Eine Zweite Chance für den Deserteur?

FALLSTUDIE:

HBM März 2017

Ram Ka­pur und sein Bru­der Sha­yam wa­ren von oben bis un­ten bunt be­pu­dert: Sie ka­men ge­ra­de von ei­ner Holi-Fei­er, dem in­di­schen Fest der Far­ben. Jetzt kehr­ten sie für ein tra­di­tio­nel­les Fa­mi­lienes­sen zu ih­ren El­tern in Gur­gaon zu­rück. Ge­ra­de als sie das Haus be­tre­ten woll­ten, klin­gel­te Ram Ka­purs Han­dy, und er zeig­te sei­nem Bru­der den Na­men des An­ru­fers auf dem Dis­play: Hari Shu­k­la.
„Wa­rum ruft er dich aus­ge­rech­net am Holi-Fest an?“, frag­te Sha­yam er­staunt.
Ram Ka­pur war Grün­der und CEO von Green Im­pact Con­sul­ting, ei­nem Ar­chi­tek­tur­bü­ro, das sich für Nach­hal­tig­keit en­ga­gier­te, und Hari Shu­k­la war ei­ner der meist­ge­schätz­ten Mit­ar­bei­ter die­ses neu­en Un­ter­neh­mens ge­we­sen – bis vor zwei Jah­ren, als er zur Kon­kur­renz ge­wech­selt war.
„Ich glau­be, es geht um einen Job“, er­wi­der­te Ram Ka­pur, der im­mer noch auf das Dis­play starr­te. „Wir ste­hen wie­der in Kon­takt mit­ein­an­der.“
„Kommt über­haupt nicht in­fra­ge“, pro­tes­tier­te sein Bru­der. „Er hat dich im Stich ge­las­sen! Du hast dir doch da­mals ge­schwo­ren, nie wie­der ein Wort mit ihm zu wech­seln.“
Das stimm­te. Shu­k­la war Ram Ka­purs rech­te Hand bei Green Im­pact ge­we­sen. Er hat­te die In­ge­nieu­re auf den Bau­stel­len der ver­schie­de­nen Im­mo­bi­li­en­pro­jek­te des Un­ter­neh­mens be­auf­sich­tigt, wäh­rend Ka­pur die tech­ni­schen Ana­lys­ten- und De­si­gn­teams im Büro ge­lei­tet hat­te. Im ers­ten Jahr war es schwie­rig ge­we­sen, die Bau­un­ter­neh­mer in der Re­gi­on für nach­hal­ti­ges Bau­en zu ge­win­nen. Doch im zwei­ten Jahr stieß Shu­k­la mit sei­ner lang­jäh­ri­gen Er­fah­rung zum Un­ter­neh­men – und der La­den lief.
Die bei­den Män­ner wa­ren nicht nur Kol­le­gen, son­dern auch Freun­de – also ein per­fek­tes Team. Ka­pur war sich si­cher: Green Im­pact wür­de sich schon bald zu ei­nem der drei er­folg­reichs­ten nach­hal­ti­gen Bau­un­ter­neh­men in In­di­en ent­wi­ckeln. Doch dann hat­te Shu­k­la aus hei­te­rem Him­mel sei­ne Kün­di­gung ein­ge­reicht und er­klärt, er ver­las­se das Un­ter­neh­men „aus per­sön­li­chen Grün­den“ – nur um kur­ze Zeit spä­ter bei ei­nem großen Kon­kur­ren­ten (der Su­staina­ble Build Group) wie­der auf­zut­au­chen.
Na­tür­lich wuss­te Ram Ka­pur, dass alle Jung­un­ter­neh­mer in In­di­en Ge­fahr lie­fen, wert­vol­le Mit­ar­bei­ter zu ver­lie­ren. Ta­len­te wa­ren in die­sem Land so rar, dass eta­blier­te und er­folg­rei­che­re Un­ter­neh­men mit be­kann­te­ren Na­men ih­ren klei­ne­ren Kon­kur­ren­ten häu­fig die bes­ten Mit­ar­bei­ter ab­spens­tig mach­ten. Trotz­dem fühl­te Ka­pur sich be­tro­gen und war am Bo­den zer­stört, als sein engs­ter Kol­le­ge kün­dig­te.
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