Was kostet die Zeit?

FALLSTUDIE:

HBM Mai 2018

Wie wert­vol­le Schät­ze la­gen die neues­ten Pro­to­ty­pen der Uh­ren­ma­nu­fak­tur F. Ga­len auf dem blau­en Samt – edel und glän­zend. In zwei Wo­chen soll­ten sie der Welt­öf­fent­lich­keit auf dem Sa­lon In­ter­na­tio­nal de la Haute Hor­lo­ge­rie (SIHH) in Genf prä­sen­tiert wer­den – ei­ner der welt­weit be­deu­tends­ten Mes­sen für Uhr­ma­cher. Doch jetzt un­ter­such­ten noch drei Män­ner mit wei­ßen Hand­schu­hen die sie­ben Mo­del­le. Jo­hann Hum­boldt, CEO von F. Ga­len Uh­ren, be­trach­te­te zu­sam­men mit dem Ent­wick­lungs­chef Fre­de­rik van Laer und Pro­dukt­chef Gui­do Rei­che die Uh­ren von al­len Sei­ten und tes­te­ten ihre Funk­ti­on. Ei­nem Mo­dell wid­me­ten sie sich be­son­ders – der „F. Ga­len Se­con­de Sau­tan­te“. In ed­les Pla­tin gehüllt, of­fen­bar­te die Uhr auf den ers­ten Blick kaum, welch fas­zi­nie­ren­de Tech­nik sich un­ter ih­rem Sa­phir­glas ver­barg. Die Teams von Rei­che und van Laer hat­ten einen Me­cha­nis­mus kre­i­ert, der die Uhr zu ei­nem bei Samm­lern be­gehr­ten Mo­dell aus dem Hau­se F. Ga­len mach­te: Als Hom­ma­ge an wis­sen­schaft­li­che Be­ob­ach­tungs­uh­ren be­wegt ein in­te­grier­ter Sprung­me­cha­nis­mus den Se­kun­den­zei­ger in ge­nau 60 Sprün­gen pro Mi­nu­te. Und die­ser ist an­stel­le des üb­li­chen Mi­nu­ten­zei­gers auf dem Zif­fer­blatt op­tisch her­vor­ge­ho­ben.
„Ich lie­be die­se sim­ple, aber ele­gan­te Schön­heit!“, sag­te Jo­hann Hum­boldt, nach­dem er die „Se­con­de Sau­tan­te“ wie­der aus der Hand ge­legt hat­te. „Sie äh­nelt et­was dem vor­he­ri­gen Mo­dell ,F. Ga­len', aber im In­nern ha­ben wir al­les ver­än­dert. Die Se­kun­den sprin­gen tat­säch­lich, an­statt sich kon­ti­nu­ier­lich zu be­we­gen, was ein­fach klingt, aber sehr schwie­rig in der Um­set­zung war.“
„Ja, die ,Se­con­de Sau­tan­te' ist eine wah­re In­no­va­ti­on, eine ab­so­lu­te Neu­heit“, füg­te Ent­wick­lungs­chef van Laer hin­zu und führ­te noch wei­te­re Fea­tu­res an, die sie ein­zig­ar­tig mach­ten.
Alle An­we­sen­den wa­ren sich ei­nig, dass die­ses Mo­dell auf 100 Stück in Pla­tin li­mi­tiert wer­den soll­te. Un­ei­nig­keit be­stand je­doch über den Preis. Die Ent­schei­dung dar­über soll­te heu­te fal­len.
Vor 30 Jah­ren hät­ten sich Bran­chen­be­ob­ach­ter si­cher nicht vor­stel­len kön­nen, dass eine Ma­nu­fak­tur aus dem säch­si­schen Glas­hüt­te in dem von den Schwei­zern do­mi­nier­ten Markt ganz vorn mit­spie­len wür­de. Doch heu­te war F. Ga­len ei­ner der bes­ten Her­stel­ler von Arm­band­uh­ren welt­weit. Eine be­mer­kens­wer­te Ent­wick­lung, wenn man be­denkt, dass die seit 1845 be­ste­hen­de Ma­nu­fak­tur zu DDR-Zei­ten na­he­zu in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten war. Da­mals wa­ren alle Uh­ren­mar­ken am tra­di­tio­nel­len Uh­ren­stand­ort Glas­hüt­te in den staats­ei­ge­nen VEB Glas­hüt­ter Uh­ren­be­trieb über­führt wor­den. Erst nach der Deut­schen Ein­heit 1990 be­leb­te der Ur­en­kel des Fir­men­grün­ders, Fried­rich Ga­len, das Un­ter­neh­men wie­der: Als F. Ga­len Uh­ren GmbH re­gis­triert, fing die Ma­nu­fak­tur wie­der ganz von vorn an – ohne Fir­men­ge­bäu­de, ohne Mit­ar­bei­ter und ohne Uh­ren, nur mit ei­nem Start­ka­pi­tal von 500 000 DM und ei­ner Vi­si­on. „Wenn wir her­kömm­li­che Uh­ren pro­du­zie­ren wür­den, be­kämen wir kei­ner­lei Auf­merk­sam­keit. Ge­nau wie mein Ur­groß­va­ter hat­te ich die Spit­ze im Vi­sier. Und so be­gan­nen wir in Glas­hüt­te wie­der mit der Pro­duk­ti­on der welt­bes­ten Uh­ren“, er­in­nert sich Fried­rich Ga­len.
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