Ärzte gegen Betreuer

FALLSTUDIE:

HBM Februar 2018

Am­ri­ta Ra­jesh sah dem Arzt, der ihr ge­gen­über­saß, an, dass ihm nicht wohl zu­mu­te war. Ge­sprä­che über den Aus­tritt wur­den nor­ma­ler­wei­se von jün­ge­ren Per­so­nal­ma­na­gern ge­führt, doch an­ge­sichts der ho­hen Fluk­tua­ti­ons­ra­te von Ärz­ten am Kris­na-Hos­pi­tal hielt Ra­jesh es für ihre Auf­ga­be als Per­so­nal­lei­te­rin. Und so saß sie Dr. Vis­h­nu Pa­tel ge­gen­über – ei­nem an­ge­se­he­nen Kar­dio­lo­gen, der ge­ra­de sei­ne Kün­di­gung ein­ge­reicht hat­te.
„Ich weiß, dass man bei sol­chen Ge­sprä­chen nor­ma­ler­wei­se im­mer sehr höf­lich ist“, er­klär­te ihm Ra­jesh. „Aber ich brau­che eine ehr­li­che Ant­wort.“
Dr. Pa­tel rutsch­te ner­vös auf sei­nem Stuhl hin und her. „Es gibt ver­schie­de­ne Grün­de für mei­nen Weg­gang. Vie­le die­ser Mo­ti­ve ha­ben gar nichts mit Ih­rer Kli­nik zu tun – zum Bei­spiel mei­ne fa­mi­li­ären Ver­pflich­tun­gen und die An­for­de­run­gen mei­ner ei­ge­nen Pra­xis.“
Die meis­ten Ärz­te, die im Kris­na-Hos­pi­tal ar­bei­te­ten, be­han­del­ten Pa­ti­en­ten in ih­ren Pri­vat­pra­xen, ko­ope­rier­ten aber auch mit dem Kran­ken­haus und über­wie­sen ihre Pa­ti­en­ten für Un­ter­su­chun­gen und Be­hand­lungs­maß­nah­men, die in ei­ner Arzt­pra­xis nicht mög­lich wa­ren, dort­hin. Als größ­tes All­ge­mein­kran­ken­haus der Stadt Noi­da, süd­öst­lich von Del­hi ge­le­gen, bot das Kris­na-Hos­pi­tal eine Se­kun­där- und Ter­ti­är­ver­sor­gung in den Be­rei­chen Kar­dio­lo­gie, Or­tho­pä­die, Neu­ro­lo­gie, On­ko­lo­gie, Ne­phro­lo­gie und Ga­stro­en­te­ro­lo­gie an.
„Hät­ten wir ir­gen­det­was tun kön­nen, um Sie zum Blei­ben zu mo­ti­vie­ren? Oder ist et­was vor­ge­fal­len, das Sie dazu be­wo­gen hat, uns ge­ra­de jetzt zu ver­las­sen?“, hak­te Ra­jesh nach.
Dr. Pa­tel zö­ger­te. Sie lä­chel­te ihm er­mu­ti­gend zu.
„Ich hat­te eine Mei­nungs­ver­schie­den­heit mit dem Pa­ti­en­ten­be­auf­trag­ten“, er­klär­te er schließ­lich. Die­ser Pos­ten zur Ver­mitt­lung zwi­schen Ärz­ten und Pa­ti­en­ten war erst drei Jah­re zu­vor ein­ge­führt wor­den, nach­dem vie­le Pa­ti­en­ten sich dar­über be­schwert hat­ten, dass sie die Er­läu­te­run­gen der Ärz­te zu ih­ren Dia­gno­sen und The­ra­pi­en nicht ver­stan­den. Ei­gent­lich soll­te dar­aus eine Win-win-Si­tua­ti­on ent­ste­hen: Die Pa­ti­en­ten und de­ren Fa­mi­li­en hät­ten eine bes­se­re, in­di­vi­du­el­le­re Be­treu­ung er­hal­ten, und die Ärz­te hät­ten Zeit ge­spart, um sich ih­ren me­di­zi­ni­schen Auf­ga­ben zu wid­men. Das Pro­gramm pass­te auch sehr gut zum Image die­ser Kli­nik als teu­res, qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges me­di­zi­ni­sches Ver­sor­gungs­zen­trum mit her­vor­ra­gen­den Ärz­ten, Tech­no­lo­gi­en und Ser­vice­leis­tun­gen. Doch lei­der wa­ren Ra­jesh gleich nach der Ein­stel­lung des ers­ten Pa­ti­en­ten­be­auf­trag­ten Un­muts­äu­ße­run­gen sei­tens der Ärz­te zu Oh­ren ge­kom­men.
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