Ein Gewinn für die Armen

SOZIALE UNTERNEHMEN:

HBM Januar 2017

Afgha­nis­tan habe ich erst­mals 2003 als Mit­glied ei­ner US-De­le­ga­ti­on be­sucht, de­ren Ziel es war, das Le­ben der Frau­en in die­sem Land zu ver­bes­sern. Mir lag es be­son­ders am Her­zen, den Frau­en zu mehr wirt­schaft­li­cher Un­ab­hän­gig­keit zu ver­hel­fen. Ich hat­te die Idee, ein Ge­schäft auf der Ba­sis ei­nes Pro­dukts auf­zu­bau­en, das af­gha­ni­sche Frau­en fer­ti­gen und das wir in den USA ge­winn­brin­gend ver­kau­fen könn­ten.
Vor die­ser Rei­se war mir nicht klar ge­we­sen, mit wel­chen Pro­ble­men wir vor Ort zu kämp­fen ha­ben wür­den. Af­gha­nis­tan war ein ge­fähr­li­ches Land: Vor der Lan­dung in Ka­bul wur­den alle Lich­ter des Flug­zeugs aus­ge­schal­tet, und wir wa­ren die ers­ten Zi­vi­lis­ten seit Aus­bruch des Krie­ges, die über Nacht im Land blei­ben durf­ten. In den Dör­fern gab es kei­nen Strom. Un­ter sol­chen Be­din­gun­gen war es schwer vor­stell­bar, ein Kon­sum­gü­ter­un­ter­neh­men zu eta­blie­ren. Frau­en gal­ten nach wie vor als per­sön­li­ches Ei­gen­tum ih­rer Män­ner und durf­ten nicht das Haus ver­las­sen, um ei­ner Ar­beit nach­zu­ge­hen. Es war kaum ab­seh­bar, wie mein Vor­ha­ben ih­nen je­mals zu mehr Be­fug­nis­sen ver­hel­fen konn­te.
Am letz­ten Tag der Rei­se hielt un­ser Mi­li­tär­kon­voi an ei­nem ver­staub­ten NGO-La­den. Zu un­se­rem Schutz wur­den rund um das Ge­schäft US-Sol­da­ten pos­tiert und man gab uns zehn Mi­nu­ten Zeit, um uns um­zu­schau­en. Ich sah haupt­säch­lich Mo­de­schmuck und an­de­ren bil­li­gen Sch­nick­schnack. Die ein­zi­gen hoch­wer­ti­ge­ren Pro­duk­te wa­ren von Ein­hei­mi­schen ge­knüpf­te Tep­pi­che, von de­nen ich vier klei­ne kauf­te. Da ich kei­ne Ah­nung von den Fer­ti­gungs­be­din­gun­gen hat­te, be­gann ich mich ein­zu­ar­bei­ten. Ich er­fuhr, dass Kin­der- und Skla­ven­ar­beit in kei­ner an­de­ren Bran­che der Welt eine so wich­ti­ge Rol­le spielt wie in der Tep­pich­knüp­fe­rei. Umso reiz­vol­ler er­schi­en mir die Idee, ein ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes, nach­hal­ti­ges Un­ter­neh­men auf­zu­bau­en, das nur Er­wach­se­ne be­schäf­tig­te und die­se men­schen­wür­dig be­han­del­te.
In Af­gha­nis­tan hat das Knüp­fen von Tep­pi­chen eine lan­ge Tra­di­ti­on. Ein Groß­teil die­ser Ar­beit wird zu Hau­se von Frau­en er­le­digt. Doch die Ge­win­ne ge­hen an Zwi­schen­händ­ler; die­se muss­ten wir um­ge­hen, um un­se­ren Knüp­fe­rin­nen hö­he­re Löh­ne zah­len zu kön­nen. In ent­wi­ckel­ten Län­dern kann man für einen großen hand­ge­knüpf­ten Woll­tep­pich bis zu 8000 Dol­lar ver­lan­gen, und es gibt einen gu­ten Markt da­für. Der fi­nan­zi­el­le Aspekt und die kul­tu­rel­len Ge­ge­ben­hei­ten schie­nen also gut zu­sam­men­zu­pas­sen.
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