Wenig Weisheit bei den Vielen

CROWDSOURCING:

HBM Dezember 2016

Nach dem Aus­bruch der Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko woll­ten die Ma­na­ger von BP un­ter an­de­rem die Weis­heit der Mas­se nut­zen. Sie ver­an­stal­te­ten einen Ide­en­wett­be­werb mit dem Ziel, Lö­sun­gen für die Be­sei­ti­gung der mas­si­ven Um­welt­ver­schmut­zung zu fin­den. Die Men­schen rea­gier­ten hilfs­be­reit, BP er­hielt meh­re­re Tau­send Ide­en. Doch kei­ner der Vor­schlä­ge ließ sich in die Tat um­set­zen.
Ähn­lich geht es vie­len Kon­sum­gü­ter­her­stel­lern, die sich von of­fe­nen In­no­va­ti­ons­wett­be­wer­ben im In­ter­net neue Pro­duk­ti­de­en er­hof­fen. Sie be­kom­men zwar häu­fig vie­le Ein­sen­dun­gen. Aber un­ter al­len ein­ge­reich­ten Vor­schlä­gen fin­den sich nur we­ni­ge wirk­lich ver­wert­ba­re Ide­en. Mitt­ler­wei­le hat das Pro­blem so­gar einen Na­men: Crow­ding.
Um her­aus­zu­fin­den, wie sich die­se Ver­schwen­dung von Krea­ti­vi­tät und der Ar­beits­auf­wand für In­no­va­ti­ons­ma­na­ger re­du­zie­ren lässt, ha­ben wir uns in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren in­ten­siv mit der Funk­ti­ons­wei­se von In­no­va­ti­ons­wett­be­wer­ben be­schäf­tigt. Ge­mein­sam mit sechs Un­ter­neh­men ana­ly­sier­ten wir in zwei Ar­beits­krei­sen in­ner­halb von je­weils ei­nem Jahr die Pla­nung und Durch­füh­rung von Wett­be­wer­ben. Mit vier Un­ter­neh­men ha­ben wir zu­dem ge­mein­sam Wett­be­wer­be durch­ge­führt; zwei der Wett­be­wer­be ha­ben wie da­bei de­tail­liert ana­ly­siert. Wir be­frag­ten dazu mehr als 300 Teil­neh­mer so­wie Per­so­nen, die zwar zur Ziel­grup­pe ge­hör­ten, auf die Ein­la­dung aber nicht rea­giert hat­ten. Letz­te­re dienten uns als Ver­gleichs­grup­pe. Wir woll­ten die ak­ti­ven und nicht ak­ti­ven Men­schen der Crowd ken­nen­ler­nen und ver­ste­hen, wel­che Fak­to­ren eine mög­li­che Teil­nah­me und die Qua­li­tät der Bei­trä­ge be­ein­flus­sen. Au­ßer­dem be­frag­ten wir 54 Inno­va­ti­ons­ma­na­ger zu ih­ren Er­war­tun­gen im Hin­blick auf das Crowd­sour­cing von In­no­va­tio­nen.
Die Un­ter­su­chun­gen zeig­ten, dass vie­le der be­frag­ten Ma­na­ger von un­rea­lis­ti­schen An­nah­men zum Crowd­sour­cing aus­ge­hen. Zum einen ma­chen sie sich falsche Vor­stel­lun­gen von den Be­weg­grün­den und von den Fä­hig­kei­ten der Teil­neh­mer. Sie ver­ste­hen aber in vie­len Fäl­len auch nicht, dass der Pro­zess des Wett­be­wer­bs das Er­geb­nis in ho­hem Maße be­ein­flusst. Wird das In­no­va­ti­ons­pro­blem ein­fach an die Crowd aus­ge­la­gert, ist die Ge­fahr groß, kein ver­wert­ba­res Er­geb­nis zu be­kom­men. Statt­des­sen müs­sen Un­ter­neh­men ler­nen, auch die ver­meint­lich out­ge­sourc­te Ide­en­fin­dung in ei­nem Wett­be­werb ab­hän­gig von den ge­wünsch­ten Zie­len ak­tiv zu pla­nen und zu steu­ern. Das be­deu­tet auch, dass un­ter Um­stän­den sehr un­ter­schied­li­che Ziel­grup­pen als Teil­neh­mer ge­won­nen wer­den müs­sen.

DER IN­PUT
Crowd­sour­cing-An­sät­ze ba­sie­ren in den von uns be­frag­ten Un­ter­neh­men und bei den In­no­va­ti­ons­ma­na­gern häu­fig auf der An­nah­me, dass sich die pas­sen­den Teil­neh­mer schon ein­fin­den wer­den. Der an­ge­nom­me­ne Me­cha­nis­mus wird als ef­fi­zi­en­te Selbst­se­lek­ti­on be­zeich­net. Ent­spre­chend breit sind die Wett­be­wer­be an­ge­legt. Ge­wor­ben wird oft in so­zia­len Me­di­en, mit Pres­se­mit­tei­lun­gen, um eine Be­richt­er­stat­tung in Ta­ges­zei­tun­gen an­zu­sto­ßen, per Newslet­ter – eben mit­hil­fe al­ler klas­si­schen Me­di­en, die ei­nem Un­ter­neh­men zur Ver­fü­gung ste­hen.
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