Gruppen lügen leichter

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HBM Januar 2018

Herr Pro­fes­sor Ko­cher, wa­rum be­trü­gen Grup­pen häu­fi­ger als In­di­vi­du­en?
KO­CHER Da­für gibt es meh­re­re Grün­de. Der Haupt­fak­tor ist, dass sich in Grup­pen die Nor­men ver­schie­ben kön­nen. Das ist dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass sich mit an­de­ren leich­ter Ar­gu­men­te fürs Be­trü­gen fin­den las­sen. Dann ist es für einen plötz­lich okay, sich un­ehr­lich zu ver­hal­ten.

Wie ha­ben Sie das her­aus­ge­fun­den?
KO­CHER Wir ha­ben in Ex­pe­ri­men­ten Pro­ban­den wür­feln las­sen. Ein Bild­schirm zeig­te ih­nen das Er­geb­nis an. Je hö­her die Au­gen­zahl, de­sto hö­her war die Aus­zah­lung. Wer etwa eine Eins ge­wür­felt hat­te, be­kam zwei Euro, eine Fünf be­deu­te­te zehn Euro. Für eine Sechs gab es nichts. Die Pro­ban­den muss­ten an­ge­ben, wel­che Wür­fel­zahl sie ge­se­hen hat­ten. Die­ses Ex­pe­ri­ment ha­ben wir mit Grup­pen und mit In­di­vi­du­en durch­ge­führt.

Las­sen Sie mich ra­ten: Es gab re­la­tiv vie­le Fün­fen ...
KO­CHER Zu­min­dest gab nie­mand eine zu nied­ri­ge Zahl an. Aber wir wis­sen aus an­de­ren Stu­di­en, dass vie­le Men­schen sich ehr­lich ver­hal­ten, auch wenn ih­nen da­durch Kos­ten ent­ste­hen. Nur eine Min­der­heit lügt, um Vor­tei­le zu er­hal­ten. In un­se­ren Ex­pe­ri­men­ten hat­te ein Be­trug kei­ne Kon­se­quen­zen, da­her war die Zahl hö­her. Etwa 50 Pro­zent der In­di­vi­du­en ha­ben ge­lo­gen, aber über 80 Pro­zent der Grup­pen.
Wa­rum?
KO­CHER Ein Grund könn­te al­truis­ti­sches Lü­gen sein: Wenn ich ehr­lich bin, dann muss mei­ne Grup­pe da­für zah­len. Um das zu über­prü­fen, ha­ben wir zwei Grup­pen ge­bil­det. In der ers­ten muss­ten sich die Mit­glie­der, die alle den glei­chen Wurf ge­se­hen hat­ten, auf eine Au­gen­zahl ei­ni­gen. Im zwei­ten Fall konn­ten sich Teil­neh­mer dar­über aus­tau­schen, wel­che Zahl sie ge­se­hen hat­ten, muss­ten dann aber ein­zeln ihre Er­geb­nis­se an­ge­ben. Das Aus­maß des Lü­gens war in bei­den Grup­pen gleich. Ein Mit­lü­gen, um den an­de­ren zu hel­fen, konn­ten wir also nicht fest­stel­len. Es muss sich des­halb die Norm­wahr­neh­mung ver­än­dert ha­ben. Der Aus­tausch von Ar­gu­men­ten führ­te dazu, dass die Teil­neh­mer Ver­stö­ße ge­gen die Nor­men leich­ter recht­fer­ti­gen konn­ten.
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