Gemischte Gremien

HBM Oktober 2017

Der Auf­sichts­rat von Hen­kel ist ein bun­tes Völk­chen: Ihm ge­hört mit Kas­par von Braun ein Astro­phy­si­ker an, der an ei­ner Stern­war­te im ka­li­for­ni­schen Pa­sa­de­na ar­bei­tet; Bar­ba­ra Kux ist Schwei­ze­rin mit bes­ten Ver­bin­dun­gen in die fran­zö­sisch­spra­chi­ge Welt – sie über­wacht auch Un­ter­neh­men aus der Schweiz, Frank­reich und Bel­gi­en; und die Vor­sit­zen­de Si­mo­ne Ba­gel-Trah ist pro­mo­vier­te Mi­kro­bio­lo­gin und mit 48 Jah­ren un­ge­wöhn­lich jung für ihre Po­si­ti­on (das Durch­schnitts­al­ter deut­scher Dax-Auf­sichts­rats­chefs liegt nach An­ga­ben der Per­so­nal­be­ra­tung Rus­sell Reynolds bei 68 Jah­ren). Ei­ni­ge Bei­spie­le, die stell­ver­tre­tend ste­hen für das Er­geb­nis ei­ner Stu­die der Ver­ei­ni­gung der Auf­sichts­rä­te in Deutsch­land (VARD): Hen­kel hat dem­nach das di­ver­si­fi­zier­tes­te Kon­troll­gre­mi­um al­ler Dax-Kon­zer­ne.
Das mag über­ra­schen, steht der Kon­sum­gü­ter­her­stel­ler doch in der Kri­tik, zu­letzt drei frei ge­wor­de­ne Auf­sichts­rats­man­da­te an Män­ner ver­ge­ben zu ha­ben. Bei Di­ver­si­ty-Ran­kings schnei­det Hen­kel meist schlecht ab. Die VARD je­doch legt noch an­de­re Kri­te­ri­en an: Ne­ben Frau­en­an­teil, In­ter­na­tio­na­li­tät und den Al­ters­un­ter­schie­den misst sie auch die Viel­falt der per­sön­li­chen Netz­wer­ke – zum einen ob die Auf­sichts­rä­te Kon­tak­te in un­ter­schied­li­che Be­rei­che von Wirt­schaft, Po­li­tik und Ge­sell­schaft pfle­gen und zum an­de­ren ob sie sich mit Per­so­nen in­ner- und au­ßer­halb be­ste­hen­der Macht­zir­kel ver­net­zen.

Über­le­bens­wich­ti­ge Fä­hig­keit
Wa­rum das al­les? Die Ar­gu­men­ta­ti­on lau­tet wie folgt: „Der Auf­sichts­rat be­stimmt maß­geb­lich die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung ei­nes Un­ter­neh­mens“, sagt Ha­rald Katz­mair, Di­rek­tor des Wie­ner For­schungs­in­sti­tuts FAS Re­se­arch, das die Stu­die er­stellt hat. „Dar­um soll­te er Markt­ver­än­de­run­gen gut ein­schät­zen kön­nen. Dies hängt in ers­ter Li­nie von den Netz­wer­ken ab, in die Auf­sichts­rats­mit­glie­der ein­ge­bun­den sind. Wer Wis­sen aus mög­lichst un­ter­schied­li­chen Bran­chen, Kul­tu­ren und Tech­no­lo­gie­fel­dern er­hält, mi­ni­miert das Ri­si­ko, wich­ti­ge Trends zu über­se­hen. Die­se Fä­hig­keit – und nicht mo­ra­lisch-ethi­sche Über­le­gun­gen – soll­te das wich­tigs­te Di­ver­si­ty-Kri­te­ri­um sein, weil sie für Un­ter­neh­men über­le­bens­wich­tig ist.“
FAS Re­se­arch hat in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren eine Da­ten­bank mit öf­fent­lich zu­gäng­li­chen In­for­ma­tio­nen über Funk­tio­nen und Rol­len von rund 38 000 Per­so­nen im deutsch­spra­chi­gen Raum auf­ge­baut. Ent­hal­ten sind dar­in etwa Mit­glied­schaf­ten in Ver­ei­nen, Hoch­schu­len, Stif­tun­gen, Bei­rä­ten oder Auf­sichts­gre­mi­en. Die Da­ten­bank um­fasst ins­ge­samt 1,5 Mil­lio­nen sol­cher Ver­bin­dun­gen. Je­dem Dax-Auf­sichts­rat (die Un­ter­su­chung be­schränk­te sich da­bei auf die An­teils­eig­ner­ver­tre­ter) konn­ten die For­scher im Schnitt rund zwölf sol­cher Be­zie­hun­gen zu­ord­nen. Die Va­ri­anz ist groß: Man­che Un­ter­neh­mens­kon­trol­leu­re kom­men auf bis zu 50, an­de­re nur auf ein paar Ver­bin­dun­gen.

Über die For­schung:Ver­ei­ni­gung der Auf­sichts­rä­te in Deutsch­land, Deut­sches Cor­po­ra­te Go­ver­nance In­sti­tut, FAS Re­se­arch: Di­ver­si­ty-Ran­king der Dax-Auf­sichts­rä­te, 2017
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