CSR gross denken

HBM Oktober 2018

Welt­weit agie­ren­de Kon­zer­ne und ein markt­ori­en­tier­ter Ka­pi­ta­lis­mus ha­ben nach dem Zwei­ten Welt­krieg zu ei­nem enor­men Wachs­tum ge­führt. Da­durch ist die Ar­muts­ra­te ins­ge­samt er­heb­lich ge­sun­ken. Aber nicht alle ha­ben da­von pro­fi­tiert. In den In­dus­tri­e­län­dern hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein klei­ner Teil der Be­völ­ke­rung die Ge­win­ne ab­ge­schöpft, wäh­rend vie­le Men­schen in länd­li­chen Ge­bie­ten und vor al­lem in ur­ba­nen Ar­bei­ter­vier­teln einen so­zio­öko­no­mi­schen Ab­stieg er­fah­ren ha­ben.
Noch dras­ti­scher stellt sich die Si­tua­ti­on in den Ent­wick­lungs­län­dern dar. Ob­wohl das Wirt­schafts­wachs­tum den Le­bens­stan­dard in Afri­ka, Asi­en und La­tein­ame­ri­ka deut­lich an­ge­ho­ben hat, le­ben dort im­mer noch mehr als eine Mil­li­ar­de Men­schen in ex­tre­mer Ar­mut, ohne Zu­gang zur for­mel­len Wirt­schaft. Das trifft be­son­ders auf Staa­ten mit großer länd­li­cher Be­völ­ke­rung zu. Dort sind die Klein­bau­ern von den Lie­fer­ket­ten der Le­bens­mit­tel­un­ter­neh­men in der Re­gi­on ab­ge­schnit­ten, weil ih­nen die nö­ti­gen Kennt­nis­se in mo­der­ner Land­wirt­schaft und die Mit­tel zum Er­werb und Fi­nan­zie­ren not­wen­di­ger tech­ni­scher Neue­run­gen feh­len. Au­ßer­dem lei­den die Ent­wick­lungs­län­der un­ter ei­nem mas­si­ven Fach­kräf­teman­gel. Ei­ner­seits ist eine Viel­zahl jun­ger Er­wach­se­ner ar­beits­los, an­de­rer­seits kön­nen die Un­ter­neh­men nicht wie ge­plant ex­pan­die­ren, weil vor Ort gut aus­ge­bil­de­te Mit­ar­bei­ter feh­len.
Un­ter­neh­men ha­ben durch­aus ver­sucht, ihre tra­di­tio­nel­len Pro­gram­me für so­zia­le Ver­ant­wor­tung (CSR, Cor­po­ra­te So­ci­al Re­spon­si­bi­li­ty) um Stra­te­gi­en für Nach­hal­tig­keit und Sha­red Va­lue (le­sen Sie zum Sha­red-Va­lue-Kon­zept den HBM-Ar­ti­kel „Die Neu­er­fin­dung des Ka­pi­ta­lis­mus“ von Mi­cha­el Por­ter und Mark Kra­mer, Fe­bru­ar 2011) zu er­wei­tern. Da­bei ha­ben sie ihre Pro­gram­me so ge­stal­tet, dass sie nicht nur die Le­bens­qua­li­tät in ein­kom­mens­schwa­chen, Not lei­den­den Ge­bie­ten ver­bes­ser­ten, son­dern sich zu­gleich auch wirt­schaft­lich für sie aus­zahl­ten. Doch die Wir­kung die­ser Pro­gram­me war nicht be­son­ders groß. Sel­ten kam es zu wirk­lich grund­le­gen­den Ver­än­de­run­gen. Ein Bei­spiel ist die weit­hin be­kann­te Co­coaA­c­ti­on-In­itia­ti­ve in der El­fen­bein­küs­te und in Gha­na. Sie hat­te das Ziel, die Exis­tenz­grund­la­ge von etwa 20 Pro­zent der Fa­mi­li­en, die vom Ka­kao­an­bau le­ben, zu ver­bes­sern. Der Be­weis, dass die In­itia­ti­ve tat­säch­lich vie­le Haus­hal­te aus der Ar­mut ge­holt hät­te, steht je­doch aus. Ähn­lich sieht es bei dem „Good Grow­th Plan“ von Syn­gen­ta aus (ein Agro­che­mie­kon­zern aus der Schweiz, der in­zwi­schen zu Chem­chi­na ge­hört – Anm. d. Red.). Durch das Pro­gramm hat sich die Pro­duk­ti­vi­tät der Klein­bau­ern in In­do­ne­si­en und Ni­ca­ra­gua ver­dop­pelt. Doch nur ein win­zi­ger Pro­zent­satz der un­ter­stüt­zungs­be­dürf­ti­gen Bau­ern hat in bei­den Län­dern da­von pro­fi­tiert. Au­ßer­dem lässt sich die Aus­wir­kung der In­itia­ti­ve auf den Ge­sam­tum­satz des Un­ter­neh­mens nur schwer aus­ma­chen (sie­he Kas­ten „Ehr­gei­zi­ge Zie­le er­for­dern ehr­gei­zi­ge Pro­jek­te“).
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