Die Droh­nen­wirt­schaft

HBM Oktober 2017

Auf der Bau­stel­le in mei­ner Stra­ße geht der Tag mit ei­nem Sum­men los. Es kommt von ei­nem klei­nen, schwar­zen Qua­dro­co­pter, der das Are­al in per­fek­ten Mus­tern über­fliegt – so als be­weg­te er sich auf Schie­nen fort. Mitt­ler­wei­le ist das Flug­ge­räusch so ver­traut, dass die Bau­ar­bei­ter gar nicht mehr dar­auf rea­gie­ren. Die Droh­ne ist ge­nau­so zur Nor­ma­li­tät ge­wor­den wie der Kran, mit dem sie sich den Him­mel über der Bau­stel­le teilt. Und ge­nau dar­in liegt die Re­vo­lu­ti­on: Der flie­gen­de Ro­bo­ter ist zu ei­ner der Ge­rät­schäf­ten ge­wor­den, die ganz selbst­ver­ständ­lich zum Ein­satz kom­men, wenn ir­gend­wo ein grö­ße­res Bau­pro­jekt rea­li­siert wird.
Rea­li­ty Cap­ture – der Pro­zess, mit dem die rea­le Welt aus der Luft und von der Erde aus er­fasst, ab­ges­cannt und di­gi­ta­li­siert wird – hat sich zu ei­ner Tech­nik ent­wi­ckelt, die Ge­schäfts­mo­del­le trans­for­miert. Das zeigt sich in klei­ne­rem Um­fang bei Goo­gle Maps, wo Da­ten über Sa­tel­li­ten, Flug­zeu­ge und Au­tos ge­sam­melt wer­den und schließ­lich in 2-D oder 3-D zur Ver­fü­gung ste­hen. Un­ter­des­sen ist die Tech­nik je­doch er­heb­lich fort­ge­schrit­ten. Ihre Bild­auf­lö­sung ist be­deu­tend bes­ser ge­wor­den, und auch ihre Zie­le sind an­de­re. Sie ist etwa die Ba­sis für selbst­fah­ren­de Au­tos, die auf hoch­de­tail­lier­te 3-D-Stra­ßen- und Land­kar­ten an­ge­wie­sen sind, um na­vi­gie­ren zu kön­nen. Die Me­tho­den, um sol­che Mo­del­le der ech­ten Welt zu er­stel­len, sind mit de­nen ver­wandt, die wir be­reits aus dem Ein­fan­gen von Be­we­gun­gen für Fil­me und Vi­deo­spie­le ken­nen. Bis­lang er­folg­te die Pro­duk­ti­on da­für in mit Scan­nern und an­de­rem tech­ni­schen Ge­rät üp­pig aus­ge­stat­te­ten Räu­men. Dort wur­den die Ob­jek­te dann er­fasst und an­schlie­ßend die ent­spre­chen­den Sze­nen kre­i­ert. Mit Droh­nen ent­fällt die­ser Schritt: Sie kom­men dort zum Ein­satz, wo sie ge­braucht wer­den. Da­bei sind sie im Grun­de nichts an­de­res als nor­ma­le Ka­me­ras mit in­tel­li­gen­ter Soft­wa­re, die Ge­gen­stän­de von al­len Sei­ten und aus al­len Win­keln auf­neh­men, um ein ab­so­lut rea­lis­ti­sches 3-D-Mo­dell zu er­mög­li­chen.
Es ist schon er­staun­lich, dass wir heu­te Droh­nen auf Groß­bau­stel­len und zur Pro­duk­ti­on von Fil­men ver­wen­den. Vor ge­ra­de ein­mal zehn Jah­ren hat­te die Ent­wick­lung das La­bor noch nicht ver­las­sen. Und noch vor fünf Jah­ren war ihre An­wen­dung au­ßer­or­dent­lich teu­er. In­zwi­schen kann sich je­der bei Wal­mart eine ei­ge­ne Droh­ne kau­fen. Auch eher ein­fa­che Ge­rä­te sind mitt­ler­wei­le so leis­tungs­fä­hig, dass sie sich für Ge­schäfts­zwe­cke ein­set­zen lie­ßen (sie­he Gra­fik „Die drit­te Wel­le“).
Die Tech­nik ist der­wei­len tat­säch­lich so bil­lig, un­kom­pli­ziert und ro­bust ge­wor­den, dass sich eine An­schaf­fung durch­aus auch kom­mer­zi­ell loh­nen kann. Die Ein­satz­ge­bie­te von Droh­nen sind man­nig­fal­tig: Sie wer­den nicht nur auf Bau­stel­len, son­dern auch in der Land­wirt­schaft ein­ge­setzt, um Ge­trei­de­fel­der kar­to­gra­fisch zu er­fas­sen. Bei der Ener­gie­ge­win­nung las­sen sich mit ih­rer Hil­fe So­lar­pa­ne­le und Wind­tur­bi­nen über­prü­fen, Ver­si­che­run­gen scan­nen mit­hil­fe von Droh­nen Dä­cher. Auch der Zu­stand von Stra­ßen und an­de­rer In­fra­struk­tur lässt sich pro­blem­los kon­trol­lie­ren. In der Kom­mu­ni­ka­ti­on wer­den die Flie­ger eben­so ein­ge­setzt wie auf zahl­lo­sen an­de­ren Ge­bie­ten. Ein weit­ver­brei­te­tes Cre­do lau­tet: „Du kannst nur ma­na­gen, was du auch mes­sen kannst“ – die rea­le Welt lässt sich je­doch nur un­ter Schwie­rig­kei­ten ver­mes­sen. Droh­nen ma­chen die Er­fas­sung nun er­heb­lich leich­ter.
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