„Man muss Altes loslassen können“

INTERVIEW:

HBM September 2017

Als Vir­gi­nia „Gin­ni“ Ro­met­ty 2012 CEO von IBM wur­de, über­nahm sie zu­nächst pflicht­ge­treu die Stra­te­gie ih­res Vor­gän­gers. Sam Pal­mis­a­no, der die­se Po­si­ti­on ein Jahr­zehnt lang in­ne­ge­habt hat­te, hat­te 2010 ge­lobt, IBM wür­de den Ge­winn je Ak­tie bin­nen fünf Jah­ren ver­dop­peln. Gut zwei Jah­re nach Be­ginn ih­rer Amts­zeit ge­lang­te Ro­met­ty zu dem Schluss, dass die wei­te­re Ver­fol­gung die­ses Ziels IBMs Neu­er­fin­dung tor­pe­die­ren wür­de. Im Ok­to­ber 2014 ver­ab­schie­de­te sie sich da­her von die­sem Plan und über­nahm die Ver­ant­wor­tung für die Stra­te­gie und die fi­nan­zi­el­le Ge­sund­heit des Un­ter­neh­mens.
Seit­her ist viel ge­sche­hen. Ro­met­ty, 60 Jah­re alt, hat sich ei­ner lang­fris­ti­gen Missi­on ver­schrie­ben: IBM zu ei­nem cloud­ba­sier­ten, lö­sungs­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men zu ma­chen. Sie hat Mil­li­ar­den in mo­der­ne Tech­no­lo­gi­en in­ves­tiert und sich gleich­zei­tig von klas­si­schen Ge­schäfts­zwei­gen ge­trennt, die nicht zu dem neu­en Mo­dell pas­sen.
IBM fährt nach wie vor rie­si­ge Pro-fite ein, 2016 be­trug das Net­to­er­geb­nis 13 Mil­li­ar­den Dol­lar bei ei­nem Ge­sam­tum­satz von 79,9 Mil­li­ar­den Dol­lar. Doch das Gan­ze ist noch lan­ge nicht ab­ge­schlos­sen. Im Ver­lauf des Kon­zer­num­baus hat IBM 20 Quar­ta­le in Fol­ge Um­satz­rück­gän­ge hin­neh­men müs­sen. Laut Ro­met­ty hängt dies in ers­ter Li­nie mit dem Ver­kauf der al­ten Spar­ten so­wie mit nicht ver­meid­ba­ren Wäh­rungs­schwan­kun­gen zu­sam­men. Dar­über hin­aus er­for­de­re der Weg hin zu neu­en, mar­gen­star­ken Ge­schäf­ten kurz­zei­ti­ge schmerz­haf­te Ein­schnit­te. „Mein Job ist es, ein IBM auf­zu­bau­en, das auf Dau­er Be­stand hat“, be­tont sie.
Bis­lang hat sie da­bei die Un­ter­stüt­zung des Vor­stands. Trotz der sin­ken­den Um­satz­zah­len wur­de ihr Ge­halt erst kürz­lich auf 33 Mil­lio­nen Dol­lar auf­ge­stockt, was sie un­ter den best­be­zahl­ten CEOs der Ver­ei­nig­ten Staa­ten auf Platz 8 ka­ta­pul­tier­te. Die Fra­ge ist, ob die In­ves­to­ren eben­so viel Ge­duld auf­brin­gen. Im Mai ließ War­ren Buf­fett, Haupt­ak­tio­när von IBM (knapp 8,6 Pro­zent), ver­lau­ten, er habe rund 30 Pro­zent sei­ner An­tei­le ab­ge­sto­ßen und IBM hät­te „ei­ni­ge echt toughe Mit­be­wer­ber“. Ro­met­ty, zu­gleich auch Chair­man und Pre­si­dent des Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten, scheint sich da­von nicht be­ein­dru­cken zu las­sen. Ih­ren Wor­ten zu­fol­ge hat IBM die Fä­hig­keit zum Wan­del „in sei­ner DNA“. Und sie muss es schließ­lich wis­sen. Sie ist seit 36 Jah­ren im Kon­zern, hat sich ihre Spo­ren mit der Ent­wick­lung der Busi­ness-Ser­vices-Di­vi­si­on von IBM ver­dient und die er­folg­rei­che Über­nah­me und In­te­gra­ti­on der ge­sam­ten Be­ra­tungs­spar­te von PwC Con­sul­ting in den Kon­zern ge­ma­nagt.
Jetzt setzt sie haupt­säch­lich auf Wat­son, die Künst­li­che-In­tel­li­genz-Platt­form von IBM. Wat­son de­bü­tier­te 2011, als das Com­pu­ter­pro­gramm es mit zwei ehe­ma­li­gen Re­kord­ge­win­nern der TV-Quiz­sen­dung „Jeo­pardy!“ auf­nahm und da­bei de­mons­trier­te, wie weit ma­schi­nel­les Ler­nen in­zwi­schen ge­kom­men war. Zwei Jah­re spä­ter brach­te IBM Wat­son auf den Markt, und heu­te leis­tet sein künst­li­ches Ge­hirn al­les Er­denk­li­che – von der Be­ra­tung von Ärz­ten bei der Kre­bs­be­hand­lung bis hin zu Wet­ter­vor­her­sa­gen.

Mit Vir­gi­nia Ro­met­ty sprach HBR-Chef­re­dak­teur Adi Igna­ti­us.
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