver­ständ­nis, mit dem den im­ma­te­ri­el­len Wer­ten und qua­li­ta­ti­ven Fak­to­ren mehr Auf­merk­sam­keit ge­schenkt und die star­re, un­zeit­ge­mäß ge­wor­de­ne Tren­nung zwi­schen Un­ter­neh­mens­rech­nung und Un­ter­neh­men­s­ent­wick­lung über­wun­den wird.
Um es gleich auf den Punkt zu brin­gen: Das Kon­zept ei­ner strikt und aus­schließ­lich auf den Un­ter­neh­mens­wert zie­len­den Un­ter­neh­mens­füh­rung hat sei­ne bes­te Zeit ver­mut­lich hin­ter sich. Das theo­re­ti­sche Fun­da­ment ist brü­chig ge­wor­den und wird in der Pra­xis durch äu­ße­re Ein­flüs­se und in­ne­re Wi­der­sprü­che im­mer wei­ter un­ter­höhlt. Ge­wiss, das Share­hol­der-Va­lue-Mo­dell er­leb­te einen be­ein­dru­cken­den Sie­ges­zug. Aber in jüngs­ter Zeit meh­ren sich ge­wich­ti­ge Ge­gen­stim­men, die die stra­te­gi­sche Eng­füh­rung des Mo­dells kri­ti­sie­ren, sei­nen Ab­so­lut­heits­an­spruch nicht län­ger to­le­rie­ren und sei­ne Rea­li­täts­taug­lich­keit in Fra­ge stel­len.
Da­bei wird kei­nes­wegs be­strit­ten, dass die Ziel­set­zung für Un­ter­neh­men, lang­fris­tig Wert zu schaf­fen be­zie­hungs­wei­se den An­teil des Ei­gen­ka­pi­tals am Un­ter­neh­mens­wert zu er­hö­hen, grund­sätz­lich be­rech­tigt ist. Zur De­bat­te steht viel­mehr die Ein­sei­tig­keit und Le­bens­fremd­heit der Ziel­for­mu­lie­rung, die den mehr­di­men­sio­na­len Steue­rungs­auf­ga­ben ei­ner zeit­ge­mä­ßen Un­ter­neh­mens­füh­rung nicht ent­spricht. Nach­drück­lich be­zwei­felt wird, ob es ei­gent­lich sinn­voll sein kann, eine kom­ple­xe Or­ga­ni­sa­ti­on in das Sche­ma ei­nes un­ter­kom­ple­xen Mo­dells zu pres­sen, von dem in­zwi­schen selbst sei­ne ve­he­men­tes­ten Für­spre­cher zu­ge­ben müs­sen, dass es in der Hand­ha­bung höchst kom­pli­ziert ist (sie­he Afra/Aders 2001, Haspes­lagh et al. 2002).
Al­ler­dings soll­te im Fort­gang die­ser Dis­kus­si­on nun nicht die eine Ein­sei­tig­keit durch eine an­de­re er­setzt wer­den. Dar­um wird hier für ein „So­wohl als auch“ plä­diert, für eine be­wuss­te Zu­sam­men­füh­rung der ma­te­ri­el­len „Wert-Ori­en­tie­rung“ mit ei­ner im­ma­te­ri­el­len „Wer­te-Ori­en­tie­rung“ - mit Blick auf den Un­ter­neh­mens­zweck, die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung so­wie die Ge­stal­tung der Steue­rungs­sys­te­me. Es ist an der Zeit, das Ver­hält­nis zwi­schen Un­ter­neh­mens­wert und be­stimm­ten Un­ter­neh­mens­wer­ten im Sin­ne ei­ner „Wer­te­ba­lan­cier­ten Un­ter­neh­mens­füh­rung“ (Ba­lan­ced Va­lues Ma­na­ge­ment) neu zu be­stim­men. Wir müs­sen „das An­de­re den­ken ler­nen“. Da­bei be­steht die Auf­ga­be nicht dar­in, et­was völ­lig Neu­es zu er­fin­den. Viel­mehr gilt es, an vor­han­de­ne Er­kennt­nis­se und Er­fah­run­gen an­zu­schlie­ßen, aber die­se auf der Ebe­ne der stra­te­gi­schen Un­ter­neh­mens­füh­rung neu zu ver­knüp­fen.

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