Der Edison der Medizin

FORSCHUNG:

HBM Juni 2017

Eines Mor­gens im ver­gan­ge­nen Jahr war es so weit: Der Mo­ment des Ab­schieds war ge­kom­men. Ja­mes Dahl­man mach­te sich auf den Weg, um Ro­bert „Bob“ Lan­ger in sei­nem Büro am MIT Koch In­sti­tu­te for In­te­gra­ti­ve Can­cer Re­se­arch zu tref­fen. Lan­ger und sein Kol­le­ge Dan An­der­son hat­ten Dahl­mans Dok­tor­ar­beit be­treut und war­te­ten schon auf ihn. Dahl­man, 29 Jah­re alt, stand kurz da­vor, sei­ne ers­te Stel­le in der bio­me­di­zi­ni­schen Ab­tei­lung am Ge­or­gia In­sti­tu­te of Tech­no­lo­gy an­zu­tre­ten. Doch zu­vor brauch­te er einen Rat.
„Mach et­was wirk­lich Großes“, riet Lan­ger ihm. „Et­was, das die Welt rich­tig ver­än­dern kann. Nichts, was nur auf in­kre­men­tel­len Fort­schritt ab­zielt.“
Es ist ganz si­cher die­se Phi­lo­so­phie, die das Lan­ger Lab zu ei­nem der er­folg­reichs­ten und in­no­va­tivs­ten For­schungs­in­sti­tu­te der Welt ge­macht hat.
Un­ab­hän­gig da­von, ob es sich nun um For­schungs­ein­rich­tun­gen an Hoch­schu­len, in Fir­men oder von staat­li­chen In­sti­tu­tio­nen han­delt – im Grun­de kön­nen sie alle von Lan­ger ler­nen. Lan­ger hat eine fünf­stu­fi­ge Me­tho­de ent­wi­ckelt, die das Tem­po wis­sen­schaft­li­cher Ent­de­ckun­gen stei­gert und ihre Taug­lich­keit in der Pra­xis si­cher­stellt. Da­mit ste­hen für die al­ler­meis­ten Ent­de­ckun­gen Lan­gers die Chan­cen gut, auch tat­säch­lich in Pro­duk­te um­ge­setzt zu wer­den. Sei­ne Me­tho­de ver­bin­det einen kla­ren Fo­kus auf wirk­lich bahn­bre­chen­de Ide­en mit An­sät­zen, die dazu bei­tra­gen, das sprich­wört­li­che Tal des To­des zwi­schen For­schung und kom­mer­zi­el­ler An­wen­dung er­folg­reich zu über­win­den. Dar­über hin­aus be­för­dert sie die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen un­ter­schied­li­chen Fach­be­rei­chen, und sie schafft es, li­mi­tier­te Pro­jekt­lauf­zei­ten, be­grenz­te fi­nan­zi­el­le Res­sour­cen und eine hohe Fluk­tua­ti­on beim For­schungs­per­so­nal vor­teil­haft mit­ein­an­der zu kom­bi­nie­ren. Zu­dem hilft sie, einen Füh­rungs­stil zu eta­blie­ren, der die rich­ti­ge Ba­lan­ce zwi­schen Frei­heit und Un­ter­stüt­zung bie­tet.
Al­lein in den USA wer­den jähr­lich 500 Mil­li­ar­den US-Dol­lar in die For­schung ge­steckt. „Vie­le der Pro­jek­te sind je­doch eher ba­nal“, sagt H. Kent Bo­wen, eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor der Har­vard Busi­ness School. Kent hat über vie­le Jah­re so­wohl aka­de­mi­sche als auch un­ter­neh­mens­ei­ge­ne For­schungs­ab­tei­lun­gen un­ter­sucht. „Wür­den die In­sti­tu­te sich wie das Lan­ger Lab auf Kol­la­bo­ra­ti­on aus­rich­ten und auf ech­te In­no­va­tio­nen kon­zen­trie­ren, wür­den wir in den USA end­lich be­grei­fen, welch un­ge­heu­res Po­ten­zi­al für Wohl­stand dar­in steckt“, so Bo­wen.
Lan­gers Leis­tun­gen sind tat­säch­lich in viel­fa­cher Hin­sicht be­mer­kens­wert. Kein In­ge­nieur hat zu­vor einen so ho­hen Wert auf dem H-In­dex er­reicht. Die­ser gibt an, wie vie­le Fach­pu­bli­ka­tio­nen ein Wis­sen­schaft­ler ver­öf­fent­licht hat und wie oft sie zi­tiert wur­den. Mit 230 Punk­ten ist Lan­ger ein­deu­tig spit­ze. Auch was die Zahl sei­ner For­schungs­er­geb­nis­se an­be­langt, liegt sein Lab vorn: Mehr als 1100 sei­ner Re­sul­ta­te sind be­reits pa­ten­tiert oder zum Pa­tent an­ge­mel­det. Ins­ge­samt ha­ben sich 300 Fir­men aus den Be­rei­chen Phar­ma­zie, Che­mie, Bio­tech­no­lo­gie und Me­di­zin­tech­nik das Wis­sen aus dem Lab via Li­zen­zen oder Un­ter­li­zen­zen ge­si­chert. Nicht zu­letzt des­halb trägt Lan­ger in der Sze­ne den Spitz­na­men „Edi­son of Me­di­ci­ne“. Von den 40 Un­ter­neh­men, die im Um­feld des Lan­ger Labs ent­stan­den, exis­tie­ren nach wie vor 39 – ent­we­der als ei­gen­stän­di­ge Fir­men oder als Zu­käu­fe an­de­rer Un­ter­neh­men. Alle zu­sam­men ha­ben mitt­ler­wei­le einen Markt­wert von rund 23 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Und Li­ving Proof, eine Fir­ma für Haar­pfle­ge­pro­duk­te, die Uni­le­ver für eine un­be­kann­te Sum­me kauf­te, ist da­bei nicht ein­ge­rech­net.
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