Glo­ba­li­sie­rung in der Trump-Ära

HBM September 2017

Unter­neh­mens­len­ker ha­ben Mühe, sich an eine Welt an­zu­pas­sen, die sie sich vor ei­nem Jahr noch nicht hät­ten vor­stel­len kön­nen. Der Traum von ei­ner Welt ohne Gren­zen ist ge­platzt. Die tra­di­tio­nel­len Ver­fech­ter of­fe­ner Märk­te – die USA und Groß­bri­tan­ni­en – sind ins Wan­ken ge­ra­ten, und Chi­na po­si­tio­niert sich als stärks­ter Vor­kämp­fer der Glo­ba­li­sie­rung. Im Juni 2016 ver­blüff­ten die Bri­ten mit ih­rem Vo­tum für den Br­e­xit die Eu­ro­päi­sche Uni­on, und in den USA wur­de die Be­richt­er­stat­tung über die Glo­ba­li­sie­rung im Ver­lauf des Prä­si­dent­schafts­wahl­kampfs im­mer ne­ga­ti­ver.
Eine Wo­che nach der Amtsein­füh­rung von Do­nald Trump, als die Angst vor ei­nem Han­dels­krieg be­son­ders groß war, ti­tel­te der „Eco­no­mist“: „The Re­tre­at of the Glo­bal Com­pa­ny“ – „Der Rück­zug des Welt­kon­zerns“. In die­ser Ge­schich­te schrieb das bri­ti­sche Wirt­schafts­ma­ga­zin, die größ­te Ge­schäfts­idee der ver­gan­ge­nen drei Jahr­zehn­te ste­cke in enor­men Schwie­rig­kei­ten: Grö­ße und Ar­bi­tra­ge bö­ten kei­nen Wett­be­wer­bs­vor­teil mehr. Jeffrey Im­melt, da­mals Chair­man und CEO des ame­ri­ka­ni­schen Misch­kon­zerns GE, sprach un­ter­des­sen von ei­ner „küh­nen Kurs­wen­de“ sei­nes Un­ter­neh­mens – weg von der Glo­ba­li­sie­rung, hin zur Lo­ka­li­sie­rung.
Aber ist die kol­lek­ti­ve Ab­kehr von der Glo­ba­li­sie­rung in die­sen un­si­che­ren Zei­ten wirk­lich das bes­te Re­zept für Un­ter­neh­men? Oder soll­ten sie, statt ein­zu­pa­cken und nach Hau­se zu­rück­zu­keh­ren, lie­ber den Fo­kus auf Lo­ka­li­sie­rung le­gen – also die Pro­duk­ti­on und so­gar For­schung & Ent­wick­lung in den je­wei­li­gen Ab­satz­markt ver­la­gern? Mei­nen Un­ter­su­chun­gen zu­fol­ge ist kei­ner der bei­den An­sät­ze emp­feh­lens­wert. Wir müs­sen nur ein Jahr­zehnt in die Ver­gan­gen­heit zu­rück­ge­hen. Da­mals dach­ten Un­ter­neh­mens­len­ker noch, die Welt wer­de „fla­cher“ und schon bald wür­den glo­ba­le Kon­zer­ne un­ge­hin­dert von na­tio­na­len Gren­zen die Welt­wirt­schaft be­herr­schen. Die­se über­trie­be­nen Pro­phe­zei­un­gen ha­ben sich als falsch er­wie­sen. Doch die ak­tu­el­len Rufe nach ei­ner ra­di­ka­len Ab­kehr von der Glo­ba­li­sie­rung an­ge­sichts des zu­neh­men­den Pro­tek­tio­nis­mus sind eben­so über­zo­gen, nur in die an­de­re Rich­tung. Ein Teil der Glo­ba­li­sie­rungs­eu­pho­rie ist in Trüb­sal um­ge­schla­gen, ins­be­son­de­re in den USA, doch eine ernst­haf­te Um­kehr hat noch nicht statt­ge­fun­den. Und selbst wenn es dazu käme, wäre es ein Feh­ler, das Ende der Glo­ba­li­sie­rung her­bei­zu­re­den: Zu­rück­spu­len ist nicht das Glei­che wie aus­schal­ten.
Ein kom­plet­ter Rück­zug oder eine über­trie­be­ne Lo­ka­li­sie­rung wür­den die Fä­hig­keit von Un­ter­neh­men ein­schrän­ken, mit der brei­ten Pa­let­te an Glo­ba­li­sie­rungs­stra­te­gi­en über Gren­zen und grö­ße­re Di­stan­zen hin­weg Wert­schöp­fung zu be­trei­ben. Denn die­se Stra­te­gi­en sind ef­fek­tiv und wer­den auch in Zu­kunft wei­ter gut funk­tio­nie­ren. Die ak­tu­el­len Tur­bu­len­zen er­for­dern eine sub­ti­le­re Än­de­rung der Stra­te­gi­en, Or­ga­ni­sa­ti­onss­truk­tu­ren und An­sät­ze für ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment mul­ti­na­tio­na­ler Un­ter­neh­men. In die­sem Bei­trag gehe ich auf ty­pi­sche Fehl­wahr­neh­mun­gen des­sen ein, was sich an der Glo­ba­li­sie­rung tat­säch­lich än­dert und was nicht; ich bie­te Leit­li­ni­en, die Un­ter­neh­mens­len­kern bei der Ent­schei­dung hel­fen, wo und wie sie ge­schäft­lich ak­tiv sein sol­len; und ich un­ter­su­che die Rol­le mul­ti­na­tio­na­ler Un­ter­neh­men in ei­ner kom­ple­xen Welt.
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