„Missglückte Projekte bergen die größten Erkenntnisse“

HBM Dezember 2017

Herr Pro­fes­sor Gass­mann, was zeich­net ein gu­tes Ex­pe­ri­ment aus?
GASS­MANN Es be­ruht auf ei­ner gut be­grün­de­ten Theo­rie, ver­läuft streng sys­te­ma­tisch und ver­sucht, Wir­kungs­zu­sam­men­hän­ge ef­fi­zi­ent zu er­ken­nen. Bei je­dem Test­lauf darf etwa im­mer nur eine Va­ria­ble ver­än­dert wer­den. Auf die­se Wei­se lernt man, wie zum Bei­spiel die Leis­tun­gen ei­nes Ge­schäfts­mo­dells oder die Funk­tio­nen ei­nes Pro­dukts auf das Ver­hal­ten der Kun­den wir­ken.

Er­in­nern Sie sich noch an Ihr ers­tes großes Ex­pe­ri­ment?
GASS­MANN Ende der 90er Jah­re war ich For­schungs­lei­ter beim Auf­zugher­stel­ler Schind­ler. Wir hat­ten ein kom­plett neu­es Kon­zept ent­wi­ckelt: Meh­re­re Ka­bi­nen soll­ten in ei­nem Schacht fah­ren, an­ge­trie­ben von da­mals neu­ar­ti­gen Mo­to­ren, ge­steu­ert mit­hil­fe so­ge­nann­ter ge­ne­ti­scher Al­go­rith­men, das sind Pro­gram­me, die ein Pro­blem ähn­lich wie in der Na­tur durch eine Art evo­lu­tio­näre Ent­wick­lung lö­sen. Von die­ser Steue­rung ver­spra­chen wir uns vie­le Vor­tei­le. Die­ses Pro­jekt führ­te uns in meh­re­re un­be­kann­te Ge­bie­te: Funk­tio­nie­ren die neu­en Mo­to­ren? Sind die neu­ar­ti­gen Pro­gram­me der Auf­ga­be ge­wach­sen? Wie kön­nen die Ka­bi­nen aus­se­hen? Wir nah­men an, dass die Steue­rung mor­gens zu Bü­ro­be­ginn und zum Fei­er­abend zu kür­ze­ren War­te­zei­ten füh­ren und die An­la­ge ins­ge­samt kos­ten­güns­ti­ger und ef­fi­zi­en­ter wür­de. Um die­se Hy­po­the­sen zu prü­fen, ent­wi­ckel­ten wir sehr un­ter­schied­li­che Test­sze­na­ri­en. Die Mo­to­ren bau­ten wir in ech­te Schäch­te ein und si­mu­lier­ten die neu­en Be­din­gun­gen. Wir woll­ten wis­sen, ob der An­trieb un­ter Be­las­tung tat­säch­lich hält, ob die vor­ge­schrie­be­nen To­le­ran­zen ein­ge­hal­ten wer­den und ähn­li­che De­tails. Die Leis­tungs­fä­hig­keit der ge­ne­ti­schen Al­go­rith­men tes­te­ten wir vir­tu­ell am In­sti­tut für An­ge­wand­te Ma­the­ma­tik in Köln. Mit den neu­en Ka­bi­nen­kon­zep­ten hat­ten wir am we­nigs­ten Ar­beit: Mit Stell­wän­den aus dem Sit­zungs­zim­mer so­wie Kar­tons ha­ben wir ver­schie­de­ne Ka­bi­nen­de­si­gns ent­wor­fen und die­se mit ei­nem Set von 20 Test­per­so­nen über­prüft. So konn­ten wir schnell und un­kom­pli­ziert acht der zehn Va­ri­an­ten aus­schlie­ßen, da sich die Tes­ter we­ni­ger wohl fühl­ten oder das Ein- und Aus­stei­gen zeit­auf­wen­di­ger wur­de. Am Ende zeig­te die­se Kon­zept­stu­die, dass wir zahl­rei­che Ele­men­te nut­zen konn­ten. Al­ler­dings in an­de­ren An­wen­dun­gen als ur­sprüng­lich ge­dacht. Aber in­dem wir so sys­te­ma­tisch ex­pe­ri­men­tier­ten, hat­ten wir bei ge­rin­gen Kos­ten eine stei­le Lern­kur­ve.

Mit Oli­ver Gass­mann sprach HBM-Re­dak­teur Mi­cha­el Leitl.
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