Lokal, digital – oder beides?

FALLSTUDIE:

HBM Dezember 2018

Die tief ste­hen­de Son­ne schi­en durchs Fens­ter des Ta­gungs­raums und er­hell­te das groß­for­ma­ti­ge Bild vom ers­ten Stamm­sitz des Kauf­hau­ses Kar­rer. Dar­auf ist Un­ter­neh­mens­grün­der Fried­rich Kar­rer zu se­hen, wie er, um­ringt von sei­ner Frau und vier Ver­käu­fe­rin­nen, vor den Schau­fens­tern sei­nes La­dens in der Markt­stra­ße im schles­wig-hol­stei­ni­schen Hei­de steht. Er han­del­te da­mals mit Strümp­fen und Wä­sche.
„Fast 90 Jah­re ist das her“, dach­te sein En­kel Wil­helm Kar­rer beim Be­trach­ten des Bil­des und seufz­te in­ner­lich. Was hat­te sich seit­dem al­les ver­än­dert! Hat­te der Groß­va­ter noch die Ent­beh­run­gen durch den Krieg und die Nach­kriegs­zeit er­le­ben müs­sen, bau­te des­sen Sohn Hans in den Wirt­schafts­wun­der­jah­ren den La­den zum Kauf­haus für al­ler­lei Wa­ren aus. Auch die spä­te­ren Her­aus­for­de­run­gen in den 80ern und 90ern durch Ein­kaufs­zen­tren und grö­ße­re fi­lia­li­sier­te Ket­ten, die sich in den In­nen­städ­ten breit­mach­ten, meis­ter­te Kar­rers Va­ter Hans. Mit Auf­kom­men des In­ter­nets über­nahm der En­kel das Ge­schäft. Der Kon­sum – ob All­tags­gü­ter wie Bü­cher, Klei­dung oder selbst die An­schaf­fung ei­ner Wasch­ma­schi­ne – hat­te sich zu­neh­mend ins In­ter­net ver­la­gert. Da­bei tra­ten so­wohl große Han­dels­platt­for­men als auch Her­stel­ler und Lie­fe­ran­ten als Kon­kur­ren­ten der Ein­zel­händ­ler auf. Große Händ­ler lie­ßen sich in Ge­wer­be­ge­bie­ten am Stadt­rand nie­der. Die Städ­te mit ih­ren Shop­ping­zo­nen lit­ten deut­lich dar­un­ter.
Die­ser grund­le­gen­de Wan­del des Han­dels vor al­lem in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten war auch der Grund für die Vor­stands­sit­zung der Händl­er­ge­mein­schaft von Hei­de, die sich im Ta­gungs­raum von Kar­rers Kauf­haus an die­sem Diens­tag­abend ver­sam­melt hat­te. Das Pro­blem: Wie hal­ten wir die Kun­den in den Städ­ten und bie­ten ih­nen eine Al­ter­na­ti­ve zu Ama­zon & Co.? Die Dis­kus­si­on dau­er­te schon eine Wei­le an, und die Ge­mü­ter wa­ren er­regt.
„Hin­ter die­sen ame­ri­ka­ni­schen In­ter­ne­tan­bie­tern ste­cken doch Fi­nan­zin­ves­to­ren, die mit ei­gent­li­chem Un­ter­neh­mer­tum, Fach­han­del und ehr­ba­ren Kauf­leu­ten nichts zu tun ha­ben“, rief Elek­tro­nik­fach­händ­ler Mi­cha­el Mül­ler. „Wir lau­fen ja nicht nur Ge­fahr, dass wir zu­neh­mend Kun­den ver­lie­ren. Als Nächs­tes ha­ben wir im­mer mehr Leer­stand in der Stadt, und un­se­re Im­mo­bi­li­en­wer­te sin­ken dra­ma­tisch. Die meis­ten von uns sind ja nicht nur Händ­ler“, er­gänz­te er.
„Ja, und wenn mei­ne Lie­fe­ran­ten und die Her­stel­ler vor den To­ren der Stadt ihre Out­lets er­öff­nen, ha­ben wir kei­ne Chan­ce mehr“, klag­te Schuh­händ­ler Al­fred Ston­nen. „Da kann ich gleich mei­ne zwei Ge­schäf­te dicht­ma­chen!“
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