Klartext, bitte!

HBM Juni 2018

Wie nennt man einen kom­pli­zier­ten, über­lan­gen Ver­trags­text, der mit ju­ris­ti­schen Fach­be­grif­fen über­la­den und für Lai­en qua­si nicht zu ver­ste­hen ist? Gän­gi­ge Pra­xis.
Die in der Ge­schäfts­welt ver­wen­de­ten Ver­trä­ge sind größ­ten­teils lang, schlecht struk­tu­riert und voll mit un­nö­ti­gen und un­ver­ständ­li­chen For­mu­lie­run­gen. Gibt es da­für prak­ti­sche Grün­de? Braucht es für die Rechts­gül­tig­keit ei­nes Ver­trags sei­ten­lan­ge De­fi­ni­tio­nen und Be­grif­fe wie „bis dato“, „Haf­tungs­frei­stel­lung“, „Be­fug­nis“ und „zu Ur­kun­de des­sen“ – oder auch Sät­ze wie „un­ge­ach­tet ge­gen­tei­li­ger Be­stim­mun­gen“, „vor­be­halt­lich des Vor­ste­hen­den“ und „ein­schließ­lich, je­doch kei­nes­falls be­schränkt auf“?
Liegt ir­gend­ein tiefe­rer Sinn in die­ser nutz­lo­sen For­mel­spra­che? Braucht ein Ver­trag wirk­lich gan­ze Ket­ten von Syn­ony­men, die alle das­sel­be sa­gen, Pas­sa­gen in Groß­buch­sta­ben, Kur­siv­schrift und Fett­druck, die sich über meh­re­re Sei­ten hin­zie­hen? Braucht er um­ständ­lich for­mu­lier­te Sät­ze vol­ler Se­mi­ko­lons und eine alt­mo­di­sche Gram­ma­tik, da­mit er eine Un­ter­schrift wert ist? Mei­ne Ant­wort ist ein kla­res Nein.
Es soll­te nicht un­zäh­li­ge Stun­den dau­ern, einen Ver­trag aus­zu­han­deln. Ma­na­ger soll­ten kei­nen An­walt brau­chen, um einen Ver­trag zu ver­ste­hen, über den sie ent­schei­den müs­sen. Wir soll­ten in ei­ner Welt le­ben, in der Ver­trä­ge in ei­ner klar ver­ständ­li­chen Spra­che ver­fasst wer­den. Wo an­ge­hen­de Ge­schäfts­part­ner einen Ver­trag­s­ent­wurf ganz ent­spannt beim ge­mein­sa­men Mit­tages­sen ohne An­wäl­te le­sen, ver­ste­hen und gu­ten Ge­wis­sens un­ter­zeich­nen kön­nen. Und wo es kei­nen Streit über mehr­deu­ti­ge For­mu­lie­run­gen gibt.
Das mag weit her­ge­holt klin­gen. Doch ich bin über­zeugt, dass es mög­lich ist. Das be­weist eine mehr als drei Jah­re an­dau­ern­de In­itia­ti­ve bei der Ge­schäfts­ein­heit Di­gi­tal Ser­vices von GE Avia­ti­on, die es sich zur Auf­ga­be ge­macht hat, Ver­trä­ge in kla­rer Spra­che ein­zu­füh­ren. Seit Be­ginn die­ses Pro­jekts im Jahr 2014 hat die Ge­schäfts­ein­heit mehr als 100 sol­cher Ver­trä­ge in kla­rer Spra­che („plain lan­gua­ge“) un­ter­zeich­net. Da­durch spar­te sie bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen be­ein­dru­cken­de 60 Pro­zent Zeit ge­gen­über den vor­he­ri­gen, mit ju­ris­ti­schen Fach­be­grif­fen ge­spick­ten Ver­sio­nen. Ei­ni­ge Kun­den un­ter­zeich­ne­ten die­se Klar­text­ver­trä­ge so­gar, ohne eine ein­zi­ge Än­de­rung zu ver­lan­gen. Das Feed­back der Kun­den war durch­weg po­si­tiv, und kein ein­zi­ger Kun­de be­schwer­te sich über die in leicht ver­ständ­li­cher Spra­che ge­hal­te­nen For­mu­lie­run­gen der Ver­trä­ge.
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