Globale Megafusionen - ökonomisch nur selten zwingend geboten

HBM 1/2001

Vie­le Un­ter­neh­mens­len­ker hal­ten die Ma­xi­me „Big­ger is bet­ter“ für rich­tig. Aber stimmt die zu­grun­de­lie­gen­de The­se über­haupt, dass mit der Glo­ba­li­sie­rung in vie­len Bran­chen nur we­ni­ge, star­ke Markt­füh­rer über­le­ben wer­den? Wirt­schafts­ge­schich­te und Sta­tis­tik zeich­nen ein an­de­res Bild. Da­nach muss die Kon­zen­tra­ti­on we­der im­mer wei­ter vor­an­schrei­ten noch muss sich wach­sen­de Grö­ße für ein Un­ter­neh­men un­be­dingt aus­zah­len. Ge­ra­de spek­ta­ku­lä­re Fu­sio­nen und Über­nah­men ha­ben oft nicht den er­hoff­ten Er­folg ge­bracht, wohl aber ne­ga­ti­ve Fol­gen. Doch da­von un­be­irrt er­lie­gen Top­ma­na­ger ein ums an­de­re Mal dem Grö­ßen­wahn und zim­mern an im­mer grö­ße­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen. Aber wie em­pi­ri­sche Stu­di­en zei­gen, hat die Zahl der An­bie­ter an wich­ti­gen Märk­ten - der Kon­zen­tra­ti­ons­wel­le zum Trotz - oft so­gar zu­ge­nom­men. Es scheint da­her ge­recht­fer­tigt, sich dem Trend zur Über­grö­ße zu ver­wei­gern. An bes­se­ren ge­schäftss­tra­te­gi­schen Al­ter­na­ti­ven zu den öko­no­misch meist frag­wür­di­gen Me­ga­zu­sam­menschlüs­sen fehlt es je­den­falls nicht.
Vie­le Füh­rungs­kräf­te glau­ben, es sei für ihr Un­ter­neh­men in ei­ner sich glo­ba­li­sie­ren­den Wirt­schaft gut, mög­lichst groß zu sein. Kaum ver­geht ein Tag, an dem auf den Ti­tel­sei­ten des „Wall Street Jour­nal“ oder der „Fi­nan­ci­al Ti­mes“ nicht eine wei­te­re Rie­sen­fu­si­on an­ge­kün­digt wird. Un­ter­neh­men schei­nen sich so oft zu­sam­men­zu­schlie­ßen wie nie zu­vor in der Wirt­schafts­ge­schich­te - und das in glo­ba­lem Maß­stab.
In der Öl­in­dus­trie ge­hen nun Ex­xon und Mo­bil zu­sam­men, ganz zu schwei­gen von dem Deal, mit dem Bri­tish Pe­trol (BP) mit Amo­co und At­lan­tic Rich­field fu­sio­nier­te. In der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ta­ten sich Daim­ler-Benz und Chrys­ler zu­sam­men, Ford über­nahm den Be­reich Pkw von Vol­vo, und Renault er­warb einen be­deu­ten­den Ka­pi­talan­teil an Nissan. Ähn­li­che Groß­fu­sio­nen fan­den in so un­ter­schied­li­chen Bran­chen statt wie Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on, Un­ter­hal­tung, Fi­nanz­diens­te, Er­fri­schungs­ge­trän­ke und selbst Ze­ment.
Trieb­kraft bei die­sen ge­wal­ti­gen - und kost­spie­li­gen - grenz­über­schrei­ten­den Trans­ak­tio­nen ist die Über­zeu­gung, dass sich In­dus­tri­en in­fol­ge der glo­ba­le­ren Märk­te un­ver­meid­lich im­mer mehr kon­zen­trie­ren müs­sen. Aber Beu­te wür­den, so die An­nah­me, in je­der Bran­che nur ei­ni­ge we­ni­ge Un­ter­neh­men ma­chen. Wer zu den Ge­win­nern ge­hö­ren wol­le, so der Glau­be in vie­len Chef­e­ta­gen, müs­se sich Grö­ßen­vor­tei­le in Pro­duk­ti­on, Ver­mark­tung so­wie For­schung und Ent­wick­lung si­chern.
So hof­fen die Un­ter­neh­men, po­ten­zi­el­le Mit­be­wer­ber ab­schre­cken und sich er­folg­reich neue Märk­te si­chern zu kön­nen. Aus die­ser Per­spek­ti­ve be­trach­tet er­schei­nen frei­lich trans­na­tio­na­le Fu­sio­nen als eine Sa­che, bei der es um Sein oder Nicht­sein geht. Wer über­le­ben will - von Wach­sen ganz ab­ge­se­hen -, muss dem­nach zu den welt­größ­ten Spie­lern ge­hö­ren. Die­se Vor­stel­lung hat eine lan­ge Tra­di­ti­on. Schon vor mehr als hun­dert Jah­ren schrieb Karl Marx: „Ein Ka­pi­ta­list bringt im­mer vie­le an­de­re um“ und mein­te da­mit, die Zahl der Ka­pi­ta­lis­ten wer­de stän­dig sin­ken und am Ende al­les mo­no­po­li­siert sein. Die Leh­re geis­tert be­harr­lich durchs Ge­schäfts­le­ben, wenn auch meist in we­ni­ger bös­ar­ti­ge Be­grif­fe ge­fasst als bei Marx. In den 70er Jah­ren ver­kün­de­te Bru­ce Hen­der­son, Grün­der der Ma­na­ge­ment­be­ra­tung Bo­ston Con­sul­ting Group, sei­ne be­rühmt ge­wor­de­ne Drei­er­re­gel: An ei­nem sta­bi­len Wett­be­wer­bs­markt gibt es nie mehr als drei be­deu­ten­de Kon­kur­ren­ten.
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