Wissen - die Trumpfkarte der entwickelten Länder

HBM 4/1998

Na­tür­lich ist auf Pro­gno­sen we­nig Ver­laß. An ei­ner Zu­kunfts­aus­sicht in­des läßt sich nicht rüt­teln: In den ent­wi­ckel­ten Län­dern Eu­ro­pas und Nord­ame­ri­kas so­wie in Ja­pan fällt der Kin­der­se­gen auch künf­tig kärg­lich aus, und die Über­al­te­rung wird noch wei­ter zu­neh­men. Das sind de­mo­gra­phi­sche Tat­be­stän­de, die in den kom­men­den Jahr­zehn­ten die ge­sell­schaft­li­che und öko­no­mi­sche Ent­wick­lung die­ser Län­der maß­geb­lich be­ein­flus­sen wer­den. Aber was hilft ge­gen das wach­sen­de Un­gleich­ge­wicht bei den Ar­beitsres­sour­cen? Um nicht ins Hin­ter­tref­fen zu ge­ra­ten, müs­sen sich die Län­der der ent­wi­ckel­ten Welt, so Dru­cker, weit stär­ker als bis­her be­mü­hen, Wis­sen und Wis­sens­ar­beit pro­duk­ti­ver zu ma­chen - ein­zig dar­in läge die Chan­ce, der üb­ri­gen Welt ge­gen­über einen nach­hal­ti­gen kom­pa­ra­ti­ven Wett­be­wer­bs­vor­teil zu er­rin­gen.
Wenn es um die Ge­schi­cke der Men­schen geht - ob in po­li­tisch-so­zia­ler oder wirt­schaft­li­cher Hin­sicht - bringt es nichts, die Zu­kunft vor­aus­sa­gen zu wol­len, ganz zu schwei­gen von dem Ver­such , so­gar 75 Jah­re vor­aus­zu­se­hen. Al­ler­dings ist es mög­lich - und nütz­lich -, Großer­eig­nis­se zu be­stim­men, die be­reits un­wi­der­ruf­lich statt­ge­fun­den ha­ben und die sich auf die kom­men­den ein oder zwei Jahr­zehn­te auf ab­schätz­ba­re Wei­se aus­wir­ken wer­den. Die Zu­kunft, die so­zu­sa­gen schon ge­sche­hen ist, läßt sich also durch­aus er­ken­nen, und es läßt sich so­gar ent­spre­chen­de Vor­sor­ge tref­fen.
Was be­deu­tet das? Aus­schlag­ge­bend für die ge­schäft­li­che Lage in den nächs­ten bei­den Jahr­zehn­ten wird nicht sein - wenn wir ein­mal vom Ein­tre­ten sol­cher Er­eig­nis­se wie Krieg, Pest oder Kol­li­si­on mit ei­nem Ko­me­ten ab­se­hen -, was sich in Wirt­schaft oder Tech­nik voll­zieht, son­dern ein­zig und al­lein die de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lung. Und hier wie­der­um geht es pri­mär nicht um die Über­völ­ke­rung der Welt, vor der man uns in den zu­rück­lie­gen­den 40 Jah­ren im­mer aufs Neue ge­warnt hat. Was den Gang der Din­ge vor al­lem prä­gen wird ist die zu­neh­men­de Un­ter­be­völ­ke­rung der ent­wi­ckel­ten Län­der - in Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka so­wie in Ja­pan. Of­fen­bar ist die ent­wi­ckel­te Welt drauf und dran, kol­lek­ti­ven Selbst­mord zu be­ge­hen, denn hier wer­den ein­fach nicht ge­nug Kin­der ge­bo­ren, da­mit sich die Be­völ­ke­rung re­pro­du­ziert. Der Grund liegt auf der Hand: Die jun­gen Er­wer­bs­tä­ti­gen in den ent­wi­ckel­ten Län­dern se­hen sich über­for­dert an­ge­sichts der Bür­de, die die Un­ter­stüt­zung ei­ner wach­sen­den Zahl äl­te­rer, nicht mehr ar­bei­ten­der Men­schen be­deu­tet. Um die­se zu­neh­men­de Be­las­tung er­träg­lich zu ma­chen, spa­ren sie, und zwar am an­de­ren Ende des Spek­trums ab­hän­gi­ger Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ger: Sie le­gen sich we­ni­ger Kin­der zu oder ver­zich­ten auf sie über­haupt. Al­lein in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten reicht die Zahl der Ge­bur­ten, die bei etwa 2,4 pro Frau liegt, ge­ra­de aus, um den der­zei­ti­gen Be­völ­ke­rungs­stand auf­recht­zu­er­hal­ten; al­ler­dings liegt die Ge­bur­ten­ra­te bei den ge­bür­ti­gen US-Ame­ri­ka­ne­rin­nen weit un­ter­halb der Re­pro­duk­ti­ons­ra­te ins­ge­samt. In Süd­eu­ro­pa - Grie­chen­land, Ita­li­en, Por­tu­gal, Spa­ni­en - über­steigt die Ge­bur­ten­zif­fer mal ge­ra­de den Wert 1. So ist es auch kein Zu­fall, daß in die­sen Län­dern das Ren­ten­al­ter be­son­ders nied­rig liegt und die Al­ters­be­zü­ge be­son­ders hoch sind. In Deutsch­land und Ja­pan liegt die Ge­bur­ten­zif­fer bei 1,5. In al­len sechs Län­dern hat die Be­völ­ke­rung ih­ren zah­len­mä­ßi­gen Höchst­stand er­reicht und nimmt nun stän­dig ab. Auch die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wür­den einen Be­völ­ke­rungs­rück­gang ver­zeich­nen, wenn es nicht die mas­si­ve Zu­wan­de­rung aus Asi­en und aus den süd­ame­ri­ka­ni­schen Län­dern gäbe.
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