Zeit für eine neue Strategie

HBM Februar 2018

Ende der 90er Jah­re hat­te die bri­ti­sche Mu­sik­ein­zel­han­dels­ket­te HMV die Welt­spit­ze er­reicht. Ihr Ge­schäfts­mo­dell war so er­folg­reich, dass sie da­mit in Groß­bri­tan­ni­en sen­sa­tio­nel­le 40 Pro­zent Markt­an­teil er­obert hat­te. HMV be­trieb in den Hauptein­kaufs­s­tra­ßen Plat­ten­lä­den, in de­nen die Kun­den eine rie­si­ge Aus­wahl an Ti­teln durch­su­chen und über Kopf­hö­rer im Ge­schäft ein­zel­ne Tracks an­hö­ren konn­ten, be­vor sie eine CD kauf­ten.
Be­gon­nen hat­te der Auf­stieg von HMV mit der Re­vo­lu­ti­on der Pop­mu­sik in den 60er Jah­ren. Da­mals er­öff­ne­te die Ket­te in Lon­don einen Plat­ten­la­den nach dem an­de­ren. In den 70ern ver­dop­pel­te HMV sei­ne Grö­ße und hat­te sich in den frü­hen 80er Jah­ren als lan­des­weit füh­ren­der Fach­händ­ler für Mu­sik eta­bliert. Neue Plat­ten­lä­den er­öff­ne­ten 1986 in Ir­land und Ka­na­da und bald dar­auf auch in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Frank­reich, Deutsch­land und Ja­pan. In den 90er Jah­ren ge­hör­ten mehr als 320 Ge­schäf­te zum Un­ter­neh­men, etwa 100 da­von la­gen in Groß­bri­tan­ni­en. Als HMV im Jahr 2002 in Lon­don an die Bör­se ging, wur­de es mit etwa ei­ner Mil­li­ar­de Pfund be­wer­tet.
Doch zur sel­ben Zeit hat­ten be­reits ei­ni­ge Mit­ar­bei­ter und Ana­lys­ten ers­te Zwei­fel ge­äu­ßert, ob das Ge­schäfts­mo­dell von HMV auch lang­fris­tig noch er­folg­ver­spre­chend sei. Zwar hat­te die Ver­brei­tung von DVDs und Com­pu­ter­spie­len zu­nächst die Ge­win­ne der Lä­den hoch­ge­trie­ben. Doch in­zwi­schen hat­ten auch Su­per­markt­ket­ten be­gon­nen, be­lieb­te CDs zu Dis­count­prei­sen zu ver­kau­fen, und seit An­fang 1998 bot Ama­zon CDs on­li­ne an. Ein paar Jah­re spä­ter kam das Her­un­ter­la­den von Mu­sik aus dem In­ter­net auf, eine Ent­wick­lung, die in der Er­öff­nung des iTu­nes Sto­re von Ap­p­le 2003 einen Hö­he­punkt fand.
Das Top­ma­na­ge­ment von HMV hielt den­noch un­be­irrt an sei­ner Stra­te­gie fest. Das Un­ter­neh­men er­öff­ne­te 2004 den zwei­hun­derts­ten Plat­ten­la­den in Groß­bri­tan­ni­en und kauf­te nach und nach auch die Lä­den kon­kur­rie­ren­der Ket­ten auf, teil­wei­se aus der In­sol­venz her­aus. 2008 be­trieb HMV ein welt­wei­tes Netz­werk mit mehr als 600 Ge­schäf­ten. Schon 2002 hat­te sei­ne Wer­be­agen­tur ver­sucht, den Board auf die dro­hen­den Ge­fah­ren auf­merk­sam zu ma­chen – On­li­ne­händ­ler, Mu­sik zum Her­un­ter­la­den und Kon­kur­renz durch die Dis­coun­ter –, doch der Ma­na­ging Di­rec­tor von HMV, Ste­ve Knott, hat­te die War­nun­gen wü­tend zu­rück­ge­wie­sen: „So einen Un­sinn habe ich noch nie ge­hört. Ich gebe zu, dass die Dis­coun­ter für uns ein Sta­chel im Fleisch sind, aber das be­trifft nicht den ech­ten Mu­sik­lieb­ha­ber. Die an­de­ren bei­den Din­ge kön­nen uns nie­mals wirk­lich ge­fähr­lich wer­den; Mu­sik zum Her­un­ter­la­den ist nur eine Mo­de­er­schei­nung.“
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