Integrierte Kostensysteme - Verheißung und Gefahr zugleich

HBM 1/1999

Das ent­schei­dungs­ori­en­tier­te Rech­nungs­we­sen ist aus­ge­reift. Es hilft Füh­rungs­kräf­ten, jene In­for­ma­tio­nen zu er­hal­ten, die sie brau­chen, um rich­ti­ge stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Der Res­sour­cen­pla­nung dient heu­te eine Un­ter­neh­mens­soft­wa­re, mit der sich ope­ra­ti­ve Kos­ten­kon­troll-, Fi­nanz­be­richts­sys­te­me und Pro­zeß­kos­ten­rech­nung zu in­te­grier­ten Kos­ten­sys­te­men ver­knüp­fen las­sen. Ne­ben großen In­for­ma­ti­ons­vor­tei­len birgt das auch Ri­si­ken, weil Kos­ten­über­wa­chung rück­wärts und Pro­zeß­kos­ten­rech­nung vor­wärts ge­rich­tet be­trie­ben wird. Zu­dem stel­len bei­de an Da­ten­ge­nau­ig­keit und -ak­tua­li­tät un­ter­schied­li­chen An­sprü-che. Der rei­che Fluß an kos­ten­re­le­van­ten In­for­ma­tio­nen kann zu falschen Ent­schei­dun­gen füh­ren. Wer­den etwa in das Teil­sys­tem Pro­zeß­kos­ten­rech­nung ech­te Kos­ten­da­ten an­stel­le von Stan­dard­kos­ten ein­ge­speist, so kann das Ren­ta­bi­li­täts­ur­teil über Pro­duk­te oder Kun­den ge­fähr­lich ver­zerrt wer­den. Da­her müs­sen Ma­na­ger ler­nen, die Bau­stei­ne des in­te­grier­ten Kos­ten­sys­tems sorg­sam zu ver­bin­den und alle In­for­ma­tio­nen über­legt ab­zu­glei­chen.
Heu­te ver­fü­gen Ent­schei­dungs­trä­ger über eine nie da­ge­we­se­ne Fül­le an Fi­nanz- und Kos­te­n­in­for­ma­tio­nen: Auf der einen Sei­te sor­gen be­trieb­li­che Lern- und Über­wa­chungs­sys­te­me in rei­chem Maße für öko­no­mi­sches Feed­back über die Ef­fi­zi­enz der Ge­schäftspro­zes­se. Auf der an­de­ren Sei­te gibt es Ac­ti­vi­ty-Ba­sed Cost Sys­tems, also Pro­zeß­kos­ten­rech­nun­gen (PKR), die den Ma­na­gern ver­ste­hen hel­fen, wie es um die Ren­ta­bi­li­tät ein­zel­ner Pro­duk­te und Kun­den be­stellt ist, und die ver­deut­li­chen, an wel­chen Stel­len Ab­läu­fe drin­gend ver­bes­sert wer­den müs­sen.
Jetzt ver­hei­ßen Soft­wa­re­sys­te­me zur Res­sour­cen­pla­nung die In­te­gra­ti­on die­ser bei­den Kos­ten­rech­nungs­sys­te­me. Die Pla­ner wer­den on­li­ne mit Echt­zei­t­in­for­ma­ti­on be­lie­fert, so daß sie nicht mehr auf die üb­li­chen mo­nat­li­chen Kos­ten­be­rich­te an­ge­wie­sen sind. Ma­na­ger sind nun bei­spiels­wei­se in der Lage, täg­li­che On­li­ne-Be­rich­te zu emp­fan­gen, die sie bei­spiels­wei­se über die Kos­ten spe­zi­fi­scher Ge­schäftspro­zes­se oder die Echt­zeit-Ren­ta­bi­li­tät von ein­zel­nen Pro­duk­ten oder Kun­den in­for­mie­ren. Die­se neu­en Mög­lich­kei­ten ver­hei­ßen, daß Kos­ten­ex­per­ten nicht län­ger im hin­te­ren Teil des Un­ter­neh­mens­schiffs ste­hen und von dort aus ver­spä­te­te Be­rich­te über den bis­he­ri­gen Ver­lauf der Rei­se lie­fern wer­den. Viel­mehr wer­den sie ne­ben dem Ka­pi­tän auf der Kom­man­do­brücke ste­hen und mit Echt­zeit-Kos­te­n­in­for­ma­tio­nen dazu bei­tra­gen, das Schiff in die Zu­kunft zu steu­ern. Füh­rungs­kräf­te wer­den ver­sucht sein, sich in Sys­te­min­te­gra­ti­on zu stür­zen. Die Hand­ha­be dazu lie­fert die heu­ti­ge In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie, und de­ren An­bie­ter und die Be­ra­ter er­mun­tern kräf­tig dazu, in die­se Rich­tung vor­zu­ge­hen. Zwar trifft es zu, daß in­te­grier­te Kos­ten­sys­te­me viel­ver­spre­chen­de Mög­lich­kei­ten be­sit­zen, aber sie ber­gen zu­gleich eine große Ge­fahr. Man­che Echt­zeit-Kos­te­n­in­for­ma­tio­nen wer­den von ho­hem Nut­zen sein, doch ei­ni­ge an­de­re wer­den auch Kon­fu­si­on ver­ur­sa­chen und zu Irr­tü­mern füh­ren, in­dem sie In­for­ma­tio­nen lie­fern, die weit we­ni­ger ex­akt sind als die bis­lang ge­wohn­ten. Statt der Kos­ten­sys­te­me, die ein­mal im Mo­nat oder ein­mal im Jahr ver­zerr­te In­for­ma­tio­nen lie­fern, steckt in in­te­grier­ten Kos­ten­sys­te­men die Ge­fahr, Tag für Tag ver­zerr­te In­for­ma­tio­nen her­vor­zu­brin­gen.
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