Wir können nicht mit Vielfalt umgehen

WISSENSCHAFT:

HBM Dezember 2016

Die Vor­tei­le der Viel­falt in Un­ter­neh­men sind un­be­streit­bar. Ber­ge­wei­se Stu­di­en aus meh­re­ren Jahr­zehn­ten wei­sen nach, dass eine di­ver­si­fi­zier­te Be­leg­schaft mess­bar bes­ser Ent­schei­dun­gen trifft, Pro­ble­me löst und mehr Krea­ti­vi­tät, in­no­va­ti­ves Den­ken und Fle­xi­bi­li­tät an den Tag legt. Die meis­ten von uns sind auch über­zeugt da­von, dass sich Ein­stel­lungs-, Be­för­de­rungs- und Ver­gü­tungs­ent­schei­dun­gen ein­zig und al­lein auf Leis­tung und Ver­dienst grün­den soll­ten. Auch wenn bei­de Kon­zep­te auf den ers­ten Blick nicht wi­der­sprüch­lich schei­nen, sind sie in der Pra­xis schwie­rig in Ein­klang zu brin­gen, weil un­se­re Vor­ur­tei­le uns im­mer wie­der einen Strich durch die Rech­nung ma­chen.

DAS PRO­BLEM MIT DER LEIS­TUNG
Es mag ein­fach und of­fen­sicht­lich klin­gen, dass die Leis­tung für Ent­schei­dun­gen im Per­so­nal­be­reich aus­schlag­ge­bend sein soll­te, doch ganz so sim­pel ist es nicht. Wir glau­ben Ta­len­te zu er­ken­nen, wenn wir sie se­hen, aber in der Re­gel ist das nicht der Fall. In Wahr­heit sind wir ganz schlecht dar­in, Men­schen ob­jek­tiv zu be­ur­tei­len. Aus ge­nau die­sem Grund ha­ben Or­che­s­ter schon vor Jahr­zehn­ten da­mit be­gon­nen, so­ge­nann­te Blind Au­di­ti­ons ab­zu­hal­ten, die Mu­si­ker spie­len da­bei hin­ter ei­ner Wand. Es ist auch der Grund, wes­halb Al­go­rith­men heut­zu­ta­ge häu­fig bes­se­re Ein­stel­lungsent­schei­dun­gen tref­fen als Men­schen. Und wa­rum so vie­le Un­ter­neh­men nach Al­ter­na­ti­ven zu tra­di­tio­nel­len Leis­tungs­be­wer­tun­gen su­chen. Selbst (und vor al­lem) wenn Un­ter­neh­mens­lei­ter be­son­ders dar­auf po­chen, dass es in ih­rem Be­trieb fair zu­geht, sor­gen Vor­ur­tei­le im­mer wie­der da­für, dass Mit­ar­bei­ter, die die­sel­be Leis­tung brin­gen, un­ter­schied­lich be­wer­tet und be­han­delt wer­den. Das konn­ten Emi­lio Ca­stil­la vom Massa­chu­setts In­sti­tu­te of Tech­no­lo­gy und Ste­phen Be­nard von der In­dia­na Uni­ver­si­ty in ih­rer be­kann­ten For­schungs­ar­beit über das „Pa­ra­dox der Me­ri­to­kra­tie“ be­le­gen.
Wie aber kommt es, dass wir im­mer wie­der in die Fal­le tap­pen? Ro­bert H. Frank, Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler an der Uni­ver­si­tät Cor­nell und Au­tor des Bu­ches „Suc­cess and Luck“, hat da­für eine Er­klä­rung: Wir se­hen ein­fach nicht, wel­chen großen Ein­fluss zu­fäl­li­ge Er­eig­nis­se auf den Le­bens­lauf ei­nes Men­schen ha­ben. Wenn je­mand einen tol­len Job er­gat­tert und viel Geld ver­dient, ge­hen wir da­von aus, dass all das auf In­tel­li­genz und har­te Ar­beit zu­rück­zu­füh­ren sein muss. (Un­ser ei­ge­nes Le­ben be­trach­ten wir schließ­lich auf die­sel­be Wei­se.) Und die­je­ni­gen, die kei­nen Er­folg ha­ben? Wir sa­gen uns, dass sie viel­leicht hier und da Pech hat­ten, das Ru­der aber si­cher noch her­um­rei­ßen könn­ten, wenn sie sich nur et­was mehr ins Zeug le­gen wür­den.
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