Life-Science: Ein neuer, mächtiger Wirt­schafts­zweig entsteht

HBM 5/2000

Com­pu­ter und In­ter­net ha­ben Wirt­schaft und Ge­sell­schaft nach­hal­tig ver­än­dert. Jetzt hat es den An­schein, als ob die ak­tu­el­len bio-wis­sen­schaft­li­chen Durch­brü­che - ins­be­son­de­re in der Gen­tech­nik - zu ver­gleich­bar großen Um­wäl­zun­gen füh­ren. Schon ha­ben sich Groß­che­mie, Phar­maun­ter­neh­men, Saat­gut­her­stel­ler und Agrar­be­trie­be un­ter dem Dach ge­mein­sa­mer Geschäftsinteressen  zu­sam­men­ge­fun­den. Zwi­schen bis­her ge­trenn­ten Bran­chen lö­sen sich die tra­di­tio­nel­len Gren­zen auf; man­che Bran­chen ver­schmel­zen mit an­de­ren oder ver­schwin­den so­gar ganz. Der Über­gang zu dem neu­en Wirt­schafts­sek­tor „Life-Science- In­dus­try“ ist in vol­lem Gan­ge - be­glei­tet von ge­wal­ti­gen stra­te­gi­schen, or­ga­ni­sa­to­ri­schen wie fi­nan­zi­el­len An­stren­gun­gen. Vor­erst sto­ßen spe­zi­ell gen­tech­nisch ver­än­der­te Nah­rungs­mit­tel bei den Ver­brau­chern auf we­nig Bei­fall und Zu­spruch, mehr auf Ängs­te und Pro­tes­te. Die in­vol­vier­ten Un­ter­neh­men müs­sen für sol­che Pro­duk­te mehr Ak­zep­tanz er­rei­chen, sonst wer­den we­der sie noch die neue In­dus­trie im gan­zen pro­spe­rie­ren kön­nen.
Im Jah­re 1990 star­te­te die US-Re­gie­rung das größ­te und ehr­gei­zigs­te bio­lo­gi­sche For­schungs­pro­jekt, das je­mals un­ter­nom­men wur­de - die Ent­schlüs­se­lung des mensch­li­chen Ge­noms. Für das Un­ter­fan­gen un­ter Lei­tung des De­part­ment of Ener­gy und der Na­tio­nal In­sti­tu­tes of He­alth stand ein Etat von zwei Mil­li­ar­den Dol­lar zur Ver­fü­gung. Mehr als 350 For­schungs­la­bors wur­den welt­weit ein­be­zo­gen. Bis zum Jahr 2005 soll­te die De­ko­die­rung des ge­sam­ten mensch­li­chen Gen­ma­te­ri­als ab­ge­schlos­sen sein. Doch das Pro­jekt mach­te zu­nächst nur lang­sa­me Fort­schrit­te. Bis 1997 - die Hälf­te der für die For­schung vor­ge­se­he­nen Zeit war um, 90 Pro­zent der Fi­nanz­mit­tel auf­ge­braucht - konn­ten erst 2,68 Pro­zent des Ge­noms ak­ku­rat de­chif­friert wer­den.
Da schlug im Mai 1998 eine Er­klä­rung von Craig Ven­ter, ei­nem der lei­ten­den For­scher des Pro­jekts, plötz­lich wie eine Bom­be ein: Über­zeugt, die Ent­schlüs­se­lung wer­de weit schnel­ler und ef­fi­zi­en­ter zu er­rei­chen sein, gab Ven­ter be­kannt, er habe mit der Per­kin-El­mer Cor­po­ra­ti­on eine Part­ner­schaft ge­schlos­sen, um die Fir­ma Ce­le­ra Ge­no­mics zu grün­den. Die­se Fir­ma wer­de die voll­stän­di­ge De­ko­die­rung noch im Jah­re 2000 ab­schlie­ßen - ohne Rück­griff auf öf­fent­li­che Gel­der.
Eine Ti­tel­ge­schich­te im „New York Ti­mes Ma­ga­zi­ne“ ver­deut­lich­te die Kühn­heit von Ven­ters Plan: „Das war, als ob die Pri­vat­in­dus­trie an­ge­kün­digt hät­te, sie wür­de noch vor der Nasa einen Mann zum Mond schi­cken, oder als ob eine ge­ra­de ge­grün­de­te Fir­ma ver­kün­det, sie wol­le die ers­te pri­va­te Atom­bom­be ent­wi­ckeln.“
In­dem er die Auf­ga­be, das mensch­li­che Ge­nom zu ent­schlüs­seln, aus der Welt der Wis­sen­schaft in die Welt des Kom­merz ver­la­ger­te, setz­te Ven­ter ein Zei­chen. Je­dem, der heu­te ge­schäft­lich tä­tig ist, soll­te nun klar sein: Fort­schrit­te in der Gen­tech­nik wer­den nicht nur dra­ma­ti­sche Aus­wir­kun­gen auf die Men­schen und die Ge­sell­schaft ha­ben, son­dern auch wei­te Tei­le der Welt­wirt­schaft um­ge­stal­ten. Die Gren­zen zwi­schen vie­len, einst völ­lig von­ein­an­der ge­trennt ope­rie­ren­den Un­ter­neh­men - von land­wirt­schaft­li­chen Be­trie­ben und Che­mie­fir­men über Un­ter­neh­men im Ge­sund­heits­we­sen und der Phar­ma­b­ran­che bis hin zu Ener­gie­ver­sor­gern und In­for­ma­tik­fir­men - wer­den an Kon­tur ver­lie­ren; ein Pro­zess der Kon­ver­genz ent­wi­ckelt sich, aus dem vor­aus­sicht­lich der größ­te Wirt­schafts­zweig der Welt her­vor­ge­hen wird - die Life-Science-In­dus­try.
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