Der Skandaleffekt

KARRIERE:

HBM April 2017

Im Sep­tem­ber 2015 wur­de pu­blik, dass Volks­wa­gen die Ab­gas­wer­te sei­ner Die­sel­mo­to­ren ma­ni­pu­liert hat­te. Rund elf Mil­lio­nen Au­tos welt­weit hat­te der Kon­zern mit ei­ner soft­wa­re­ge­steu­er­ten Ab­schalt­ein­rich­tung aus­ge­stat­tet, die da­für sorg­te, dass die Ab­gas­rei­ni­gungs­an­la­ge die Emis­sio­nen nur in Prüf­si­tua­tio­nen un­ter den er­laub­ten Höchst­wert drück­te. Die Fol­gen wa­ren dras­tisch: Der Ak­ti­en­kurs brach nach Be­kannt­wer­den der Nach­richt ein, in Nord­ame­ri­ka, Eu­ro­pa und Asi­en wur­den staat­li­che Er­mitt­lun­gen ge­gen das Un­ter­neh­men ein­ge­lei­tet. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de trat zu­rück, und wei­te­re Top­ma­na­ger wur­den sus­pen­diert, der Kon­zern ver­zeich­ne­te 2015 einen Re­kord­ver­lust, und die Kos­ten für die Be­sei­ti­gung des Pro­blems dürf­ten sich auf mehr als 19 Mil­li­ar­den Dol­lar be­lau­fen. Der Scha­den für die Mar­ke Volks­wa­gen lässt sich nicht be­zif­fern.

Stel­len Sie sich vor, Sie sind In­ge­nieur in Me­xi­ko, Per­so­nal­ma­na­ger in den USA oder Lo­gis­ti­k­ex­per­te in Po­len. Sie wa­ren von 2004 bis 2008 bei Volks­wa­gen be­schäf­tigt, also be­vor die neu­en Emis­si­ons­kon­trol­len in­stal­liert wur­den, und Sie ha­ben nie in den Kon­zern­be­rei­chen ge­ar­bei­tet, die für die Ma­ni­pu­la­ti­ons­soft­wa­re ver­ant­wort­lich wa­ren. Seit ei­ni­ger Zeit sind Sie mit Ih­rem ak­tu­el­len Ar­beits­platz un­zu­frie­den und möch­ten sich einen neu­en Job su­chen. Dass Sie vor lan­ger Zeit ein­mal bei VW ge­ar­bei­tet ha­ben, dürf­te ja kein Pro­blem sein, rich­tig?
Falsch. Un­se­re Un­ter­su­chun­gen zei­gen, dass Ma­na­ger mit Skan­dal­un­ter­neh­men im Le­bens­lauf auf dem Ar­beits­markt für die Sün­den ih­res ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­bers be­zah­len – selbst wenn sie ein­deu­tig nichts da­mit zu tun hat­ten (zur Me­tho­dik sie­he Kas­ten „Über un­se­re For­schung“). Im Schnitt wer­den sol­che Ma­na­ger um na­he­zu 4 Pro­zent schlech­ter be­zahlt als an­de­re Be­wer­ber. Wenn man be­denkt, dass das Ein­stiegs­ge­halt großen Ein­fluss auf die wei­te­re Ent­wick­lung der Ver­gü­tung hat, kann die­ser Un­ter­schied im Lauf ei­ner Kar­rie­re er­heb­lich wer­den.
In­ter­views mit er­fah­re­nen Head­hun­tern in­ter­na­tio­na­ler Exe­cu­ti­ve-Search-Fir­men er­gän­zen und be­stä­ti­gen un­se­re quan­ti­ta­ti­ve Ana­ly­se. Ein eu­ro­päi­scher Head­hun­ter er­in­nert sich an einen Bank­ma­na­ger, der we­gen ei­nes Skan­dals bei sei­nem ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber schwer ver­mit­tel­bar war. Da­bei wa­ren die Pro­ble­me erst auf­ge­tre­ten, als der Ma­na­ger schon län­ger als zehn Jah­re nicht mehr für die Bank ar­bei­te­te. Der Kun­de des Head­hun­ters, ein Ma­na­ging Di­rec­tor, woll­te den Kan­di­da­ten noch nicht ein­mal zu ei­nem Ge­spräch tref­fen, und ir­gend­wann sag­te er auch, wa­rum: „Das ist zu ris­kant. Auch wenn er schon seit zehn Jah­ren nicht mehr bei der Bank ar­bei­tet, kann ich ihn für die­sen Pos­ten nicht be­rück­sich­ti­gen.“
Die­se Art von Vor­ein­ge­nom­men­heit ist für einen er­staun­lich ho­hen Pro­zent­satz von Aka­de­mi­kern eine Ge­fahr. In un­se­rer Stich­pro­be von Job­wechs­lern hat­ten 18 Pro­zent der Ma­na­ger für ein Un­ter­neh­men ge­ar­bei­tet, das in einen Fi­nanz­s­kan­dal ver­wi­ckelt ge­we­sen war. Wür­de man auch nicht fi­nan­zi­el­le Skan­da­le be­rück­sich­ti­gen, etwa Pro­ble­me mit der Pro­dukt­si­cher­heit, Ar­beits­kämp­fe, Fias­kos in den Kun­den­be­zie­hun­gen, wäre der Pro­zent­satz na­tür­lich noch hö­her. Skan­da­le wir­ken lan­ge nach. Des­halb kann selbst ein Un­ter­neh­men, das Sie schon lan­ge ver­las­sen ha­ben, sich auf Ih­ren ak­tu­el­len Job und künf­ti­ge Stel­len­wech­sel aus­wir­ken. Kon­trol­lie­ren kön­nen Sie die­ses Ri­si­ko nicht, aber Sie kön­nen sich vor­be­rei­ten.
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