Kultur: Der Stoff, der Unternehmen zusammenhält

HBM 2/1997

Je­des Un­ter­neh­men hat sei­ne Kul­tur. Sie kann zum Kitt wer­den, wenn Hier­ar­chie­ab­bau, De­zen­tra­li­sie­rung oder Down­si­zing die al­ten Bin­dun­gen auf­zu­lö­sen dro­hen. Be­stimmt wird jede Kul­tur von den Fak­to­ren So­zia­bi­li­tät und So­li­da­ri­tät. Nimmt die So­zia­bi­li­tät im Lauf der Trans­for­ma­ti­on des Un­ter­neh­mens Scha­den, lei­det das Zu­sam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl der Be­trie­bs­an­ge­hö­ri­gen. Schwin­det der Geist der So­li­da­ri­tät, wird das Den­ken und Han­deln nicht mehr fest auf das ge­mein­sa­me Ziel hin aus­ge­rich­tet blei­ben. Wahr­schein­lich las­sen sich bei­de Fak­to­ren in ei­ner Un­ter­neh­mens- ge­mein­schaft nie­mals gleich stark ent­wi­ckeln, denn das ge­schäft­li­che Um­feld ist von Un­ter­neh­men zu Un­ter­neh­men ver­schie­den. Die Ver­fas­ser stel­len hier vier ge­gen- sätz­li­che Kul­tur­ty­pen vor. Es kommt dann auf den kon­kre­ten Fall an, wel­cher Typ sich für die Be­dürf­nis­se ei­nes Un­ter­neh­mens - an­ge­sichts Um­feld, Stra­te­gie, Tra­di­ti­on, so-zia­ler Ver­pflich­tung et ce­te­ra - je­weils am ehe­s­ten eig­net. Stets muss die Un­ter­neh­mens­füh­rung prü­fen, ob die der­zei­ti­ge Kul­tur noch den ge­ge­be­nen Wett­be­wer­bs- und Leis­tungs­an­sprü­chen ge­recht wird.
Die Un­ter­neh­men wer­den über­schwemmt mit dem Ge­re­de über Un­ter­neh­mens­kul­tur - aus gu­ten Grün­den. Kul­tur ist zu ei­nem wirk­sa­men In­stru­ment ge­wor­den, das ein Un­ter­neh­men trotz des An­sturms sol­cher Zer­falls­kräf­te wie De­zen­tra­li­sie­rung, Aus­dün­nung und Schrump­fung zu­sam­men­hält. Gleich­zei­tig er­wei­sen sich die her­kömm­li­chen In­te­gra­ti­ons­me­cha­nis­men wie Hier­ar­chi­en oder stren­ge Kon­troll­sys­te­me als zu kos­ten­träch­tig und in­ef­fek­tiv.
Die Kul­tur bleibt dann das, wor­auf sich die Iden­ti­tät ei­nes Un­ter­neh­mens als ein­heit­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on stüt­zen kann. Ohne Kul­tur fehlt es ei­nem Un­ter­neh­men an Wer­ten, Aus­rich­tung und Zweck. Aber zählt das denn? Die Ant­wort be­kom­men Sie, wenn Sie sich ein be­lie­bi­ges Un­ter­neh­men mit ei­ner star­ken Kul­tur an­se­hen und es mit ei­ner an­de­ren Kul­tur ver­glei­chen.
Doch was heisst Un­ter­neh­mens­kul­tur? Oder viel­leicht noch wich­ti­ger: Gibt es für je­des Un­ter­neh­men eine rich­ti­ge Kul­tur? Und wenn die­se Fra­ge ver­neint wer­den muss - wo­von wir über­zeugt sind -, wie kann ein Un­ter­neh­mens­chef eine Kul­tur ver­än­dern? Um die­se drei Fra­gen soll es hier ge­hen. In ei­nem Wort be­deu­tet Kul­tur Ge­mein­schaft. Sie er­gibt sich dar­aus, wie Men­schen zu­ein­an­der ste­hen.
Ge­mein­schaf­ten gibt es in der Ar­beits­welt ge­nau­so wie aus­ser­halb. Wie Fa­mi­li­en, Dör­fer, Schu­len oder Ver­ei­ne be­ru­hen auch Un­ter­neh­men auf Mus­tern so­zia­ler In­ter­ak­ti­on, die sie auf Dau­er er­hal­ten oder zer­stö­ren. Die­se Ver­hal­tens­mus­ter ge­hen zu­rück auf ge­mein­sa­me In­ter­es­sen und wech­sel­sei­ti­ge Ver­pflich­tun­gen und ge­dei­hen durch Ko­ope­ra­ti­on und Freund­schaf­ten. Weil dies al­len Ge­mein­schaf­ten ge­mein­sam ist, glau­ben wir, dass die Kul­tur ei­nes Un­ter­neh­mens am bes­ten zu ver­ste­hen ist, wenn sie aus dem Blick­win­kel be­trach­tet wird, der sich in der So­zio­lo­gie zum Stu­di­um mensch­li­cher Or­ga­ni­sa­tio­nen seit bei­na­he 150 Jah­ren be­währt hat. So­zio­lo­gen un­ter­schei­den bei ei­ner Ge­mein­schaft zwi­schen zwei cha­rak­te­ris­ti­schen For­men mensch­li­cher Be­zie­hun­gen: So­zia­bi­li­tät und So­li­da­ri­tät. Kurz ge­sagt stellt So­zia­bi­li­tät ein Mass für die Freund­lich­keit zwi­schen den Mit­glie­dern ei­ner Ge­mein­schaft dar; So­li­da­ri­tät ist ein Mass für die Fä­hig­keit ei­ner Ge­mein­schaft, ge­mein­sa­me Zie­le, un­ab­hän­gig von per­sön­li­chen Bin­dun­gen, rasch und ef­fek­tiv zu ver­fol­gen. Die­se bei­den Ka­te­go­ri­en mö­gen auf den ers­ten Blick nicht zu­rei­chend er­schei­nen, um die gan­ze Brei­te mensch­li­cher Ver­hal­tens­wei­sen zu er­fas­sen. Aber sie ha­ben sich theo­re­tisch wie prak­tisch als bes­tens ge­eig­net er­wie­sen.
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