Schwarm-Intelligenz: Unternehmen lernen von Bienen und Ameisen

HBM 6/2001

Ha­ben Bie­nen-, Wes­pen- und Amei­sen­völ­ker denn wirk­lich et­was mit Er­wer­bs­un­ter­neh­men ge­mein? An­schei­nend ja. Zwar lässt sich dem ein­zel­nen In­sekt schwer­lich viel In­tel­li­genz be­schei­ni­gen. Doch in der Ge­mein­schaft mit Art­ge­nos­sen stel­len In­sek­ten ihre Fä­hig­keit un­ter Be­weis, selbst schwie­ri­ge Pro­ble­me höchst wir­kungs­voll zu lö­sen und sich ih­rer Um­welt ge­schickt an­zu­pas­sen. Um die­ses mit „Schwarm-In­tel­li­genz“ be­zeich­ne­te Phä­no­men be­greif­lich zu ma­chen, ha­ben For­scher in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren ex­ak­te ma­the­ma­ti­sche Mo­del­le ent­wi­ckelt. Und Fir­men wie Hew­lett-Packard oder Southwest Air­li­nes nut­zen die­se Mo­del­le in­zwi­schen, um ihre Or­ga­ni­sa­ti­on, Soft­wa­re­ent­wick­lung oder Lo­gis­tik zu op­ti­mie­ren. Of­fen­bar kön­nen Un­ter­neh­men ihre ge­sam­ten Ab­läu­fe nach Re­geln der Schwarm-In­tel­li­genz ge­stal­ten. Der­art ent­ste­hen sich selbst or­ga­ni­sie­ren­de Sys­te­me, die letzt­lich ein ef­fi­zi­en­te­res Ope­rie­ren und eine schnel­le­re Re­ak­ti­on auf Markt­ver­än­de­run­gen er­lau­ben.
Vor et­was mehr als ei­nem Jahr hat­te Southwest Air­li­nes in sei­nem Fracht­ge­schäft erns­te Pro­ble­me. Ob­wohl der Frachtraum der Ma­schi­nen im Durch­schnitt nur zu 7 Pro­zent aus­ge­las­tet war, fehl­te es an ei­ni­gen Flug­hä­fen im­mer wie­der an Ka­pa­zi­tät, ge­plan­te Frach­ten prompt ver­la­den zu kön­nen; das führ­te zu Eng­päs­sen im ge­sam­ten Fracht­trans­port- und Ab­fer­ti­gungs­sys­tem. Die Mit­ar­bei­ter ver­such­ten, die Fracht stets zum ers­ten Flug­zeug zu brin­gen, das in die „rich­ti­ge“ Rich­tung ab­ging - ein schein­bar ver­nünf­ti­ges Vor­ge­hen. Aber in Fol­ge muss­ten sie un­nö­tig viel Zeit dar­auf ver­wen­den, La­de­gut hin und her zu be­we­gen, und manch­mal be­lu­den sie Flug­zeu­ge auch über­flüs­si­ger­wei­se
Um die­ses Pro­blem zu lö­sen, hol­te sich Southwest bei ei­ner un­ge­wöhn­li­chen Adres­se Rat: bei den Amei­sen. Wis­sen­schaft­ler sa­hen sich ge­nau die Me­tho­de an, mit der Amei­sen Fut­ter­su­che be­trei­ben, wel­che ein­fa­chen Re­geln sie da­bei be­fol­gen und wie sie stets kur­ze Wege zu den Nah­rungs­quel­len fin­den. Als die For­scher ihre Er­kennt­nis­se auf Southwests Pro­blem an­wand­ten, mach­ten sie eine über­ra­schen­de Ent­de­ckung: Es kann sinn­vol­ler sein, Fracht­gut nicht aus­zu­la­den, selbst wenn das Flug­zeug in die falsche Rich­tung fliegt. Soll­te bei­spiels­wei­se eine Sen­dung von Chi­ca­go nach Bo­ston ge­hen, so könn­te es ef­fi­zi­en­ter sein, sie in ei­nem Flug­zeug zu las­sen, das als ers­tes At­lan­ta an­steu­ert und dar­auf dann Bo­ston, statt es so­fort in die nächs­te Ma­schi­ne nach Bo­ston um­zu­la­den.
Die Um­set­zung die­ser Ein­sicht in die Pra­xis hat­te er­staun­li­che Wir­kun­gen: Die Frach­tum­schlags­ra­ten an den ge­schäf­tigs­ten Flug­plät­zen san­ken um gute 80 Pro­zent, die Ar­beits­be­las­tung für die mit dem Fracht­gut be­fass­ten Leu­te ver­min­der­te sich um 20 Pro­zent, und die An­zahl der Nacht­trans­por­te ging dras­tisch zu­rück. Da­durch konn­te Southwest sei­ne La­ger­ka­pa­zi­tä­ten ab­bau­en und bei den Lohn­kos­ten er­heb­lich spa­ren. Über­dies sind jetzt we­ni­ger Ma­schi­nen voll be­la­den, was der Flug­li­nie mehr ge­schäft­li­che Mög­lich­kei­ten er­öff­net. Wie Southwest schätzt, er­brach­ten die­se Ver­bes­se­run­gen einen jähr­li­chen Ge­winn­zu­wachs von über zehn Mil­lio­nen Dol­lar.

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