Schafft endlich gute Jobs!

HBM Juni 2018

Ja, es gibt Mil­lio­nen Jobs in Ge­schäf­ten, Re­stau­rants, Call­cen­tern, Kin­der­gär­ten und in der Pfle­ge. Aber die al­ler­meis­ten sind mies – und das schon seit Jahr­zehn­ten. Die Be­zah­lung ist schlecht, Zu­satz­leis­tun­gen gibt es kaum, und Kar­rie­remög­lich­kei­ten sind die ab­so­lu­te Aus­nah­me. Nach gän­gi­ger Mei­nung ist all das der Preis, der für mög­lichst kos­ten­güns­ti­ge Dienst­leis­tun­gen ge­zahlt wer­den muss. Aber das stimmt nicht. Und ei­ni­ge Un­ter­neh­men ha­ben das in­zwi­schen be­grif­fen. Ih­nen ist klar ge­wor­den, dass die Art und Wei­se, wie sie ihre Ge­schäf­te füh­ren, auf lan­ge Sicht nicht mehr funk­tio­nie­ren wird. Vor al­lem wenn sie ihre Mit­ar­bei­ter be­han­deln, als wä­ren sie je­der­zeit er­setz­bar.
In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren ha­ben Großun­ter­neh­men die Ge­häl­ter an­ge­ho­ben. Dar­un­ter die Su­per­markt­ket­te Wal­mart, der Fast-Food-Rie­se McDonald's, die Be­klei­dungs­ket­te GAP und der auf Ge­sund­heits­leis­tun­gen spe­zia­li­sier­te Ver­si­che­rer Aet­na. Wal­mart in­ves­tiert zu­sätz­lich in eine bes­se­re Aus­bil­dung sei­ner Mit­ar­bei­ter und re­or­ga­ni­siert das Un­ter­neh­men, da­mit die An­ge­stell­ten in den Ge­schäf­ten bes­ser und pro­duk­ti­ver ar­bei­ten kön­nen. GAP ex­pe­ri­men­tiert mit ver­läss­li­che­ren Ar­beits­zei­ten, und Aet­na ge­steht sei­nen Call­cen­ter­mit­ar­bei­tern mehr Frei­räu­me zu, um Kun­den­wün­schen bes­ser ge­recht zu wer­den.
Die­se Ver­än­de­run­gen sind mög­li­cher­wei­se die Vor­bo­ten ei­nes ra­di­ka­len Wan­dels. Denn die Fra­ge ist: Wa­rum in­ves­tie­ren die Un­ter­neh­men plötz­lich in ihre Be­leg­schaft? Und: Wa­rum ge­ben sie ih­ren Mit­ar­bei­tern jetzt mehr Spiel­raum, nach­dem sie sie jah­re­lang mies be­han­delt ha­ben? Vor al­lem weil sich das Wett­be­wer­b­sum­feld ver­än­dert hat. Un­ter­neh­men in rei­fen Märk­ten müs­sen Wachs­tum in den be­ste­hen­den Struk­tu­ren er­wirt­schaf­ten. Wer mit ver­stärk­ter Kon­kur­renz durch an­de­re Lä­den oder den On­li­ne­han­del zu kämp­fen hat, muss der Kund­schaft einen über­zeu­gen­den Grund lie­fern, wa­rum sie aus­ge­rech­net bei ihm kau­fen soll. Zu­dem be­grei­fen Un­ter­neh­men, dass en­ga­gier­te Mit­ar­bei­ter pro­duk­ti­ver sind, bes­se­ren Ser­vice leis­ten und deut­lich loya­ler sind. Vor al­lem im Han­del und in der Ga­stro­no­mie ist dies ein großes The­ma, denn die Fluk­tua­ti­on in die­sen Bran­chen ist hoch. 2016 lag sie in den USA im Han­del bei 65 Pro­zent, beim Re­stau­rant­per­so­nal wa­ren es so­gar 73 Pro­zent.
Die Ver­bes­se­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen im Dienst­leis­tungs­sek­tor könn­te nicht nur die Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit der Un­ter­neh­men er­hö­hen, sie könn­te auch dazu bei­tra­gen, die US-Volks­wirt­schaft nach­hal­tig zu ver­än­dern. Denn die hö­he­ren Ge­häl­ter füh­ren nicht nur zu mehr Kauf­kraft bei den „Wor­king Poor“ – sie sen­ken auch die enor­men Sum­men, die mo­men­tan für staat­li­che Trans­fer- und Hilfs­leis­tun­gen ge­zahlt wer­den. 2016 lag der Me­di­an beim Stun­den­lohn für die bei­na­he neun Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten im Han­del in den USA bei 10,37 US-Dol­lar. Bei den über sie­ben Mil­lio­nen Ser­vice­kräf­ten in Re­stau­rants wa­ren es 9,50 US-Dol­lar. Egal wel­cher Stun­den­lohn an­ge­setzt wird – am Ende lie­gen die mo­nat­li­chen Ein­künf­te un­ter der Ar­muts­schwel­le für eine vier­köp­fi­ge Fa­mi­lie. Selbst dann, wenn der Be­rech­nung eine 40-Stun­den-Wo­che zu­grun­de liegt. Eine An­zahl von Ar­beits­stun­den üb­ri­gens, die die meis­ten Un­ter­neh­men ih­ren An­ge­stell­ten nicht zu­ge­ste­hen.
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