Paßt Ihr Unternehmen zur Software?

HBM 1/1999

Die Ent­wick­lung von Un­ter­neh­mens­soft­wa­re war ein großer Schritt nach vorn. Da­mit steu­ern nicht mehr vie­le ver­schie­de­ne - und oft un­ter­ein­an­der in­kom­pa­ti­ble - Pro­gram­me die Be­trie­b­sab­läu­fe, son­dern es ar­bei­tet ein ein­zi­ges Sys­tem. Die­ses lenkt die In­for­ma­ti­ons­flüs­se in ge­ord­ne­te Bah­nen. Und die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand: So­fort zu­gäng­li­che In­for­ma­tio­nen aus al­len Ge­schäfts­be­rei­chen, kei­ne um­ständ­li­chen Ak­tua­li­sie­run­gen, schnel­le­re Be­ar­bei­tung, mehr Ef­fek­ti­vi­tät im gan­zen Un­ter­neh­men. Doch die Pra­xis zeigt all­zu­oft, daß sol­che An­wen­dungs­soft­wa­re auch Ge­fah­ren birgt. Sie kos­tet nicht nur viel Geld, son­dern zwingt dem Un­ter­neh­men ihre ei­ge­ne Lo­gik auf. Im­mer öf­ter kur­sie­ren Hor­ror­ge­schich­ten von Ma­na­gern, die ih­ren Un­ter­neh­men über­eilt ein An­wen­dungs­sys­tem über­stülp­ten und dann fest­stel­len muß­ten, daß Un­ter­neh­men und Soft­wa­re nicht zu­ein­an­der pas­sen. Der Au­tor wägt Vor- und Nach­tei­le ab; und er schil­dert, wel­che schwe­ren Stö­run­gen Un­ter­neh­mens­soft­wa­re ver­ur­sa­chen kann. Sein Rat: Vor der An­schaf­fung ei­nes sol­chen Com­pu­ter­sys­tems müs­sen Ma­na­ger sich sehr ge­nau über­le­gen, was sie er­rei­chen wol­len und was nicht. An­dern­falls wird bald nicht das Un­ter­neh­men die Soft­wa­re, son­dern die Soft­wa­re das Un­ter­neh­men kon­trol­lie­ren.
Es scheint, als sei mit der Ent­wick­lung von Un­ter­neh­mens­soft­wa­re ein Traum wahr­ge­wor­den. Fi­nanz- und Rech­nungs­we­sen, Per­so­nal­ver­wal­tung, Zu­lie­fe­rer- und Kun­den­da­ten - all die In­for­ma­ti­ons­flüs­se im Un­ter­neh­men, so ver­spre­chen die Pro­gram­man­bie­ter, kön­nen naht­los zu­sam­men­ge­führt wer­den. Eine ein­zi­ge Lö­sung von der Stan­ge, die alle Pro­ble­me der Ge­schäftspro­ze­ßin­te­gra­ti­on löst - welch ver­füh­re­ri­sche Vor­stel­lung für Ma­na­ger, die viel Geld und Är­ger dar­auf ver­wen­det ha­ben, sich mit in­kom­pa­ti­blen EDV-Sys­te­men her­um­zu­schla­gen, die nicht ein­mal zu den üb­li­chen Ar­beits­wei­sen in der Fir­ma pas­sen. Kein Wun­der also, daß die Un­ter­neh­men vor den Tü­ren der Soft­wa­re­ent­wick­ler Schlan­ge ste­hen. Der Um­satz des größ­ten An­bie­ters, SAP in Deutsch­land, schnell­te zwi­schen 1992 und 1997 von 500 Mil­lio­nen auf an­nä­hernd 3,3 Mil­li­ar­den Dol­lar hoch. Auch die Kon­kur­ren­ten Baan, Oracle und Peop­le­Soft ver­zeich­ne­ten einen er­heb­li­chen Nach­fra­ge­zu­wachs. Es wird ge­schätzt, daß Un­ter­neh­men in der gan­zen Welt in­zwi­schen zehn Mil­li­ar­den Dol­lar pro Jahr für An­wen­dungs­soft­wa­re aus­ge­ben - oder ERP(enterprise re­sour­ce plan­ning)-Sys­te­me, wie sie üb­li­cher­wei­se ge­nannt wer­den. Rech­net man die da­mit ver­bun­de­nen Be­ra­tungs­ho­no­ra­re ein, so ver­dop­pelt sich die­se Zahl wohl noch. Auch wenn die Ver­brei­tung des In­ter­net in den ver­gan­ge­nen Jah­ren den Haupt­teil der Me­di­en­auf­merk­sam­keit auf sich zog - die wich­tigs­te Ent­wick­lung in der ge­schäft­li­chen Nut­zung von In­for­ma­ti­ons­tech­nik der 90er Jah­re war si­cher die stei­gen­de Be­liebt­heit der An­wen­dungs­soft­wa­re. Aber wer­den ERP-Sys­te­me den Er­war­tun­gen der Un­ter­neh­men über­haupt ge­recht? Die im­mer häu­fi­ger kur­sie­ren­den Schre­ckens­mel­dun­gen über ge­schei­ter­te oder au­ßer Kon­trol­le ge­ra­te­ne Pro­jek­te soll­ten Ma­na­gern zu den­ken ge­ben. Fox­Mey­er Drug ist über­zeugt, sei­ne Un­ter­neh­mens­soft­wa­re habe dazu bei­ge­tra­gen, das Un­ter­neh­men in den Bank­rott zu trei­ben. Mo­bil Eu­ro­pe gab Hun­der­te Mil­lio­nen Dol­lar für sein EDV-Sys­tem aus, nur um es wie­der ab­zu­schaf­fen, nach­dem sein Fu­si­ons­part­ner Pro­test ein­ge­legt hat­te. Dell Com­pu­ter muß­te fest­stel­len, daß sein Sys­tem nicht zu sei­nem neu­en, de­zen­tra­li­sier­ten Ma­na­ge­ment­mo­dell paß­te. Ap­p­lied Ma­te­ri­als ka­pi­tu­lier­te vor den enor­men or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ver­än­de­run­gen, die das neue Sys­tem mit sich brach­te. Dow Che­mi­cal in­ves­tier­te sie­ben Jah­re und fast eine hal­be Mil­li­ar­de Mark in die Ein­rich­tung ei­nes Groß­rech­ner­sys­tems. Jetzt hat das Un­ter­neh­men be­schlos­sen, statt des­sen mit ei­ner Cli­ent-Ser­ver-Ar­chi­tek­tur noch ein­mal ganz neu an­zu­fan­gen.
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