Hürdenlauf zur Anmeldung

HBM Oktober 2017

Am Mon­tag nach dem Ma­ra­thon in Phoe­nix war Eri­ca Jack­son, Mar­ke­ting­che­fin der Men­do­za Ma­ra­thon Cor­po­ra­ti­on (MMC), schon früh auf­ge­stan­den. Sie woll­te se­hen, wie die Men­schen Schlan­ge stan­den, um sich für das Event im kom­men­den Jahr an­zu­mel­den. Ei­gent­lich hat­te sie be­geis­ter­te Ge­sich­ter er­war­tet. Doch die Leu­te wirk­ten mür­risch und lie­ßen die Schul­tern hän­gen.
Alan Kurtz, der Ge­schäfts­füh­rer von MMC, stand am Rand des Ma­ra­thon­ge­län­des. Jack­son woll­te sich zu ihm ge­sel­len, doch ei­ner der Läu­fer fing sie ab. „Ar­bei­ten Sie bei Men­do­za?“, frag­te er. Sei­ne Stim­me klang ver­är­gert.
Jack­son warf einen Blick auf das MMC-Logo auf ih­rer Was­ser­fla­sche, dach­te an die pas­sen­de Kap­pe auf ih­rem Kopf und wuss­te, dass Aus­flüch­te zweck­los wa­ren. Sie war erst seit sechs Wo­chen bei dem Un­ter­neh­men; vor­her hat­te sie jah­re­lang als Mar­ke­ting­che­fin bei Ata­we­ar, ei­nem Her­stel­ler von Sport­klei­dung, ge­ar­bei­tet. Als be­geis­ter­te Läu­fe­rin freu­te sie sich über die Chan­ce, mit dem Un­ter­neh­mens­grün­der, CEO und Ex-Olym­pia­teil­neh­mer Dan­ny Men­do­za zu­sam­men­ar­bei­ten zu kön­nen. MMC ver­an­stal­te­te Läu­fe, die Ele­men­te von Ul­tra­ma­ra­thons und Hin­der­nis­läu­fen nach Art von Mi­li­tär­übun­gen mit­ein­an­der ver­ban­den. An dem Event, das Ende der 90er Jah­re ge­st­ar­tet war, hat­ten zu­nächst nur Dan­ny Men­do­za und sei­ne Freun­de teil­ge­nom­men. In­zwi­schen ver­an­stal­te­te MMC je­des Jahr über 50 Läu­fe in Ka­na­da, Eu­ro­pa und den USA. Mitt­ler­wei­le konn­te Men­do­za nicht mehr selbst an al­len Läu­fen teil­neh­men, doch er sporn­te sei­ne Mit­ar­bei­ter an, so oft wie mög­lich mit­zu­lau­fen. Ihm war es stets wich­tig ge­we­sen, mit den MMC-Sport­lern – vor al­lem den „Men­do­za Ma­niacs“, wie der har­te Kern der Läu­fer sich selbst nann­te – in Kon­takt zu blei­ben.
„Das ist echt ein Alb­traum“, be­klag­te sich der Läu­fer. „Ich bin ges­tern nicht mit­ge­lau­fen, doch weil ich mich für den Ma­ra­thon im nächs­ten Jahr re­gis­trie­ren will, bin ich über Nacht von L. A. hier­her­ge­fah­ren. Ich habe mir da­für ex­tra einen Tag frei­ge­nom­men, und jetzt ste­cke ich in die­ser War­te­schlan­ge fest.“
„Sie kön­nen sich auch on­li­ne an­mel­den“, woll­te Jack­son ihn auf­klä­ren; doch er ver­dreh­te schon die Au­gen, noch ehe sie den Satz be­en­det hat­te.
Jack­son seufz­te. Men­do­za hat­te ihr ge­ra­ten, in den ers­ten Wo­chen ih­rer neu­en Tä­tig­keit eine Lis­te­ning-Tour an­zu­tre­ten und mög­lichst vie­le MMC-Mit­ar­bei­ter und -Läu­fer ken­nen­zu­ler­nen. Da­bei war ihr schnell klar ge­wor­den, dass der Re­gis­trie­rungs­pro­zess für die Ma­ra­thons ein großer Schwach­punkt war: Er frus­trier­te so­wohl lang­jäh­ri­ge Fans als auch Leu­te, die erst­mals an ei­nem Men­do­za-Ma­ra­thon teil­neh­men woll­ten. Es gab der­zeit zwei Mög­lich­kei­ten: Man konn­te sich – zu­sam­men mit Tau­sen­den an­de­ren – ent­we­der on­li­ne re­gis­trie­ren (nor­ma­ler­wei­se ein sinn­lo­ses Un­ter­fan­gen, denn laut ei­nem Ar­ti­kel in „GQ“ wa­ren die MMC-Renn­num­mern schnel­ler aus­ver­kauft als Kar­ten für Bru­ce-Springs­teen-Kon­zer­te) oder sich di­rekt am Ma­ra­thon­ge­län­de an­stel­len, um ei­nes der Tickets zu er­gat­tern. Hier muss­te man nur mit ein paar Hun­dert an­de­ren In­ter­es­sen­ten kon­kur­rie­ren – das war viel aus­sichts­rei­cher, wes­halb sich MMC-Fans meist für die­se Al­ter­na­ti­ve ent­schie­den. Sie re­gis­trier­ten sich so­gar für Events, an de­nen sie wahr­schein­lich nicht teil­neh­men wür­den, nur für den Fall, dass sie kei­ne Renn­num­mer für den Lauf ih­rer Wahl be­ka­men. Für sie wa­ren Men­schen, die ihre Tickets on­li­ne be­stell­ten, Di­let­tan­ten, die man nicht ernst neh­men konn­te. Men­do­za-Ma­niacs stell­ten sich oft schon im Mor­gen­grau­en an, um ga­ran­tiert nicht leer aus­zu­ge­hen.
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