„Manche werden einfach vom Hof gejagt“

INTERVIEW:

HBM Januar 2017

Herr Ver­fürth, wie fühlt es sich an, wenn man als Top­ma­na­ger ohne Vor­war­nung ge­kün­digt wird?
VER­FÜRTH Eine sol­che Kün­di­gung ist im Top­ma­na­ge­ment si­cher nicht die Re­gel. In den al­ler­meis­ten Fäl­len tren­nen sich Un­ter­neh­men über ein­ver­nehm­li­che Aus­stiegs­re­ge­lun­gen von ih­ren Ma­na­gern oder las­sen ein­fach den Ver­trag aus­lau­fen. Aus ei­ge­ner Er­fah­rung kann ich aber sa­gen, dass mich mei­ne Kün­di­gung 2010 sehr über­rascht und ge­trof­fen hat. Ich fühl­te mich erst mal hilf­los, wuss­te nicht ge­nau, wie ich mit die­ser Si­tua­ti­on um­ge­hen soll­te. Nach dem ers­ten Schock, als das Be­wusst­sein ein­setz­te, ich bin nicht mehr für die­ses Un­ter­neh­men tä­tig, habe ich mich aber recht schnell ge­fragt: Wie kann ich das, was mich aus­macht, in ei­nem Pro­fil zu­sam­men­fas­sen, um es am Markt zu prä­sen­tie­ren?

Sie wa­ren da­mals Ver­trie­bs­vor­stand der Apo­the­ker- und Ärz­te­bank. Im Zuge ei­ner ver­meint­li­chen Kor­rup­ti­ons­af­fä­re muss­ten Sie die po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung über­neh­men und wur­den vom Auf­sichts­rat frei­ge­stellt, ob­wohl Ih­nen per­sön­lich nichts vor­zu­wer­fen war. Heu­te un­ter­stüt­zen Sie un­ter an­de­rem ge­kün­dig­te Top­füh­rungs­kräf­te bei der Su­che nach ei­ner neu­en Po­si­ti­on. Wer­den die von ih­rer Ent­las­sung ge­nau­so über­rascht wie Sie da­mals?
VER­FÜRTH Oft gibt es schon früh­zei­ti­ge An­zei­chen da­für, die vie­le Ma­na­ger aber gar nicht als sol­che wahr­neh­men. Dazu ge­hört, dass sie vor wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen nicht mehr voll­stän­dig in­for­miert wer­den und zu­neh­mend in Streit­ge­sprä­che mit ih­ren Vor­ge­setz­ten ge­ra­ten. Vie­le neh­men das nicht so rich­tig ernst und den­ken, der Sturm zieht ir­gend­wann wie­der vor­über – es gibt ja sol­che Pha­sen. Aber wenn sie spä­ter dar­über nach­den­ken, wird ih­nen klar, dass dies die ers­ten Vor­bo­ten der Tren­nung wa­ren.

Wie lässt sich un­ter­schei­den, ob es nur ein vor­über­ge­hen­der Sturm ist oder ob sich da et­was Schlim­me­res zu­sam­men­braut?
VER­FÜRTH Zu An­fang lässt sich das meist gar nicht un­ter­schei­den. Des­halb soll­ten Ma­na­ger sich früh­zei­tig auf die Mög­lich­keit ein­stel­len, dass sie über kurz oder lang viel­leicht das Un­ter­neh­men ver­las­sen müs­sen. Wel­che Op­tio­nen gibt es au­ßer­halb mei­nes Ar­beit­ge­bers? Kann ich Kon­tak­te aus der Ver­gan­gen­heit re­ak­ti­vie­ren? Wie po­si­tio­nie­re ich mein Pro­fil am Ar­beits­markt, ohne all­zu sehr da­mit in die Öf­fent­lich­keit zu tre­ten? Der letz­te Punkt ist ent­schei­dend, denn ich kann ja oft noch nicht ein­schät­zen, in wel­che Rich­tung sich die Si­tua­ti­on im Un­ter­neh­men ent­wi­ckelt. Aber früh­zei­tig die Füh­ler aus­zu­stre­cken, etwa zu Per­so­nal­be­ra­tern, zu de­nen man schon län­ger kei­nen Kon­takt mehr hat­te, ist si­cher sinn­voll.
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